?Eigentlich hasse ich sie alle“, sagte Riley leise und Talisa sah überrascht zu ihr herüber. Sie hatte Riley noch nie so sprechen geh?rt. Hass war ein Wort, von dem sie dachte, es würde dieses in Rileys Vokabular nicht geben.
Sie lehnten gemeinsam an der Wand der Haupthalle, hatten jeweils einen Orangensaft in der Hand und sahen sich die Menge an, welche nach und nach gr??er wurde. Ein Banner mit einer gro?en Willkommensaufschrift war dem Eingang hin ausgerichtet aufgespannt. Talisa h?rte die immer wieder freudigen Ausrufe, als eine neue Person die Schwelle zum Haupteingang übertrat und erkannt wurde.
Auf Riley Dr?ngen hin waren sie viel zu früh hier gewesen und hatten alles akribisch beobachtet. Ger?tselt, wen sie alles erkennen würden, diskutiert, ob sich die Leute ge?ndert haben oder nicht. Talisa w?re lieber bei Riley zu Hause geblieben. Der gestrige Abend war entspannend gewesen. Sie hatten viel gelacht, mal die dunklen Seiten der Welt vergessen.
?Was meinst du?“, fragte Talisa leise zurück. Ihre Augen sahen heimlich zu Khai, welcher sich an ihrer rechten befand. Auch für ihn waren das viel zu viele Menschen.
?Alles Heuchler. Siehst du Jean dahinten? Er hat immer so getan, als w?re er voll in mich verknallt, und hat dann seinen Freunden erz?hlt, dass er insgeheim nur versucht hatte, mich in sein Bett zu bekommen. Stephi dort vorne? Sie konnte einfach nicht aufh?ren, sich das Maul über uns zu zerrei?en, und ihre Anh?nger hingen ihr wie eine Sekte an den Lippen. Dann haben wir Adren und Ben: Derselbe alte Haufen, welcher es sich nicht leisten kann, ihr Protz zur Schau zu stellen. Es ist schon traurig. Einige Jahre sp?ter und sie benehmen sich noch immer wie Snobs, welche meinen, die Welt verstanden zu haben, w?hrend sie zeitgleich wie Gefühlszombies ihren Trieben folgen und keinen ernsthaft vernünftigen Gedanken fassen k?nnen.“
Talisa schnaubte l?chelnd. ?Gefühlszombies? Hast du das aus deinem Studium oder aus The rising dead?“
Riley fing breit zu grinsen an. ?Der Film ist der Wahnsinn. Hast du ihn schon gesehen? Sie haben mittlerweile eine Einnahme von fünf Milliarden Dollar und das, obwohl er nur in den USA ausgestrahlt wird. Noch nie war ein Horrorfilm so erfolgreich. Social Media tut aber auch sein Bestes. Die Kids überschlagen sich mit den ganzen Wetten und Challanges. Erst letztens wieder einen Zombieprank dazu gesehen. Hatte auch ein paar Millionen Views. Obwohl wir Menschen es nicht schaffen, unsere Welt auf die Reihe zu bringen, haben wir es immerhin geschafft, einen Horrorfilm zum bisher beliebtesten Film aller Zeiten zu machen. Als w?re die Realit?t nicht Horror genug.“
Talisa stimmte ihr still zu. Die Welt war im schlimmsten Zustand und seit dem Aufbruch der Legion der vereinigten Erde in die andere Dimension war es nur noch schlimmer geworden. New York stand nun so weit unter Wasser, dass die Stadt nicht mehr zu versorgen war. Genauso wie Miami. Nur noch im Landesinneren war es sicher genug vor dem Wasser. Doch auch wenn sie sich vor den Tsunamis retten konnten, welche jedes Jahr um den Sommer herum stetig die Ostküste trafen, konnten sie nichts gegen die Dürren ausrichten, welche immer und immer wieder für eine enorme Nahrungsknappheit sorgten. Ohne Importe aus Europa und Asien k?nnten sie einpacken. Und das war nur die Spitze des Eisbergs. Hoffentlich waren die LVE’s in der Lage, das Gleichgewicht der Welten wieder in Einklang zu bringen.
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?Immerhin eine gute Ablenkung von der Realit?t“, sagte Talisa mit Sehnsucht in der Stimme. Ihre Gedanken wanderten zum Trailer des Films und sie h?tte ihn nur zu gern gesehen. Aber dafür war das Geld zu knapp.
?Ich glaube, es sollte gesellschaftskritisch sein. Nicht, dass einer dieser Idioten hier das je verstehen würde. Die Menschheit geht an ihrem Konsum zugrunde und was machen wir? Mehr konsumieren. Deswegen Gefühlszombies. Sie folgen ihrem Trieb, ihrem Drang, um kurzzeitig die Leere in ihrem Inneren zu füllen. Das reicht nicht aus und sie müssen etwas Gr??eres finden, was das Loch stopfen kann und dann wird das Loch gr??er und das neue Auto oder die neue Armbanduhr sind auf einmal nicht mehr genug. Also kaufen sie weiter ein. Wie Zombies. Vielleicht sollte ich Triebzombies sagen? Aber ich finde, Zombies impliziert das schon.“
Talisa lachte. Sie liebte Riley verrückte Gedanken.
?Gott, ich hasse sie alle so sehr“, sagte Riley erneut, ihre Stimme triefte nur so von dem verhassten Unterton, den Talisa noch nie zuvor bei ihr geh?rt hat. Selbst Khai schielte vorsichtig zu ihr. Besorgt sah Talisa wieder zu Riley, welche an ihrem Orangensaft nippte. Ihre Stirn war in Falten gelegt, um die sonst so fr?hlichen Augen legte sich ein dunkler Schatten. Dann hellte sich ihre Miene schlagartig auf und sie stie? sich voller Elan von der Wand ab und sprang auf und ab. Ihr blonder Pony hüpfte dabei mit jeder ihrer Bewegungen.
?Sehe ich da etwa Spa? ohne mich?“, rief eine ihre nur zu bekannte Stimme und auch Talisa konnte nicht anders, als breit zu l?cheln, als der bekannte Klang ihre Ohren erreichte. Madeline sprang ihnen um den Hals. Der Geruch nach Tee und Rosenwasser drang in ihre Nase. Talisa erwiderte die Umarmung, w?hrend sie zeitgleich versuchte, ihren Orangensaft nicht g?nzlich auf den Boden zu kippen. Schlimm genug, dass ihre Finger schon verklebt waren.
Hinter Madeline stand Sonia, schüchtern und strahlend. Talisa grinste sie an. Was war sie gro? geworden? Madeline riss sich von ihr los und wandte sich an Khai, welcher verloren hinter ihr stand. Er richtete sich ganz gerade auf, schien nerv?s über das Treffen mit der Person zu sein, von welcher sie ihm schon viel erz?hlt hatte.
?Du musst Khai sein, nicht wahr?“, fragte Madeline und Talisa vertraute ihr voll und ganz, dass sie ihn nicht verschrecken würde.
?Talisa!“, h?rte sie Sonia sagen, welche n?her trat, dann z?gerte. Talisa nahm sie fest in den Arm. Wie sch?n es war, diese sonst so sü?e kleine Maus endlich wiederzusehen, welche über die letzten Jahre zu einer solch sch?nen jungen Frau herangewachsen war. W?hrend Madeline einer wilden Sommerbrise glich, war Sonia der ruhige Sonnenschein. Ihr Strahlen hat sich nicht ver?ndert.
Vergessen waren die ganzen anderen Alumni. Allein diese kleine Gruppe wiederzusehen, fühlte sich wie Heilung an. Der Tag war bei weitem nicht so schlimm, wie sie sich das ausgemalt hat. Es fehlte nur noch Erik, den sie nicht ausmachen konnte und die Entt?uschung bei der Erkenntnis schob sie beiseite. Es stand ihr nicht zu.