《Die Naturgewalt des Geistes [German/Deutsch]》 Prolog: Ein wiederkehrender Traum Wenn ihre bleiernen Glieder ihr K?fig waren, dann war ihre Angst der W?rter. Sie hinderte sie daran, aufzustehen und in die Freiheit zu gehen. Nirgendwo sonst war sie sich selbst so sehr ausgeliefert wie in diesem Traum. Der Tornado war gr??er als alles, was sie je gesehen hat. Begleitet von einer Alarmsirene, welche wie eine Fanfare sein Ankommen ank¨¹ndigt. Der hohe, nimmer endender Ton schmerzte ihren Ohren. Vor ihr war ein Warnschild. Es geh?rte nicht hierhin und das Zeichen sollte auch ein anderes sein. Nicht die Abbildung eines Tornados, sondern eine Warnung f¨¹r Steinschlag.Die Haarstr?hnen peitschten ihr ins Gesicht, blieben in ihren weit aufgerissenen Augen h?ngen. Es war, als w?re diese Naturgewalt nur dazu geschaffen worden, sie zu verschlingen. Sie konnte nicht atmen. Sie konnte nicht nach Sicherheit suchen, welche auf der anderen Stra?enseite gegen¨¹ber ihrem Kindheitshaus auf sie wartete. Vor allem aber konnte sie nicht wach werden. Nur auf die dunklen Wolken starren, welche sich ¨¹ber ihr erhoben. Und in deren Mitte die Naturgewalt, welche sich langsam in ihre Richtung bewegt. Das war ihr pers?nlicher Albtraum. Ein Gef?ngnis, welches sie sich selbst geschaffen hat. Talisa! Die Stimme ihres Bruders schnitt durch die ohrenbet?ubende Stille. Sie versuchte, sich von diesem nat¨¹rlichen Monstrum abzuwenden. Ein Blitz hellte die Umgebung auf, gefolgt von einem tiefen Grollen, welches in ihrer Brust widerhallte und sie zum Schreien brachte. Ihr war selten so sehr bewusst, dass sie sich in einem Traum befand. Aber auch das Wissen darum half ihr nicht, sich loszurei?en. Eine Idee schoss ihr durch den Kopf, wie das grell leuchtende Warnschild, welches eigentlich in Richtung Tucsonville zu finden sein sollte. Eine Kleinstadt in der N?he des Yellowstones. Die Erinnerungen an diesen Ort geh?rten zu den schlimmsten Waffen, mit denen sie ihr Herz peinigte. Die Finger bewegen. Sie wusste, dass der Traum bald enden w¨¹rde. Sie wollte aber jetzt raus, bevor es sie erreichte. Siehe hinunter. Hast du deine Armbanduhr an? Die Stimme ihres Arztes war wie ein roter Faden, welcher ihr Orientierung in der Orientierungslosigkeit gab. Erneut h?rte sie die Stimme ihres Bruders, versuchte, sich auf diese zu konzentrieren, w?hrend er ihren Namen rief. Aber sie wurde ¨¹bert?nt von dem Donner, welcher ¨¹ber ihren kleinen K?rper fegte und sie auszul?schen drohte. Krampfhaft versuchte Talisa ihren Zeigefinger zu bewegen. Obwohl sie auf ihren Knien sa?, konnte sie ihren K?rper nur in bleierner Schwere sp¨¹ren. Als w?re sie eine aus Marmor geschlagene Statue von Apollo in Troja ¨C dazu verdammt, den blutigen Untergang der Bewohner zu beobachten und nichts dagegen tun zu k?nnen. Das Monstrum kam n?her. Mein Finger bewegt sich nicht! Erneut die Stimme ihres Bruders. Ihre Atmung beschleunigte sich, als das Ger?usch einsetzte, welches das baldige Ende des Traumes ank¨¹ndigte. Ein tobendes Rauschen, welches von der Wolkenfront kam, die sie nun beinahe erreicht hat. Dann sp¨¹rte sie endlich ihren Finger. So schwer, als w?re er ein Klotz aus Lehm, weit davon entfernt, edler Marmor zu sein. Sie versuchte panisch, mehr zu bewegen, versuchte Richtung Handgelenk zu schauen und die Armbanduhr auszumachen und versagte. Sie musste aufwachen! Die Panik ¨¹bermannte sie. Es regnete. Die kalten Tropfen f¨¹hlten sich wie Steinschl?ge auf ihrer Haut an. Ihr wurde noch k?lter. Ihre Gedanken vermischten sich. Die Stimme ihrer Mutter erklang hinter ihr, wie sie sie herauswarf, als sie achtzehn wurde. Das Ger?usch des ankommenden Sturms wandelte sich. Nun glich es einem Poltern, ausgel?st von einem Steinrutsch, welcher langsam n?herkam, oder wie eine Armee, welche ohne das Br¨¹llen der Krieger, auf sie zu rannte. Nur gab es keinen Steinrutsch und es gab keine Armee. Das Warnschild zeigte einen Tornado. Es erreichte sie. Ihre Ohren waren bet?ubt vom Krach. Ihr K?rper schmerzte vor K?lte, als h?tte ihre Mutter sie erneut ins eiskalte Wasser getaucht. Und dann war es da, verschlang sie und sie war sich sicher, sie endete, nur um wie Troja erneut und erneut und erneut wiedergefunden zu werden, nie sicher, ob dieser Fund nun wirklich sie war oder nicht. ?¡ï :*?.©¤©¤©¤©¤©¤ ? ©¤©¤©¤©¤©¤.?*: Support the author by searching for the original publication of this novel. Talisa schnappte nach Luft, als ihre Augen endlich aufschlugen. Ihr war so kalt, obwohl es mitten im Sommer war. Der Ventilator, welcher noch immer laut vor sich hin bl?hte, zeigte ihr, wieso. Sie war schwei?gebadet und die auf sie gebl?hte Luft k¨¹hlte ihren K?rper ab. Mit ihren bleiernen Gliedern, welche langsam wieder an Leben gewannen, richtete sie sich langsam auf, um das Ger?t auszuschalten und zuckte sogleich zusammen, als sie eine Gestalt neben sich ausmachte. ?Khai¡°, kr?chzte sie, versuchte dann ihre Atmung zu kontrollieren und versuchte es erneut, ?Was ist los, Khai? Was machst du hier?¡° Die forschenden Augen, welche viel zu erwachsen f¨¹r den vierzehnj?hrigen Teenager waren, sahen sie eindringlich an. Eine Spur von Panik lag in seinem Blick. Er antwortete ihr nicht sofort. ?Was ist?¡°, fragte sie noch mal nach, nahm den Wecker zur Hand, welcher neben der Packung ihrer Schlaftabletten stand, und zuckte beinahe vor Schreck zusammen. ?Du hast gesagt, wir stehen um sieben auf¡°, sagte ihr kleiner Bruder vorsichtig. Er war immer zur¨¹ckhaltend ihr gegen¨¹ber und sie wusste noch nicht, ob sie das so wollte oder nicht. Erst vor einem Jahr war er vor ihrer T¨¹r aufgetaucht, bei weitem nicht genug Zeit sich kennenzulernen, nicht unter all dem Stress, dem sie beide ausgesetzt waren. Khai war bereits angezogen. Seine roten Haare, welche genauso dunkel waren wie die ihren, waren ordentlich gek?mmt. Er hatte wahrscheinlich schon die Z?hne geputzt, gefr¨¹hst¨¹ckt und seine gepackten Sachen bereitgelegt. Talisa sprang auf, flog beinahe hin, weil ihre Beine sich noch nicht ans Bewegen gew?hnt hatten und die Decke ihr Restliches tat. ?Mist¡°, schimpfte sie, ?Das tut mir so leid! Ich bin gleich fertig!¡° ?Ist alles in Ordnung?¡°, fragte er mit Zur¨¹ckhaltung in der Stimme. Khai versuchte, sich nie zu sehr in ihr Leben einzumischen. Es wunderte sie nicht, denn er musste furchtbar Angst haben, eine Grenze zu ¨¹bertreten und auch von ihr ausgesetzt zu werden. Wie es seine Gro?eltern v?terlicherseits gemacht haben, als sie ihn zu ihrer gemeinsamen Mutter gebracht haben und wie es ihre Mutter getan hat, als sie ihn nicht einmal einen Tag sp?ter vor Talisas T¨¹r aussetzte. Es tat ihr weh zu wissen, dass er zun?chst direkt nach seiner Geburt abgewiesen wurde und dann mit dreizehn Jahren den Schmerz der Abweisung ihrer Mutter wirklich erleben musste. Aber auch Talisa hatte Schwierigkeiten, sich ihm zu ?ffnen. Sie hatte Angst vor dem, was er ¨¹ber sie erfahren w¨¹rde. ¨¹ber das schwarze, emotionslose Loch, welches der Missbrauch ihrer Mutter in ihr zur¨¹ckgelassen hat. Sie hatte Angst, in sein Loch zu blicken. Angst vor all dem, was er ¨¹ber sein Leben bei seinem Vater und seinen Gro?eltern erz?hlen w¨¹rde. Er war schon immer in sich gekehrt und sie erkannte seine Augen. Sie waren wie ihre, und das lag nicht nur daran, dass sie verwandt waren. ?Es ist alles in Ordnung!¡°, rief sie und rannte ins Bad, ?Hast du schon gefr¨¹hst¨¹ckt?¡° Es roch nach Toast und Kaffee. Talisa war der Meinung, dass er den Kaffee nicht trinken sollte, aber es f¨¹hlte sich so seltsam an, ihm das zu verbieten. ?Ja¡°, sagte er, folgte ihr aus ihrem Zimmer in das Wohnzimmer und setzte sich auf sein Bett, welches hinter einer Trennwand stand. Sie wohnten in einer Zweizimmerwohnung. Sie hatte das kleine Zimmer, in welchem ein Bett und ein Schreibtisch standen, auf welchem sie den Gro?teil ihres Lebens verbrachte. Das Studium an der University of Colorado verlangte jede freie Minute und nun, wo sie Khai bei sich hatte, wollte sie umso schneller ihren Abschluss erreichen. Trotz dessen, dass ihre Mutter nichts mit ihnen zu tun haben wollte, ¨¹berwies sie ihnen regelm??ig Geld, welches gerade so f¨¹r den Monat ausreichte. Mit dem Nebenjob konnten sie sich manchmal etwas mehr leisten als nur das N?tigste. Das meiste Geld ging f¨¹r die Wohnung aus, dann f¨¹rs Auto und anschlie?end f¨¹r die Eink?ufe. An die Schulden, welche sie sich f¨¹r die Studiengeb¨¹hren angeh?uft hatten, wollte sie gar nicht erst denken. Talisa w¨¹nschte sich, sie k?nnte ihnen beiden mehr bieten, aber es war finanziell einfach noch nicht drin. Ein Hoffnungsschimmer war aber in Sicht, wie das Ende eines etwas zu finsteren Tunnels. In einem halben Jahr w¨¹rde sie fertig werden und dann k?nnte sie sich eine Anstellung als Journalistin suchen. Das w¨¹rde ihnen beiden das Leben leichter machen. Sie k?nnten in eine gr??ere Wohnung ziehen. Khai k?nnte ein eigenes Zimmer bekommen und sich zum Fr¨¹hst¨¹ck mehr leisten als langweiliges Toast mit Butter. Im Bad wusch sie sich schnell, band sich die wilden Haare zu einem Zopf zusammen und packte anschlie?end die restlichen Sachen in eine kleine Tasche, welche sie zu dem Koffer stellte, welcher schon l?nger auf sie wartete. ?Bist du bereit?¡°, fragte sie ihn atemlos. In seinen gr¨¹nen Augen, welche keinen Zweifel daran gelassen haben, dass sie Geschwister waren, sah sie etwas Belustigung aufblitzen. ?Ich bin schon seit zwei Stunden fertig¡°, sagte mit dem Hauch eines unsicheren L?chelns. Sie grinste ihm entgegen und sagte: ?Na, was habe ich f¨¹r ein Gl¨¹ck, dass wenigstens einer von uns Clennan-Geschwistern zuverl?ssig ist. Auf gehts.¡° Kapitel 1: Die Reise in die Heimat Keine f¨¹nf Minuten sp?ter waren sie hinuntergerannt, nur damit sie alleine wieder nach oben lief und noch einmal nachschaute, dass wirklich alle Ger?te ausgeschaltet waren. Dann packte sie noch schnell ihren Laptop ein, mit welchem sie ¨¹ber das Wochenende weiter an ihrer Hausarbeit schreiben wollte. Es lag unter einigen Stapeln Papiere, daneben eine leere Kaffeetasse, welche sie vergessen hatte zu sp¨¹len. Das w¨¹rde sie machen, wenn sie wieder da w?re. Khai sa? am Beifahrersitz ihres alten Autos, die T¨¹r ge?ffnet, um die stickige Hitze herauszulassen, welche sich unter der Morgensonne angestaut hat. Es wunderte Talisa immer wieder, wie er dieses Schloss der Beifahrerseite aufbekam, denn die T¨¹r klemmte und Talisa hatte sie aufgegeben. Dann war Khai aufgetaucht und es irgendwie geschafft, sie zu ?ffnen. Gelangweilt st¨¹tzte er den Kopf in die Hand, sein altes Handy lag achtlos am Armaturenbrett. Er sah nicht aus, als h?tte er gro?es Interesse, mit ihr zu kommen. Aber sie konnte ihn nicht alleine in der Wohnung lassen, w?hrend sie zum Klassentreffen ihrer alten Schule fuhr. Eigentlich wollte sie dort auch nicht hin, aber nach dem furchtbar schweren Jahr, welches sie beide hinter sich hatten, hoffte sie, dass etwas Abwechslung ihnen beiden guttun w¨¹rde. Khai hatte Sommerferien und hatte dennoch nicht wirklich h?ufig die Wohnung verlassen. In der Schule schien er sich gut eingelebt zu haben. Auch seine Lehrer beschrieben ihn als ruhig, aufmerksam und zuverl?ssig. Seine Noten waren in Ordnung, wenn auch nicht ¨¹berragend. Aber nachdem er von ihrem teilweise erfolgreichen Versuch mitbekommen hat, ein Teilstipendium f¨¹r die Studiengeb¨¹hren zu bekommen, gab er sich deutlich mehr M¨¹he. Es war seltsam gewesen, auf Klassentreffen zu gehen, Klassenarbeiten zu unterschreiben und mit Lehrern Gespr?che ¨¹ber ihren kleinen Bruder zu f¨¹hren, den sie kaum kannte. Khai schien sich manchmal auch nicht wohl dabei zu f¨¹hlen. Stetig vorsichtige Blicke, gut ¨¹berlegte Antworten und zur¨¹ckhaltende Stille. Sie waren beide noch nicht wirklich in ihre neue Beziehung hineingewachsen, deren Entwicklung nie die notwendige Zeit bekommen hat, um zu gedeihen. Sie war auf einen Schlag der Erwachsene in seinem Leben, ausgestattet mit der Verantwortung, ihn auf das Leben vorzubereiten und zu erziehen. Und er musste auf einmal an einen halbwegs erwachsenen gewordenen Erwachsenen gew?hnen, auf diesen h?ren und sich anpassen, ohne ¨¹berhaupt richtig zu wissen, wer seine gro?e Schwester eigentlich war. ?In Ordnung¡°, sagte sie au?er Atem und startete das Auto. ?Sicher, dass du nichts vergessen hast?¡°, fragte er vorsichtig. ?Nat¨¹rlich nicht¡°, sagte sie so locker wie m?glich, ?Wir haben gestern dreimal nachgeschaut.¡° ?Soll ich vielleicht noch einmal nachschauen?¡°, fragte er, als sie langsam auf die Stra?e fuhren. Es f¨¹hlte sich an, als w¨¹rde er die Fahrt vermeiden wollen. ?Was ist los?¡°, fragte sie und versuchte die Stimmung zu lockern, ?Angst vor etwas Wandern?¡° Aus dem Augenwinkel sah sie, wie er die Lippen zusammenpresste, und es d?mmerte ihr. Wahrscheinlich hatte er wirklich Angst davor. Angst, dass sie ihn irgendwo aussetze. Ihn alleine zur¨¹cklie?. Aber sie w¨¹rde niemals ihre Mutter sein. Sie k?nnte niemals jemanden in Stich lassen, der auf sie angewiesen war. Auch wenn sie kaum in der Lage war, der neuen Verantwortung gerecht zu werden, w¨¹rde sie so lange durchhalten, bis sie es hinbekommen w¨¹rde. Nur noch ein halbes Jahr. Dann habe ich mehr Geld. ?Nur damit das klar ist¡°, sagte sie, ?Wir fahren nicht nach Tucsonville, damit ich dich vom Haus unserer Mutter aussetze. Genau genommen, kommen wir beide bei den Eltern meiner besten Freundin unter. Sie wei? Bescheid, dass wir zu zweit sind¡°, sagte sie l?chelnd, ?und sie freut sich darauf, uns beide wiederzusehen. Wei?t du noch? Die fr?hliche Blondine, welche unseren schottischen Akzent nachahmt, als w?re sie diejenige, dessen Vorfahren aus Europa kommen und nicht wir?¡° Ein leichtes L?cheln stahl sich auf sein sonst so ernstes Gesicht. Riley war ein Sonnenschein und hat es geschafft, diesen ernsten kleinen Teenager zum Lachen zu bringen. Sie haben sich seit Monaten nicht gesehen und sie vermissten sie schmerzlich. ?Sie kann es besser als ich¡°, sagte Khai und Talisa lachte. ?Gie it laldy¡°, imitierte sie ihren eigenen verstorbenen Vater, ?Du bekommst es schon hin, wenn du alles gibst.¡° ?Bedeutet es nicht, sich zu pr¨¹geln?¡°, fragte Khai unsicher. Sie lachte, auch wenn ihr f¨¹r einen Moment nicht nach Lachen zumute war. Dass Khai etwas Schottisch konnte, zeigte mir, dass sein Vater ihm etwas beigebracht hat. Aber er wusste insgesamt genauso wenig wie sie. Keiner ihrer Elternteile hatte sich darum bem¨¹ht. Aber dass Khai ausgerechnet diese Assoziation damit verband, sorgte sie. ?Kannst du mir erz?hlen, wie das Wochenende ablaufen wird?¡°, fragte er. Ein Versuch, sich der Ungewissheit zu entziehen. ?Heute Abend kommen wir bei Riley¡¯s Eltern an. Sie sind nebenbei diejenigen, die mich an diese Wohnung vermittelt haben. Ansonsten w¨¹rden wir beide jetzt wahrscheinlich auf f¨¹nfzehn Quadratmetern aufeinander hocken. Wir wollen grillen und selbstgemachte Limonade trinken. Du wirst drei M?glichkeiten haben. Entweder eine Limo mit Himbeeren, eine mit Zitrone und Limette oder eine mit Blaubeeren. Wir beide werden eh alle durchprobieren m¨¹ssen und anschlie?end die Beste k¨¹ren. Sie haben jedes Mal so einen Wettbewerb am Laufen, welcher die beste macht. Bisher mussten Madeline und ich alleine urteilen, aber diesmal haben wir zum Gl¨¹ck dich dabei.¡° Ein Stich ging ihr durch das Herz, als sie an Rileys gl¨¹ckliche kleine Familie dachte. Weder ihr noch Khai war dieses Gl¨¹ck verg?nnt gewesen. Dieser Gedanke war ein Zeichen, ihren Gedankengang zu stoppen. Jedes Mal, wenn sie den Weg nach Tucsonville anstie?, drohte sie in einem selbstzerst?rerischen elenden Strudel zu verenden. Wie in dem Tornado in ihrem Traum. Jedes Mal war sich danach ein anderer Mensch. Einer mit etwas mehr Finsternis in ihrem Inneren. Erneut durchzuckte sie einen Schauer, als sie an die K?lte ihres K?rpers dachte. Ganz dunkel regte sich etwas in ihrem Kopf, dass sie sich erinnerte. Daran, wie sie ins eiskalte Wasser gedr¨¹ckt wurde. F¨¹r ihr Immunsystem. Damit es st?rker wird und sie nicht die ganze Zeit so krank werde. A case of content theft: this narrative is not rightfully on Amazon; if you spot it, report the violation. ?Talisa?¡°, fragte Khai. Ein Blick zu ihm und sie sah die Nervosit?t. Sie bog auf den Highway ab. Sie wohnten in einem Vorort von Denver, perfekt, um schnell herauszufahren. Nur die Fahrt zur Uni war furchtbar, aber das war auszuhalten. F¨¹r einen Moment z?gerte sie, wusste nicht, ob sie l¨¹gen sollte oder nicht. Dachte dann an das letzte Jahr zur¨¹ck, daran, wie sie beide vorsichtig umeinander geschlichen sind, versucht haben, einander nicht irgendwie zur Last zu fallen. Vielleicht war es an der Zeit, ehrlicher miteinander umzugehen? ?Ich hatte heute Nacht einen Albtraum¡°, sagte sie, ?Ich tr?ume immer von einem Tornado, welcher dabei ist, Tucsonville zu verschlingen. Und mir war echt kalt heute Nacht. In diesem Traum musste ich dann daran denken, wie Mom mich erzogen hat. Es war nicht sehr sch?n. Ich bin froh, dass du bei mir bist und nicht bei ihr.¡° Seine gr¨¹nen Augen wandten sich ab und er sah hinaus auf die Stra?e, die Hand in die alte Hose gekrallt, welche sie von ihrer lieben Nachbarin bekommen hatte, deren Kinder schon l?ngst aus dem Haus waren. Die Stimmung war mit einem Schlag auf dem Tiefpunkt und sie bereute ihr Vorgehen. Sie h?tte einfach bei Rileys gl¨¹cklicher Welt bleiben sollen, an welcher sie ab und zu teilhaben durfte. ?Ich habe auch nicht vor, Mom das Wochenende ¨¹ber zu sehen. Sie wird es auch nicht wollen. Sobald ich mit dem Studium fertig bin, wird sie den Geldhahn zudrehen und mich nie wieder sehen wollen. Willst du sie sehen?¡°, fragte sie vorsichtig. Er sch¨¹ttelte den Kopf. ?Ich kenne sie ja nicht mal.¡° Seine Stimme war belegt, aber er antwortete ihr ganz tapfer, klar und deutlich. Talisas Augen hefteten sich auf die Autobahn. Sie brannten etwas und ein Klo? bildete sich in ihrem Hals. Mitleid mit sich selbst, weil sie diese Frau kannte und Mitleid mit ihm, weil das Einzige, was er von ihr kannte, die Wunde ihrer gnadenlosen Abweisung war. ?Auf alle F?lle¡°, fing sie weiter an, versuchte die aufsteigenden Tr?nen wegzuquatschen, ?w¨¹rden wir am n?chsten Tag zu meiner alten Schule fahren. Am sp?ten Nachmittag. Bis dahin haben wir frei. Soll ich dir die Stadt zeigen? Wir k?nnten das alte George¡¯s besuchen. Ich frage mich, ob das Caf¨¦ ¨¹berhaupt noch steht. Oder wir k?nnten wandern gehen. Wenn du magst, k?nnen wir auch am n?chsten Tag Yellowstone besuchen, warst du schon mal da?¡° Ein Kopfsch¨¹tteln. ?Hast du Lust?¡° Er z?gerte und sie hatte mal wieder keine Ahnung, was in seinem Kopf vor sich ging. ?Wei?t du was?¡°, fragte sie dann, setzte ihre gute Stimmung auf und ?ffnete die Fenster, ?Wir haben zehn Stunden Zeit, uns einen Plan zu ¨¹berlegen. Nimm meinen Laptop, ich sollte noch etwas zum Surfen drauf haben. Such dir raus, worauf du Lust hast!¡° Khai schreckte bei ihrer Aufforderung beinahe auf, drehte sich mit gro?en Augen nach dem Laptop um und suchte diesen im hinteren Sitz. Die frische Luft str?mte durch das Auto und der warme Luftzug f¨¹hlte sich wahnsinnig angenehm auf ihrer Haut an, f¨¹llte ihre Nase mit neuer Luft. Es war so ein lindernder Kontrast zu ihrem Traum. Talisa beschleunigte. Vielleicht w¨¹rden sie es auch in acht Stunden schaffen. ?Welchen Kanal soll ich anmachen?¡°, fragte sie durch das laute Ger?usch des Highways und schaltete das Radio an. Nachdem das erste Lied ein Countrysong war, teilte Khai ihr ganz schnell eine Alternative mit. Sie lachte ¨¹ber seine Emp?rung und er warf ihr ein vorsichtiges L?cheln zu. Seine gekr?uselten Haare wurden vom Wind erfasst. ?Wir waren noch nie gemeinsam unterwegs, oder?¡°, fragte sie. Er sch¨¹ttelte den Kopf. ?Bist du sonst oft auf langen Reisen?¡°, fragt er. Eine Frage, welche wahrscheinlich eine Mischung aus vorsichtiger Neugierde und Aushorchen war. Wahrscheinlich wollte er wissen, wie sehr er ihr zur Last fiel. ?Nein. Ich habe es bisher nur einmal gemacht.¡° Die R?te in ihren Wangen w?rmte sie mehr als die warme Luft. Ihre Augen huschten kurz von der Stra?e zu ihm. Er sah neugierig zur¨¹ck, sah aber hastig weg, als er ihren Blick bemerkte. ?Sein Name ist Eric¡°, gestand sie vorsichtig und ihr Herz klopfte aufeinmal bis zum Hals, ?Ich hatte nicht so viel mit ihm zu tun. Er ist der Bruder von Madeline. Verrate ihr ja nicht, dass ich vielleicht etwas verschossen in ihn war.¡° ?Ich werde nichts verraten¡°, sagte er hastig, ?Versprochen. Ich kenne ihn ja nicht mal.¡° Erneut musste sie lachen. ?In Ordnung.¡° ?Wart ihr zusammen oder so?¡°, fragte er und verstummte dann. Wahrscheinlich die Angst zu viel gefragt zu haben. Mutma?ungen. Sie konnte ¨¹ber jegliche seiner Reaktionen nur mutma?en. ?Wir waren nicht zusammen¡°, warf sie hastig ein, ?Ich glaube aber auch nicht, dass er das Interesse h?tte. Eric ist so lieb. Er ist immer f¨¹r alle da. Er hat sowieso nie Interesse an mir gezeigt. Ich habe sowieso geh?rt, dass er auf Riley stand, und dann habe ich die Hoffnung aufgegeben und bin mit William zusammengekommen. Eric hat wahrscheinlich einfach Acht auf mich gegeben, nachdem meine erste Beziehung¡­ nicht wirklich gut ausging. Ah, stimmt. Ihn werde ich ja auch sehen m¨¹ssen.¡° Auf einen Schlag war die Vorfreude getr¨¹bt. Seit sie die Stadt verlassen hatte, hatte sie mit William keinen Kontakt mehr gehabt. Zum Gl¨¹ck, denn er hatte sie in Tucsonville nicht in Ruhe gelassen. Riley und Madeline, die einzigen Menschen, von denen sie noch alle paar Monate etwas h?rte, haben ihr erz?hlt, wie er versucht hat herauszufinden, wo sie nach ihrem Auszug wohnte. Jedes Mal, wenn die T¨¹r klingelte, beschlich sie die Angst, ihn anzutreffen. Jedes Mal, wenn sie sich umdrehte, hatte sie Angst sein Gesicht zu sehen. Er war eine stetige Pr?senz, die in ihrem Schatten lebte. ?Ist William kein guter Mensch?¡°, fragte Khai vorsichtig. Sie biss auf die Unterlippe, etwas zu fest, sodass sie kurz darauf einen metallischen Geschmack sp¨¹rte. Mist, diese Angewohnheit war sie doch eigentlich losgeworden. ?Von allen Menschen, welche ich mir h?tte aussuchen k?nnen, habe ich den gew?hlt, der am ?hnlichsten unserer Mutter schien.¡° ?Oh¡°, antwortete Khai leise. ?Ja¡°, best?tigte sie und wusste, dass er das Ausma? ihrer Fehlentscheidung nur erahnen, aber nicht g?nzlich verstehen konnte. William hatte das Ende der Beziehung nicht akzeptiert. Und wenn Eric nicht da gewesen w?re, dann w¨¹sste sie nicht, was aus ihr geworden w?re. Eric war ein strahlender Ritter. Er passte perfekt zu Riley, dem Sonnenschein von Tucsonville. Und obwohl sie ihre beste Freundin so sehr liebe, beneidete sie diese auch. Sie w¨¹rde auch gerne bedingungslos so viel Liebe erhalten. Von Eltern oder von Freunden oder von¡­ irgendjemanden. Kapitel 2: Die Vorfreude Es war immer dasselbe und Eric verzog sein Gesicht zu einer Grimasse, welche Weinen und Lachen zugleich ausdr¨¹cken wollte. Madeline rannte durch ihre ordentliche K¨¹che, stopfte sich das Brot in den Mund und leckte sich die Marmelade von den Fingern. Kr¨¹mmel fielen auf den sauberen Boden. Sie trank hastig ihren Tee, an welchem sie sich sogleich verschluckte und stellte die Tasse achtlos in die Sp¨¹le, anstatt sie in die Sp¨¹lmaschine zu legen. Der Teel?ffel klimperte. Er warf Sonia einen belustigten Blick zu und seine j¨¹ngste Schwester erwiderte ihn mit unterdr¨¹ckten Lachen. Mal wieder verbreitete Madeline Unordnung und Chaos, nachdem er sauber gemacht hat. ?Los, los, los! Wir kommen zu sp?t!¡°, rief Madeline aus und trieb die beiden mit einem lauten H?ndeklatschen nach drau?en. ?Und an wem liegt das?¡°, fragte Sonia. ?Sei nicht so frech, ich hatte eine anstrengende Nacht.¡° Das Auto piepste, als Eric es entriegelte. Ein Geschenk seiner Eltern zu seinem sechzehnten Geburtstag, welcher nun schon sechs Jahre zur¨¹ckliegt. Eine halbe Entschuldigung daf¨¹r, dass sie die ganze Zeit wegen ihrer Arbeit auf Reisen waren. Diesmal jedoch nicht. Sie besuchten ihre Gro?eltern in Norwegen und Eric w?re so gerne mitgekommen. Aber er wollte seine Schwestern nicht alleine lassen, immerhin k¨¹mmerte er sich stetig um sie, wenn ihre Eltern mal wieder unterwegs waren. ?Auf, auf!¡°, rief Madeline aufgeregt, w?hrend sie sich in den Beifahrersitz setzte. Sie fieberte schon seit Monaten dem Klassentreffen entgegen und es erf¨¹llte ihn mit so viel Freude, wie gl¨¹cklich sie dabei war. ?Anschnallen¡°, sagte er belustigt an Sonia gewandt, welche mal wieder dachte, es w¨¹rde ihm nicht auffallen, wenn sie sich hinter ihn setzte. Schmollend folgte sie seiner Aufforderung. ?Madeline, wenn du nicht zu sp?t kommen willst, dann solltest du anfangen, fr¨¹her aufzustehen und nicht erst um 14 Uhr.¡° ?Ich hatte noch eine Abgabe¡°, jammerte sie, ?Ich bin deswegen sehr sp?t ins Bett.¡° Sie h¨¹pfte aufgeregt auf dem Beifahrersitz herum. Ihre Wangen waren ger?tet von Aufregung. Sie vermisste die Schulzeit. Die Universit?t gefiel ihr nicht und Eric hatte Sorge, dass sie abbrechen w¨¹rde. Aber selbst wenn, das bedeutete nur, dass sie ihren Weg finden w¨¹rde und es nur eine Etappe war, bei welcher sie gelernt hat. Er war so stolz auf seine kleine Schwester, welche sich so sehr ins Zeug legte und jedes Mal aufs Neue alle Erwartungen ¨¹bertraf. Er war sich sicher, dass seine Angst unbegr¨¹ndet war und eher dem entsprang, dass er wirklich mitfieberte, als dass er nicht an sie glaubte. ?Und wer hat gestern Abend das Ganze noch f¨¹r dich Korrektur gelesen?¡°, fragte er neckend. ?Ha! Eric war sp?ter schlafen, ist dennoch fr¨¹h raus¡°, lachte Sonia, welche nur zu gerne die Rolle seines kleinen Sidekicks annahm. ?Ich bin auch nicht so eine Maschine¡°, erwiderte Madeline. Er schnaubte lachend, als er aus ihrer Ausfahrt fuhr und sie langsam den Weg Richtung Schule anschlugen. Kurz verweilten seine Augen auf dem Haus mit dem verwahrlosten Garten gegen¨¹ber. Er glaubte, die flimmernde Hitze w¨¹rde ihm einen Streich spielen, aber es sah noch wilder aus als gestern. Als h?tten die Pflanzen in kurzer Zeit ein Eigenleben entwickelt und kurz davor, das alte Geb?ude zu verschlucken, sich zu eigen zu machen. Manche von den Bl¨¹ten sah er zum ersten Mal. Kuriose Farben aber haupts?chlich ein knalliges Kobaltblau und etwas Purpur, mit Formen, welche ihn verst?rten. Dann wandte er sich der Stra?e zu. Was auch immer diese alte Frau in den Garten geschleppt hat, es ging ihn nichts an. This book is hosted on another platform. Read the official version and support the author''s work. Normalerweise w¨¹rden sie zu Fu? laufen, wenn Madeline nicht mal wieder so sp?t aus den Federn gesprungen w?re, nur um anschlie?end zu lange im Bad zu verbringen. Er liebte seine Schwester und hatte keine Probleme mit ihrer chaotischen Art. Es war nicht das erste Mal, dass sie auf den letzten Dr¨¹cker losfuhren und er w¨¹rde es ihr verzeihen, weil ihre Aufregung und Freude so erfrischend nach den letzten harten Wochen waren. Madeline hatte sie beide eingeladen, eindringlich und ohne jegliche Anerkennung von einem Nein. Sowohl er als auch Sonia kannten einige der alten Sch¨¹ler der Schule. Er selbst kannte fast den ganzen Jahrgang, weil Madeline nur zu gerne die eine oder andere Party geschmissen hat und ihre Einladungen keine Grenzen kannten. Die Stadt war klein, es w?re schwer, niemanden zu kennen. Aber es war sehr schwer, die Menschen zu vergessen, welche die Stadt verlassen haben. Seine Gedanken huschten erneut zu Talisa. Sie w¨¹rde heute da sein. Sein Herz fing schnell zu schlagen an und er w¨¹rde sich daf¨¹r sch?men, dass er nach all den Jahren noch immer nicht ¨¹ber sie hinweg war, wenn er sich nicht so sehr freuen w¨¹rde, sie zu sehen. Damals war irgendetwas schiefgelaufen. Er wusste bis heute nicht richtig, was. Aber er hat sich vorgenommen, die Gegenwart anders zu formen. Dazu geh?rte, es noch einmal zu versuchen. Als er Madelines hellblauen Augen auf sich sp¨¹rte, sah er an der roten Ampel fragend zur¨¹ck. ?Was ist?¡° Sie grinste ihn an und warf ihre braun-blonden Haare nach hinten. Er und Madeline sahen sich am ?hnlichsten, auch wenn er deutlich gr??er war. Helle Haut, markante Gesichtsz¨¹ge. Ihre norwegische Abstammung w?re wahrscheinlich selbst in ihren Adern zu sehen. Sonia hingegen ging mehr nach ihrer Mutter. Sie hatte dunkles Haar und braune Augen, ein weiches Gesicht. Dennoch dasselbe freche Grinsen, wie ihr Vater und dieselbe Art, die Welt durch neugierige und forschende Augen zu betrachten, wie ihre Gro?mutter. ?Wei?t du, auf wen ich mich am meisten freue?¡°, fragte Madeline verschw?rerisch und er wusste ganz genau, wo das hingehen w¨¹rde. Aber Sonia wusste es noch nicht und sie w¨¹rde sich freuen. ?Wen denn?¡°, fragte er grinsend, freute sich, Sonia die Nachrichten zu ¨¹berbringen und war zeitgleich gar nicht gl¨¹cklich dar¨¹ber, weil Madeline dieses Thema ?ffnen wollte. ?Talisa. Habe eigentlich damit gerechnet, dass sie ihren Hintern wieder hierher bewegen w¨¹rde.¡° ?Talisa!¡°, rief Sonia freudig aus und Eric konnte nicht anders, als Madeline grinsend einen Blick zuzuwerfen, aber nur ganz kurz, denn die Ampel wurde wieder gr¨¹n. Deswegen hat Madeline so sehr darauf beharrt, dass Sonia mitkommt, welche Menschenmengen normalerweise wirklich nicht leiden konnte. Talisa, einst ihre Nachbarin von gegen¨¹ber, hatte immer mal wieder Sonia beaufsichtigt. Sie und Riley waren auch stetige G?ste in Madelines Zimmer, welches ihr liebster Treffpunkt und Unterschlupf f¨¹r Pl?ne jeglicher Art war. Sonia verehrte Talisa. Sie musste sie so sehr vermisst haben. ?Sie ist gestern schon bei Riley gewesen. Sie haben ihre typische Sommer-Limo-Party veranstaltet. Wenn diese verfluchte Abgabe nicht w?re, dann h?tte ich sie gestern in den Arm genommen und nie wieder losgelassen¡°, erz?hlte Madeline, ?Und ich habe Riley seit Wochen nicht gesehen! Seit Wochen! Sie hat wahrscheinlich schon l?ngst ihre Thesis abgegeben und ich eier immer noch herum!¡° Madeline redete sich in Rage ¨¹ber die Uni. Dieselben Beschwerden, Aufregungen und Emp?rungen, welche er schon In- und Auswendig kannte. Dieselbe Geschichte ¨¹ber die sch?ne Vergangenheit, deren Erz?hlung im stillen Tr¨¹bsinn endete. Eric wurde es schwer ums Herz, w?hrend er langsam zu den Parkpl?tzen einfuhr, welche heute ausnahmsweise auch f¨¹r andere ge?ffnet waren, als nur f¨¹r die Lehrer. Hoffentlich w¨¹rde Madeline den Abend genie?en und mit dem Wiedersehen alter Freunde zu neuer Kraft finden. Es schmerzte ihn, zu wissen, wie verloren sie in den Jahren nach ihrem Abschluss gewesen war. Kapitel 3: Triebzombies ?Eigentlich hasse ich sie alle¡°, sagte Riley leise und Talisa sah ¨¹berrascht zu ihr her¨¹ber. Sie hatte Riley noch nie so sprechen geh?rt. Hass war ein Wort, von dem sie dachte, es w¨¹rde dieses in Rileys Vokabular nicht geben. Sie lehnten gemeinsam an der Wand der Haupthalle, hatten jeweils einen Orangensaft in der Hand und sahen sich die Menge an, welche nach und nach gr??er wurde. Ein Banner mit einer gro?en Willkommensaufschrift war dem Eingang hin ausgerichtet aufgespannt. Talisa h?rte die immer wieder freudigen Ausrufe, als eine neue Person die Schwelle zum Haupteingang ¨¹bertrat und erkannt wurde. Auf Riley Dr?ngen hin waren sie viel zu fr¨¹h hier gewesen und hatten alles akribisch beobachtet. Ger?tselt, wen sie alles erkennen w¨¹rden, diskutiert, ob sich die Leute ge?ndert haben oder nicht. Talisa w?re lieber bei Riley zu Hause geblieben. Der gestrige Abend war entspannend gewesen. Sie hatten viel gelacht, mal die dunklen Seiten der Welt vergessen. ?Was meinst du?¡°, fragte Talisa leise zur¨¹ck. Ihre Augen sahen heimlich zu Khai, welcher sich an ihrer rechten befand. Auch f¨¹r ihn waren das viel zu viele Menschen. ?Alles Heuchler. Siehst du Jean dahinten? Er hat immer so getan, als w?re er voll in mich verknallt, und hat dann seinen Freunden erz?hlt, dass er insgeheim nur versucht hatte, mich in sein Bett zu bekommen. Stephi dort vorne? Sie konnte einfach nicht aufh?ren, sich das Maul ¨¹ber uns zu zerrei?en, und ihre Anh?nger hingen ihr wie eine Sekte an den Lippen. Dann haben wir Adren und Ben: Derselbe alte Haufen, welcher es sich nicht leisten kann, ihr Protz zur Schau zu stellen. Es ist schon traurig. Einige Jahre sp?ter und sie benehmen sich noch immer wie Snobs, welche meinen, die Welt verstanden zu haben, w?hrend sie zeitgleich wie Gef¨¹hlszombies ihren Trieben folgen und keinen ernsthaft vern¨¹nftigen Gedanken fassen k?nnen.¡° Talisa schnaubte l?chelnd. ?Gef¨¹hlszombies? Hast du das aus deinem Studium oder aus The rising dead?¡° Riley fing breit zu grinsen an. ?Der Film ist der Wahnsinn. Hast du ihn schon gesehen? Sie haben mittlerweile eine Einnahme von f¨¹nf Milliarden Dollar und das, obwohl er nur in den USA ausgestrahlt wird. Noch nie war ein Horrorfilm so erfolgreich. Social Media tut aber auch sein Bestes. Die Kids ¨¹berschlagen sich mit den ganzen Wetten und Challanges. Erst letztens wieder einen Zombieprank dazu gesehen. Hatte auch ein paar Millionen Views. Obwohl wir Menschen es nicht schaffen, unsere Welt auf die Reihe zu bringen, haben wir es immerhin geschafft, einen Horrorfilm zum bisher beliebtesten Film aller Zeiten zu machen. Als w?re die Realit?t nicht Horror genug.¡° Talisa stimmte ihr still zu. Die Welt war im schlimmsten Zustand und seit dem Aufbruch der Legion der vereinigten Erde in die andere Dimension war es nur noch schlimmer geworden. New York stand nun so weit unter Wasser, dass die Stadt nicht mehr zu versorgen war. Genauso wie Miami. Nur noch im Landesinneren war es sicher genug vor dem Wasser. Doch auch wenn sie sich vor den Tsunamis retten konnten, welche jedes Jahr um den Sommer herum stetig die Ostk¨¹ste trafen, konnten sie nichts gegen die D¨¹rren ausrichten, welche immer und immer wieder f¨¹r eine enorme Nahrungsknappheit sorgten. Ohne Importe aus Europa und Asien k?nnten sie einpacken. Und das war nur die Spitze des Eisbergs. Hoffentlich waren die LVE¡¯s in der Lage, das Gleichgewicht der Welten wieder in Einklang zu bringen. This story originates from Royal Road. Ensure the author gets the support they deserve by reading it there. ?Immerhin eine gute Ablenkung von der Realit?t¡°, sagte Talisa mit Sehnsucht in der Stimme. Ihre Gedanken wanderten zum Trailer des Films und sie h?tte ihn nur zu gern gesehen. Aber daf¨¹r war das Geld zu knapp. ?Ich glaube, es sollte gesellschaftskritisch sein. Nicht, dass einer dieser Idioten hier das je verstehen w¨¹rde. Die Menschheit geht an ihrem Konsum zugrunde und was machen wir? Mehr konsumieren. Deswegen Gef¨¹hlszombies. Sie folgen ihrem Trieb, ihrem Drang, um kurzzeitig die Leere in ihrem Inneren zu f¨¹llen. Das reicht nicht aus und sie m¨¹ssen etwas Gr??eres finden, was das Loch stopfen kann und dann wird das Loch gr??er und das neue Auto oder die neue Armbanduhr sind auf einmal nicht mehr genug. Also kaufen sie weiter ein. Wie Zombies. Vielleicht sollte ich Triebzombies sagen? Aber ich finde, Zombies impliziert das schon.¡° Talisa lachte. Sie liebte Riley verr¨¹ckte Gedanken. ?Gott, ich hasse sie alle so sehr¡°, sagte Riley erneut, ihre Stimme triefte nur so von dem verhassten Unterton, den Talisa noch nie zuvor bei ihr geh?rt hat. Selbst Khai schielte vorsichtig zu ihr. Besorgt sah Talisa wieder zu Riley, welche an ihrem Orangensaft nippte. Ihre Stirn war in Falten gelegt, um die sonst so fr?hlichen Augen legte sich ein dunkler Schatten. Dann hellte sich ihre Miene schlagartig auf und sie stie? sich voller Elan von der Wand ab und sprang auf und ab. Ihr blonder Pony h¨¹pfte dabei mit jeder ihrer Bewegungen. ?Sehe ich da etwa Spa? ohne mich?¡°, rief eine ihre nur zu bekannte Stimme und auch Talisa konnte nicht anders, als breit zu l?cheln, als der bekannte Klang ihre Ohren erreichte. Madeline sprang ihnen um den Hals. Der Geruch nach Tee und Rosenwasser drang in ihre Nase. Talisa erwiderte die Umarmung, w?hrend sie zeitgleich versuchte, ihren Orangensaft nicht g?nzlich auf den Boden zu kippen. Schlimm genug, dass ihre Finger schon verklebt waren. Hinter Madeline stand Sonia, sch¨¹chtern und strahlend. Talisa grinste sie an. Was war sie gro? geworden? Madeline riss sich von ihr los und wandte sich an Khai, welcher verloren hinter ihr stand. Er richtete sich ganz gerade auf, schien nerv?s ¨¹ber das Treffen mit der Person zu sein, von welcher sie ihm schon viel erz?hlt hatte. ?Du musst Khai sein, nicht wahr?¡°, fragte Madeline und Talisa vertraute ihr voll und ganz, dass sie ihn nicht verschrecken w¨¹rde. ?Talisa!¡°, h?rte sie Sonia sagen, welche n?her trat, dann z?gerte. Talisa nahm sie fest in den Arm. Wie sch?n es war, diese sonst so s¨¹?e kleine Maus endlich wiederzusehen, welche ¨¹ber die letzten Jahre zu einer solch sch?nen jungen Frau herangewachsen war. W?hrend Madeline einer wilden Sommerbrise glich, war Sonia der ruhige Sonnenschein. Ihr Strahlen hat sich nicht ver?ndert. Vergessen waren die ganzen anderen Alumni. Allein diese kleine Gruppe wiederzusehen, f¨¹hlte sich wie Heilung an. Der Tag war bei weitem nicht so schlimm, wie sie sich das ausgemalt hat. Es fehlte nur noch Erik, den sie nicht ausmachen konnte und die Entt?uschung bei der Erkenntnis schob sie beiseite. Es stand ihr nicht zu.