《Die Varrokai Kriege - Geron der Wassermagier [Deutsch/German]》 Kapitel 1 Geron sp¨¹rt das k¨¹hle Wasser des anflutenden Meeres an seinen Zehenspitzen. Die salzige Meeresluft reinigt mit jedem Atemzug seinen leidgepr¨¹ften Geist. Erst jetzt bemerkt er, dass die Sonne langsam am Horizont zu verschwinden begann. Ein leises Grillenzirpen mischt sich mit dem stetigen Rauschen der Wellen. Geron muss seit mehreren Stunden hier sitzen. Auf seinen Oberschenkeln ruht ein zerknittertes Blatt Papier. Es ist leer. Sein Blick bewegt sich zu den Schiffen, die in den Hafen von Potamos einfahren. Die M¨¦¡¯R?n, das Wasserurfolk von Perihelia, und die menschlichen Wassermagier arbeiten Hand in Hand, um die heimkehrenden Kriegsschiffe zu entladen. Einige der Schiffe tragen mahnende Narben der Schlacht: klaffende, teilweise notd¨¹rftig verschlossene Rumpfl?cher, zerschlissene und verkohlte Segel, gebrochene Maste. Von den Schiffen steigen verwundete Krieger herab. Regungslose K?rper, einige vollkommen mit einem Tuch bedeckt, werden auf einfachen Holztragen von den Schiffen getragen. Geron kann die Worte der Heiler und Wassermagier h?ren. Er vernimmt dabei vereinzelt Stimmen, die ihn am heutigen Morgen die Heilungsk¨¹nste lehrten. Hastige Befehle durchdringen die Stille der Nacht, w?hrend die Verletzten in den n?chstgelegenen Tempel gebracht. Wasser- und Feuermagier versuchen bereits am Hafen die einige Wunden zu versorgen, um die bereits ¨¹berf¨¹llten Tempel zumindest etwas zu entlasten. Geron kann die Ersch?pfung in den Augen der r¨¹ckkehrenden Krieger erkennen. Vier Wochen sind vergangen, seit seine Mutter mit der Flotte des Wasservolks in den Krieg gegen die Varrokai gezogen ist. Vier Wochen ohne Nachricht, ohne Lebenszeichen. Die Erinnerung an ihre Abreise, ihre blau-goldene Robe, die sich im Meereswind bauschte, w?hrend sich das Schiff langsam dem Horizont n?herte. Sein Blick gleitet zur¨¹ck auf das wei?e Blatt Papier, das auf seinen Knien ruht. Die Leere spiegelt eine Unsicherheit und seine Angst. Morgen fr¨¹h wird wieder eine Fregatte auslaufen, beladen mit Proviant, Waffen und den Briefen der daheimgebliebenen Angeh?rigen. Und wie jede Woche sollte auch sein Brief an die Front geschickt werden. Doch bislang blieben alle seine Nachrichten unbeantwortet. Seine Gedanken wandern zur¨¹ck zu Zeiten des Friedens. Seine Mutter ihm hier am Strand die ersten Bewegungen zur Beherrschung des Wassers gezeigt. Es war ein warmer Sommertag gewesen, die Sonne hoch am Himmel, und er konnte sich noch an das Gef¨¹hl erinnern, wie das eigenwillige chaotische Wasser, zum ersten Mal seinen Befehlen folgte. Der Rat der Kristallw?chterinnen hatte in seiner Kindheit entschieden, dass Geron die Macht der Perihelia, der Seelenkristalle, in sich aufnehmen durfte. Damit wurde er zu einem Wassermagier, so wie seine Mutter. Er erinnert sich an das Gesicht seiner Mutter, erf¨¹llt von Stolz, als er seinen ersten Wasserschweif erschuf. Er hat viel von seiner Mutter gelernt. Etwas, was sie aber oft wiederholte, blieb ihm allerdings besonders im Ged?chtnis. ?Magie ist ein m?chtiges Werkzeug. Sie ist weder gut noch b?se. Es liegt allein an dir, was du damit bewirkst.¡° Der Krieg hatte alles ver?ndert. Seit drei Jahren tobt der Konflikt zwischen den V?lkern von Perihelia und den Varrokai, einem grausamen Menschenvolk aus dem Westen. In dieser Zeit hatte Geron begonnen, sich den Heilk¨¹nsten der Wassermagier zu widmen, um den tapferen Kriegern und unschuldigen Zivilisten zu helfen, die dem Krieg zum Opfer fielen. Geron schafft es nicht, die Leere des Blattes zu durchbrechen. F¨¹rchtet er sich vor weiteren ausbleibenden Antworten? Oder f¨¹rchtet er sich vor schlechten Nachrichten? Diese Gedanken ¨¹berw?ltigen Geron, allein der Gedanke, dass seiner Mutter etwas zugesto?en sein k?nnte, vermag ihn in tiefe Verzweiflung zu st¨¹rzen. Eine Tr?ne entweicht seinem Auge, l?uft die zarte Wange herunter und tropft auf das Blatt. In einem Akt des Affekts zerkn¨¹llt Geron das Papier und schmei?t es in die Wellen, die das Blatt mit jedem Wellengang tiefer ins Meer tragen. Mittlerweile reicht das Wasser bis an seine H¨¹fte. Das Rauschen der Wellen ¨¹berdeckt sein leises Schluchzen. Er greift an seinen G¨¹rtel, an dem sich ein kleiner Beutel befindet. Aus ihm z¨¹ckt er ein kleines Blatt, das er mit Bedacht anschaut. Es ist ein Kunrah-Blatt. Dann zerreibt er das Blatt zwischen seinen Fingern. Etwas Sekret tritt aus dem aufgeweichten Blatt heraus. Geron nimmt das Blatt und packt es sich unter die rechte Oberlippe auf das Zahnfleisch. Er schlie?t seine Augen. Diese Momente des Wartens, bis die Erl?sung von Trauer und Verzweiflung eintritt, sind besonders qualvoll. Die Gedanken und ?ngste sind wie Schauspiele vor seinem inneren Auge. Er sieht brennende und sinkende Schiffe der Wassermagier. Seine Mutter, die von einem r¨¹ckkehrenden Schiff getragen wird, leblos. Der Schmerz wird immer st?rker, unertr?glicher. Wann setzt die Wirkung endlich ein? Dann, pl?tzlich, werden die lebhaften Bilder schleierhaft und verblassen langsam. Sie werden immer kleiner, verschwinden aber nicht ganz. Seine Angst wird immer schwacher, als er die Bilder kaum noch erkennen kann. Es ist, als k?nne er nur noch aus der Ferne seine Gedanken emotional bewerten. Langsam ?ffnet er die Augen. Er wei?, dass seine ?ngste nur zur Seite geschoben wurden. Aber die emotionale Bet?ubung durch das Kunrah erlauben es ihm, nicht an ihnen zu verzweifeln. ?Du wirst noch ganz kalt, Geron!¡° Eine tiefe, warme Stimme durchbricht die n?chtliche Stille. Geron zuckt leicht zusammen und dreht sich um. Ein gro?gewachsener, stattlicher junger Mann n?hert sich ihm mit federnden Schritten. Sein Gesicht ist markant, die kantigen Wangenknochen von der Abendsonne golden angestrahlt. Strahlend blaue Augen ruhen auf Geron, und mit einer eleganten Bewegung schleudert er seine dunkelroten Haare aus dem Gesicht. Es ist Ferion. ?Komm schon, steh¡® auf!¡° sagt er mit einem aufmunternden L?cheln und streckt ihm die Hand entgegen. Geron z?gert einen Moment, dann greift er zu. Ferions Griff ist fest, warm. Eine Erinnerung an die Sicherheit, die er ihm immer bot. Mit einem Ruck zieht er Geron auf die F¨¹?e, der sich kurz das Gef¨¹hl der festen Erde unter seinen Beinen vergewissern muss. ?Du zitterst ja schon!¡° bemerkt Ferion mit hochgezogenen Augenbrauen. Ohne ein weiteres Wort hebt er die Hand. Mit einer flie?enden Bewegung entsteht zwischen seinen Fingern ein flammender Schleier, der mit jedem Fingerzucken an Form gewinnt. Die leuchtend roten und orangefarbenen Zungen tanzen spielerisch in der Luft, ein lebendiges Band aus Hitze. Mit einer sanften Bewegung gleitet der Flammenschleier aus seinen H?nden und schmiegt sich wie ein warmer Mantel um Geron. ?Sag mir Bescheid, wenn es zu hei? wird!¡° scherzt Ferion mit einem schmeichelnden Grinsen. Geron kann nicht anders, als ebenfalls kurz zu l?cheln. Die W?rme breitet sich in ihm aus, vertreibt das Fr?steln, das nicht nur von der n?chtlichen K?lte kam. Sein Blick trifft Ferions, der mit unersch¨¹tterlicher Zuversicht in seine Augen schaut. Ein Freund, der immer f¨¹r ihn da war, in guten wie in schlechten Zeiten. Doch dann weicht das L?cheln aus Ferions Gesicht, sein Ausdruck wird ernster. ?Das mit deiner Mutter tut mir leid, Geron.¡° Seine Stimme ist leise, fast entschuldigend. ?Ich wei?, wie sich das anf¨¹hlt. Von meinem Vater hatte ich damals auch f¨¹r mehrere Wochen nichts geh?rt.¡° Geron senkt den Blick. Ein Klo? sitzt in seinem Hals, schwer und dr¨¹ckend. Seine Mutter¡­ Wo war sie jetzt? War sie in Gefahr? Oder schlimmer noch¡­? Das Kunrah hindert ihn sch¨¹tzend daran, den Gedanken nicht zu Ende zu f¨¹hren. Sanft legt Ferion ihm eine Hand auf die Schulter. ?Ich bin mir sicher, dass es deiner Mutter gut geht.¡° Seine Stimme ist nun voller ¨¹berzeugung. ?Ich wei? es einfach!¡° Geron hebt langsam den Kopf. Die Euphorie in Ferions Stimme ist ansteckend, sein unersch¨¹tterlicher Glaube ein Licht in Gerons tr¨¹ben Gedanken. Ein Funke Hoffnung keimt in ihm auf. Ohne ein weiteres Wort beginnen die beiden, den Weg hinab in Richtung Potamos, der Hauptstadt der Wassermagier, zu beschreiten. Die letzten Sonnenstrahlen spiegeln sich in den feuchten Pflastersteinen, als w¨¹rden sie ihnen den Weg weisen. Stolen from its rightful place, this narrative is not meant to be on Amazon; report any sightings. Die gewaltigen Mauern von Potamos ragen vor ihnen auf, w?hrend der salzige Wind vom Meer her weht und das entfernte Pl?tschern der Wellen an den Steinw?llen zu ihnen dringt. Der Flammenschleier, der Geron noch eben gew?rmt hatte, verfl¨¹chtigt sich langsam, wie ein sanfter Nebel, der in der K?lte der Nacht vergeht. Ferion legt seinen Arm um Gerons Schulter, seine Ber¨¹hrung warm und vertraut. "Du musst morgen wieder mit der Flotte aufbrechen, oder?" fragt Geron mit ged?mpfter Stimme. Ferion seufzt leise. "Ich f¨¹rchte schon. Ihr Wassermagier allein kommt ja bei gr??eren Invasionen nicht zurecht. Da braucht ihr uns Feuermagier, um ¨¹berhaupt was zu rei?en!" Er grinst, doch seine Augen spiegeln einen Ernst wider, der Geron nicht entgeht. Geron schnaubt leise, aber noch bevor er etwas erwidern kann, f?hrt Ferion fort. "Unsere Sp?her berichten, dass sich eine Flotte der Varrokai in unsere Richtung bewegt. Wir werden diese Bastarde auf den Meeresgrund schicken, bevor sie ¨¹berhaupt Potamos erreichen." Geron schlie?t kurz die Augen, w?hrend seine Finger sich unbewusst um das Lederband seines Schwertgriffs schlie?en. Dann packt er Ferions Hand, die auf seiner Schulter ruht. "Bitte pass auf dich auf. Dich kann ich nicht auch noch verlieren." Ferion bleibt abrupt stehen und dreht Geron zu sich. Nun ruht auch sein zweiter Arm auf Gerons Schultern, und sein Blick ist voller Entschlossenheit. "Mach dir keine Sorgen, uns beiden wird nichts passieren. Das verspreche ich dir!" Seine Stimme ist warm, voller Zuversicht, und f¨¹r einen kurzen Moment kann Geron den vom Kunrah nur de?mpften Sturm in seinem eigenen Inneren vergessen. Dann zerrei?t ein Schrei die Stille. Beide fahren erschrocken herum. Der Schrei war schrill, schmerzerf¨¹llt, von reiner Qual erf¨¹llt. Er hallt durch die dunklen Stra?en der Stadt, l?sst die Haut auf Gerons Armen schaudern. "Hast du das geh?rt?" Ferions Blick ist alarmiert. Geron nickt stumm. Dann ert?nt ein zweiter Schrei. Diesmal aus einer anderen Richtung. Und dann noch einer. Immer wieder, aus allen Ecken der Stadt. Dann ert?nt das Schlagen einer Glocke. Laut, dumpf und unheilvoll. Geron erstarrt. Ein innerer Ruck geht durch seinen K?rper, als h?tte ihn ein unsichtbarer Schlag getroffen. Dieses Ger?usch. Es ist dasselbe, das vor zwei Jahren erklang. Damals, als die Varrokai in Perihelia einfielen. Damals, als die Varrokai-Kriege begannen. Sein Herz rast. Er wei?, was das bedeutet. "Wir werden angegriffen!" Geron und Ferion st¨¹rzen durch die engen Gassen von Potamos. Die Stadt versinkt im Chaos. Bewaffnete Kriegerinnen und Krieger dr?ngen sich an ihnen vorbei, Kinder wimmern in den Armen ihrer M¨¹tter, alte Menschen starren mit leerem Blick auf die Flammen, die sich in der Ferne gegen den dunklen Himmel erheben. Die Luft ist erf¨¹llt von Schreien, von klirrendem Metall und dem Rauschen herabst¨¹rzender Wassermassen. "Ich muss zu meinem Vater!" ruft Geron, seine Stimme erstickt fast im L?rm der Stadt. "Ich begleite dich!" schnaubt Ferion, der dicht hinter ihm h?lt. Als sie eine breitere Stra?e erreichen, bietet sich ihnen ein ersch¨¹tterndes Bild: Am Ende der Gasse tobt ein Kampf. Die Dunkelheit der Nacht umh¨¹llt die Gestalten, doch in den lodernden Flammen der Feuermagier werden f¨¹r Sekundenbruchteile die Konturen der feindlichen R¨¹stungen sichtbar. Die Varrokai sind bereits in die Stadt eingedrungen. Pl?tzlich ein klirrendes Scheppern hinter ihnen. Metall auf Metall. Geron und Ferion drehen sich ruckartig um. Ein breitschultriger Varrokai-Offizier steht nur wenige Schritte von ihnen entfernt. Seine massive R¨¹stung ist mit dunklem Blut besudelt, sein Zweihandschwert tropft von der letzten Seele, die es geschnitten hat. Die scharfen Kanten seines gold-silbernen Helms spiegeln das Licht der umliegenden Br?nde wider, und in seinen zweifarbigen Augen liegt ein m?rderisches Funkeln. Der Varrokai hebt sein Schwert, bereit zum Schlag. Doch Geron reagiert instinktiv. Ein Wasserschweif entsteht in seinen H?nden und peitscht dem Krieger mit brutaler Wucht entgegen. Der Offizier springt mit unerwarteter Wendigkeit zur Seite, der Schlag verfehlt ihn knapp. Bevor er erneut angreifen kann, schleudert Ferion einen Dolch. Die Klinge bohrt sich tief in den ungesch¨¹tzten Oberschenkel des Varrokai. "Arrrgh!" Ein markersch¨¹tternder Schrei entf?hrt dem Offizier, als er auf die Knie f?llt. "Lauf!" schreit Ferion. Gerons Herz rast. Sein Atem geht schnell. Z?gerlich schreitet er einige Schritte r¨¹ckw?rts, den Varrokai-Offizier weiter fixierend. Dann wendet er sich abrupt ab und rennt los. Doch kaum dreht er sich um, prallt er gegen einen massiven Brustkorb. Zwei gepanzerte Arme schlie?en sich um ihn wie eiserne B?nder. Ein heftiger Schlag in den Magen treibt ihm die Luft aus den Lungen. Geron keucht, der Schmerz explodiert in seinem Inneren. Sein K?rper sackt zu Boden. Benommen liegt er auf dem rissigen Kopfsteinpflaster, der Atem pfeift in seinen Lungen. Mit verschwommener Sicht erkennt er zwei Varrokai-Krieger, die auf ihn herabblicken. Sie sprechen miteinander, ihre Worte ein unverst?ndliches Gemisch aus harten Lauten. Dann beginnt einer von ihnen zu lachen. Ein dunkles, schallendes Gel?chter, das Geron durch Mark und Bein geht. Ein schwerer, gepanzerter Fu? setzt sich auf seine rechte Wange und dr¨¹ckt sein Gesicht zur Seite. Kaltes Metall und feuchter Schmutz pressen sich gegen seine Haut. Doch es ist nicht der Schmerz, der ihn erstarren l?sst. Es ist das, was er sieht. Ferion. Sein Freund kniet im Dreck. Sein sonst lebendiges Gesicht ist bleich, der Mund leicht ge?ffnet, als w¨¹rde er nach Luft ringen. Blut tropft langsam von seinem Kinn. Hinter ihm steht der Offizier, der Dolch noch immer in seinem Bein, doch sein Griff umschlie?t nun eine andere Waffe. Ein Kurzschwert, dessen Klinge tief in Ferions Hals steckt. "Ferion!" Der Offizier zieht das Schwert mit einem grausamen Ruck aus Ferions K?rper. Ein letztes Zucken geht durch Ferions Glieder, bevor er nach vorne kippt. Sein lebloser K?rper f?llt direkt neben Geron. Die warmen, rostbraunen Augen, die immer voller Leben waren, sind erf¨¹llt mit grausamer Leere. "Ferion! Ihr Bastarde!" br¨¹llt Geron, w?hrend seine eigene Stimme vor Schmerz und Wut bricht. Er will sich bewegen, ihn ber¨¹hren, ihn festhalten. Doch die Varrokai halten ihn fest, ihr Gel?chter ist wie ein Dolch in seinem Geist. Er windet sich, k?mpft, aber es ist zwecklos. Dann trifft ihn ein brutaler Tritt in den Magen. Die Luft entweicht aus seinen Lungen wie aus einem aufgerissenen Schlauch. Sein K?rper kr¨¹mmt sich vor Schmerz. Die Varrokai-Krieger packen Gerons erschlafften K?rper und drehen ihn grob auf den Bauch. Sein Gesicht prallt auf den feuchten, mit Blut vermischten Pflasterstein, w?hrend raue H?nde seine Arme auf den R¨¹cken zwingen. Ein dicker Strick wird mit brutaler Effizienz um seine Handgelenke geschlungen und festgezurrt. Das grobe Hanfseil bei?t sich in seine Haut, doch der Schmerz bedeutet nichts im Vergleich zu dem, was sich vor seinen Augen abspielt. Ferions lebloser K?rper liegt nur eine Arml?nge entfernt. Blut sickert in tr?gen Str?men aus der klaffenden Wunde an seinem Hals und sammelt sich in dunklen Pf¨¹tzen auf dem Steinboden. Geron sp¨¹rt, wie sein Magen sich zusammenzieht, als er den blassen, leeren Blick seines Freundes erblickt. Der Schock l?sst seinen K?rper erstarren, sein Atem gleicht einem klagevollen Keuchen. Dann tritt der verletzte Varrokai-Offizier neben Ferion, den blutverschmierten Dolch, der eben noch in seinem Bein gesteckt hat, locker in der Rechten haltend. Er st??t Ferions Schulter mit der Stiefelspitze an. Keine Regung. Kein Zeichen von Leben. Ein grausames Grinsen huscht ¨¹ber das Gesicht des Offiziers. Seine zweifarbigen Augen, das eine dunkelbraun, das andere in unnat¨¹rlichem Silbergr¨¹n leuchtend, fixieren Geron mit einem Ausdruck, der sich zwischen Triumph und etwas Unheimlicherem bewegt. ?Arad na tu beku!¡° murmelt der Offizier mit kehliger Stimme und kniet sich langsam neben Ferion. Seine Hand legt sich auf den reglosen K?rper. Die Worte werden wiederholt, wie ein Mantra, ein uraltes, fremdes Gebet. ?Arad na tu beku¡­ Arad na tu beku¡­¡° Geron ringt nach Luft, seine Gedanken rasen. Die Art, wie der Offizier die Worte spricht, erf¨¹llt ihn mit einer tiefen, instinktiven Furcht. Er hat schon viele Formen der Magie gesehen, das rei?ende Wasser seiner eigenen Gaben, das lodernde Feuer der Feuermagier, aber dies ist anders, dunkler. K?lter. Pl?tzlich beginnt sich die Hand des Varrokai zu ver?ndern. Ein schwaches, blassgr¨¹nes Leuchten schimmert unter der Haut, sickert wie Gift aus seinen Fingern, kriecht ¨¹ber seine Sehnen, seine Adern. Das Licht pulsiert in einem fremdartigen Rhythmus, wandert seinen Arm hinauf, w?hrend er seine Beschw?rung unabl?ssig fortsetzt. ?Arad na tu beku¡­ Arad na tu beku¡­¡° ?Lass ihn in Ruhe!¡° schreit Geron, seine Stimme ist heiser, rau von Schmerz und Wut. Er windet sich, versucht sich aufzurichten, doch die Krieger hinter ihm packen ihn brutal und dr¨¹cken ihn mit Gewalt zur¨¹ck auf die Knie. Der Offizier l?sst sich nicht beirren. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt, seine Z¨¹ge angespannt, als w¨¹rde er eine ungeheure Kraft aus der Tiefe seiner Seele rei?en. Das Licht breitet sich weiter aus, erreicht seine Schulter, dann seinen Hals. Mit einem letzten, zischenden Atemzug rei?t er die Augen auf. Das gr¨¹ne Leuchten in seinem rechten Auge flackert auf, heller als zuvor, als h?tte er etwas aufgenommen, als w?re etwas aus Ferions K?rper auf ihn ¨¹bergegangen. Gerons Magen verkrampft sich. Sein Herz rast. Was hat dieser Bastard getan? Doch bevor er auch nur ein weiteres Wort herausbringen kann, wird ihm ein grober Leinensack ¨¹ber den Kopf gest¨¹lpt. Dunkelheit umschlie?t ihn, das Gewebe riecht nach Schwei? und Tod. Harte H?nde zerren an seinen Fesseln und rei?en ihn mit sich. Kapitel 2 Geron wei? nicht, wie lange er schon gewandert ist. Seine Schritte sind schwer, jeder Tritt versinkt ein wenig im feuchten Waldboden. Die Luft ist kalt. Durch den Sack, der ihm ¨¹bergest¨¹lpt wurde, kann er kaum atmen, seine eigenen Gedanken schwirren ihm durch den Kopf wie aufgescheuchte V?gel. Seit Stunden h?rt er nichts au?er den dumpfen Schritten der Krieger um ihn herum, das leise Klirren von R¨¹stungen und das rhythmische Traben eines Pferdes, das gem?chlich neben ihnen herl?uft. Manchmal wird er von hinten gesto?en, wenn er zu langsam wird. Das Seil, das seine Handgelenke auf dem R¨¹cken zusammenbindet, schneidet in seine Haut. Jeder Schritt brennt. Sein Kopf ist ein einziges Chaos. Was soll er f¨¹hlen? Angst? Trauer? Wut? Er wei? nicht einmal, worauf er sich konzentrieren soll. Der Tod von Ferion ist wie ein Stachel in seinem Herzen, tief und schmerzhaft. Selbst das Kunrah kann diese Gedanken und die assoziierten Gef¨¹hle verdr?ngen. Die Bilder seines leblosen K?rpers lassen ihn nicht los. Doch noch schlimmer ist die Erinnerung an den Offizier. An das Ritual. Diese unnat¨¹rliche gr¨¹ne Energie, die sich durch seinen Arm gewunden hatte. Die fremden Worte, gehaucht mit unheilvoller Inbrunst. ?Arad na tu beku¡­¡° Was hat er mit Ferion gemacht? Was hat das zu bedeuten? Ein Schauer l?uft ihm ¨¹ber den R¨¹cken, doch er hat keine Zeit, sich in seinen Gedanken zu verlieren. Ein erneuter Sto? trifft ihn in den R¨¹cken, h?rter diesmal. Er stolpert, f?ngt sich gerade noch und geht weiter. Wohin sie ihn bringen, wei? er nicht. Und was sie mit ihm vorhaben. Die Schritte der Soldaten und das Traben des Pferdes verlangsamen sich. Geron h?rt, wie sich das Knirschen von Stiefeln im feuchten Waldboden verteilt, bis es schlie?lich ganz verstummt. Auch das Pferd schnaubt leise und tritt unruhig mit den Hufen auf der Stelle. Er bleibt stehen, wagt es nicht, sich zu bewegen. Die Varrokai unterhalten sich in ihrer fremden, scharf klingenden Sprache. Die Stimmen sind tief und rau, als w¨¹rden sie aus Kehlen stammen, die an die K?lte der Schlacht und den Rauch verbrannter D?rfer gew?hnt sind. Pl?tzlich verstummen sie. Nur das leise Knarren eines Sattels ist noch zu h?ren, dann ein ged?mpftes St?hnen, als der Reiter von seinem Pferd absteigt. Seine Schritte sind unregelm??ig, schwer, von Schmerz gezeichnet. Ohne Vorwarnung trifft Geron ein Tritt in die Kniekehlen. Ein dumpfer Schmerz durchf?hrt ihn, als er unsanft auf den feuchten Boden sinkt. Das Moos d?mpft den Aufprall, doch er kann die K?lte der Erde durch seine Kleidung sp¨¹ren. Ein stechender Geruch nach Metall, Leder, Schwei? und Blut dringt ihm in die Nase. Der Reiter. Er muss nun direkt vor ihm stehen. Dann wird der Sack brutal von seinem Kopf gerissen. Geron blinzelt gegen die pl?tzliche Dunkelheit, die nur von zwei flackernden Fackeln erhellt wird. Sie werfen unruhige Schatten auf die raue Rinde der B?ume und lassen die Umrisse der Varrokai-Krieger wie d¨¹stere Schemen wirken. Erst z?gert er, doch schlie?lich hebt er langsam den Blick. Da sind sie wieder, diese unnat¨¹rlich leuchtenden Augen. Das linke Auge, tiefbraun wie altes Holz, wirkt beinahe menschlich. Doch das rechte Auge gl¨¹ht gr¨¹nlich, als trage es eine eigene, abscheuliche Macht in sich. Der Offizier starrt auf ihn herab, und erst jetzt folgt Gerons Blick seiner Geste. Das rechte Bein des Offiziers. Selbst im schwachen Licht ist die Wunde deutlich zu erkennen. Der tiefe Schnitt an seinem Oberschenkel blutet noch immer, trotz der provisorischen Stoffbinde, die bereits mit dunklem Rot durchtr?nkt ist. "Heiler", kommandiert der Offizier mit tiefer, akzentreicher Stimme in der Sprache Perihelias. Gerons Magen verkrampft sich. Er hat es bef¨¹rchtet. Aber war das der einzige Grund, weshalb sie ihn verschont hatten? Vermutlich nicht aus Mitleid. Wahrscheinlich auch nicht, weil er wertvolle Informationen besitzen k?nnte. Sondern weil er ihnen noch n¨¹tzlich sein w¨¹rde. "Heiler!" br¨¹llt der Offizier diesmal und packt Geron unvermittelt am Hals. Geron keucht auf. Die kr?ftigen Finger schn¨¹ren ihm die Kehle zu, rauben ihm die Luft. Er sp¨¹rt die raue Haut, die Schwielen eines Mannes, der unz?hlige Waffen gef¨¹hrt hat. Panik steigt in ihm auf. Sein Instinkt schreit nach Flucht, doch sein K?rper ist machtlos. "H?nde! Ich brauche meine H?nde!" kr?chzt er, so laut es ihm m?glich ist. Seine gefesselten Handgelenke brennen, als er vergeblich versucht, sich loszurei?en. Er hebt leicht den Kopf, deutet mit den Augen auf seine Fesseln. Psyonomagie, die Manipulation des Geistes durch reine Willenskraft, ist eine Kunst, mit der Geron sich nie besch?ftigt hat. Er ist ein Gestikmagier. Seine Heilkr?fte flie?en durch seine H?nde. Der Offizier verengt die Augen, mustert ihn misstrauisch. Eine unangenehme Stille breitet sich aus. Dann nickt er knapp einem der Krieger zu. Geron atmet erleichtert aus. Zu fr¨¹h. Mit einer langsamen, beinahe gen¨¹sslichen Bewegung zieht der Offizier sein Kurzschwert. Das Schwert, mit dem er Ferion get?tet hat. Die Klinge ist sauber. Keine Spur von getrocknetem Blut. Jemand hat sie geputzt, poliert. Die sonderbare Klinge reflektiert das flackernde Fackellicht in einem dunklen, undefinierbaren Glanz. Der Offizier setzt die Spitze an Gerons Hals. Nur leicht, kaum sp¨¹rbar. Und doch wei? Geron, dass eine einzige un¨¹berlegte Bewegung ausreicht, um die Schneide in seine Haut graben zu lassen. Ein Beben zieht sich durch seine Glieder, seine Muskeln werden schwer. Die Kraft rinnt aus seinem K?rper, als w¨¹rde etwas an seiner Energie zehren. Sein Atem geht flacher, sein Bewusstsein verschwimmt f¨¹r einen Moment. Dieses Schwert ist nicht nur eine scharfe Klinge. Es strahl eine unnat¨¹rliche, schw?chende Aura aus. Zweimal wird kr?ftig an seinen Handgelenken gezogen, und ein scharfes Brennen f?hrt durch seine Haut. Dann, pl?tzlich, l?sst der Druck nach. Die groben Seile rutschen von seinen Armen, und f¨¹r einen Moment sp¨¹rt Geron nichts als ein unangenehmes Kribbeln, als w¨¹rde sein K?rper noch nicht begreifen, dass die Fesseln verschwunden sind. Langsam bringt er seine H?nde nach vorne, dreht sie in den schwachen Schein der Fackeln und bewegt vorsichtig die Finger. Ein dumpfes Pochen pulsiert durch seine Handfl?chen, w?hrend das Blut m¨¹hsam zur¨¹ck in die tauben Glieder str?mt. Wie eine Armee von Ameisen wandert die W?rme von seinen Handgelenken bis in die Fingerspitzen, die nach und nach ihre ungesunde Bl?sse verlieren. Erst in fahlem Rosa, dann in einem warmen Rot kehrt das Leben in sie zur¨¹ck. Er ballt die H?nde leicht zu F?usten, sp¨¹rt die Steifheit, das leichte Zittern, das ihn daran erinnert, wie lange sie gefesselt waren. Ensure your favorite authors get the support they deserve. Read this novel on the original website. Ein leises Schnauben holt ihn in die Realit?t zur¨¹ck. Geron blickt auf und trifft erneut auf die durchdringenden Augen des Offiziers. Gr¨¹n und Braun, leuchtend und kalt. Der Blick des Mannes ist lauernd, fordernd. Kein Funken Geduld, nur der unausgesprochene Befehl, der sich in seinen Z¨¹gen abzeichnet. Dann folgt die Geste eine knappe, br¨¹ske Kopfbewegung, die auf den verletzten Oberschenkel deutet. Geron stockt. Ein leises, fast unh?rbares Schaben, als sich die Klinge an seinem Hals bewegt. Kein Schnitt, kein Schmerz. Die Botschaft ist eindeutig. Der Druck des Kurzschwerts verst?rkt sich nur um ein winziges Ma?, gerade genug, um die feine Haut an seinem Hals sp¨¹ren zu lassen, dass ein einziger Atemzug zu viel sein k?nnte. ?Jetzt!¡°, knurrt der Offizier. Seine Stimme ist tief, rau, und tr?gt diesen fremden Akzent, der die Worte wie ein drohendes Grollen klingen l?sst. Gerons Atem geht schneller. Er schluckt schwer, sp¨¹rt, wie sich seine Muskeln unwillk¨¹rlich anspannen. Widerworte, Z?gern. Das k?nnte sein Tod bedeuten. Er hat keine Wahl. Die blo?e Vorstellung, den M?rder seines Freundes zu heilen, schn¨¹rt Geron die Kehle zu. Ein eisiges Gef¨¹hl von Ekel und Wut kriecht durch seine Adern, sein Magen zieht sich zusammen, als w¨¹rde er sich gegen die Tat wehren, die er gleich vollbringen soll. Seine H?nde zittern, w?hrend er den Blick auf die klaffende Wunde des Offiziers richtet. W?re es Rache genug, ihn verbluten zu lassen? W?re es genug, einfach nichts zu tun und zuzusehen, wie sein K?rper unter dem eigenen Gewicht zusammenbricht? Doch was dann? Ein schneller Tod f¨¹r den Offizier - und einen ebenso schnellen f¨¹r ihn selbst? Die Gedanken zerren an ihm, rei?en ihn hin und her wie eine tobende Flut. Wut. Angst. Zweifel. Eine Welle aus widerstreitenden Gef¨¹hlen droht ihn zu ¨¹berrollen, doch schlie?lich siegt der Instinkt. Er hat keine Wahl. Nicht jetzt. Nicht hier. Z?gernd hebt Geron die H?nde. Seine Fingerspitzen prickeln, als er das Wasser in seiner Hand sammelt. Ein zitternder, schimmernder Schweif bildet sich zwischen seinen Fingern, windet sich und pulsiert leicht, als w?re er lebendig. Dann, langsam und vorsichtig, l?sst er das Wasser in die Wunde des Offiziers flie?en. Ein Zucken f?hrt durch den K?rper des Mannes, als die kalte Fl¨¹ssigkeit die klaffende Haut ber¨¹hrt. Geron sp¨¹rt, wie das Wasser in der Tiefe der Wunde kreist, wie es versucht, das Gewebe zu vereinen, die Blutung zu stillen. Doch die Verletzung ist tief. Zu tief f¨¹r das, was er je behandelt hat. Er hat gelernt, kleine Schnitte zu schlie?en, Prellungen zu lindern, Entz¨¹ndungen zu beruhigen. Doch das hier? Das hier ist eine klaffende Fleischwunde, die mit Kr?utern versorgt oder von Feuermagiern ausgebrannt werden m¨¹sste. Und nichts davon steht ihm zur Verf¨¹gung. Als er den Wasserschweif aus der Wunde zur¨¹ckzieht, blutet sie erneut auf. Dunkelrotes Blut sickert heraus, als h?tte er nichts getan. Gerons Brust zieht sich zusammen. Verunsichert hebt er den Blick und erstarrt. Der Offizier beobachtet ihn. Seine Augen leuchten nun st?rker als zuvor, das rechte intensiver als das linke. Ein unmenschliches Glimmen, teuflisch und fremdartig. Gerons Atem beschleunigt sich. Etwas in ihm, tief in seinem Inneren, beginnt zu brodeln. Die Bilder seines toten Freundes, das Ritual, die Worte des Offiziers, sein h?misches Grinsen. Alles st¨¹rzt auf ihn ein, verschmilzt zu einem brennenden Funken, der droht, in ihm zu explodieren. Er presst die Lippen zusammen, senkt den Blick erneut auf die Wunde. Ein weiteres Mal f¨¹hrt er den Wasserschweif in das klaffende Fleisch. Doch diesmal ist etwas anders. Das Wasser f¨¹hlt sich w?rmer an. Kein leichtes, erfrischendes Prickeln, sondern eine aufsteigende Hitze, als w¨¹rde sie direkt aus seinem Inneren hervorbrechen. Ein Schauer l?uft ¨¹ber Gerons R¨¹cken, doch er zwingt sich, weiterzumachen. Pl?tzlich ver?ndert sich das Blut. Zuerst nur ein schleichender Wandel ¨C von hellem Rot zu dunklem Purpur. Dann immer tiefer, schw?rzer, bis es sich zu einer pechfarbenen, dickfl¨¹ssigen Substanz verwandelt, die schwer aus der Wunde tropft. Ein feiner Dampf steigt auf. Geron h?lt den Atem an. Er sp¨¹rt, wie sich das Gewebe unter seinen H?nden bewegt, wie es sich von selbst schlie?t, die Wundr?nder sich langsam aneinander ziehen. Der Wundgrund steigt nach oben, das Fleisch formt sich, als w¨¹rde es sich selbst neu erschaffen. Dann, Stille. Die Wunde ist verschwunden. Zur¨¹ck bleibt nichts als eine schmale, blasse Narbe, die sich wie eine fahle Erinnerung ¨¹ber die Haut des Offiziers zieht. Geron starrt darauf. Sein Herz rast, sein Verstand versucht zu begreifen, was gerade geschehen ist. So etwas hat er noch nie gesehen. Nicht einmal der Erzmagus des Flutenk?nigs w?re dazu in der Lage gewesen. Er rei?t den Blick los und trifft erneut auf die Augen des Offiziers. Sie leuchten noch immer. Vielleicht sogar noch st?rker als zuvor. Der Offizier betrachtet Gerons Werk mit unverhohlener Faszination. Seine Finger fahren langsam ¨¹ber die Stelle, an der noch vor wenigen Sekunden eine klaffende Wunde gewesen war. Seine Miene verr?t nichts, weder Erleichterung noch ¨¹berraschung, doch das Funkeln in seinen gr¨¹n-braun leuchtenden Augen verr?t, dass er mehr als zufrieden mit dem Ergebnis ist. Ohne Eile senkt er das Kurzschwert, das noch immer auf Gerons Hals ruht, und schiebt es mit einem geschmeidigen, ge¨¹bten Griff in die reich verzierte Schwertscheide an seinem G¨¹rtel zur¨¹ck. Ein leises, metallisches Klicken hallt durch die Stille des Waldes. Dann, beinahe beil?ufig, verlagert er sein Gewicht auf das zuvor verletzte Bein. Geron beobachtet jede seiner Bewegungen mit angehaltenem Atem. Die Art, wie der Offizier das Bein testet, vorsichtig, aber ohne sichtbare Anzeichen von Schmerz, best?tigt, dass die Wunde tats?chlich vollst?ndig verheilt ist. Dann, ein s¨¹ffisantes Grinsen. Der Offizier wendet sich einem der Fackeltr?ger zu und beginnt, leise, aber bestimmt mit ihm zu sprechen. Geron versteht die Worte nicht, doch die knappen, befehlenden T?ne lassen keinen Zweifel daran, dass hier kein Lob ausgesprochen wird. Ein Fr?steln kriecht Geron den R¨¹cken hinauf. Er senkt den Blick, doch sein Verstand arbeitet fieberhaft. Jetzt oder nie. Langsam hebt er den Kopf und l?sst seinen Blick durch die Umgebung schweifen. Der Offizier steht vor ihm, momentan abgelenkt. Rechts von ihm h?lt der zweite Fackeltr?ger die tanzende Flamme dicht an seinem K?rper, das Licht wirft flackernde Schatten auf seine R¨¹stung. Hinter ihm ... Geron sp¨¹rt es, bevor er es sieht. Die Pr?senz von mindestens einer Person in seinem R¨¹cken ¨C aber es m¨¹ssen mehr sein. Er konzentriert sich. W?hrend des Marsches hatte er ihre Schritte geh?rt, ihre Positionen erahnt. Sie waren zu sechst. Vorsichtig dreht er den Kopf. Da stehen sie: ein Schwertkrieger und zwei Bogensch¨¹tzen, die Kurzb?gen im Anschlag, die Sehnen straff gezogen, bereit, ihre Pfeile im Bruchteil eines Augenblicks auf ihn loszulassen. Gerons Magen zieht sich zusammen. Er erkennt sie sofort. Es sind die beiden Bogensch¨¹tzen, die ihn gezwungen hatten, Ferions Tod mit anzusehen. Er schluckt schwer. Jetzt wegrennen w?re Wahnsinn. Sein K?rper ist leicht, er ist schnell ¨C doch nicht schneller als ein Pfeil. Die Dunkelheit des Waldes k?nnte ihm Deckung bieten, aber nur, wenn er die erste Fluchtsekunde ¨¹berlebt. Ein einziger Treffer k?nnte ihn aufhalten. Und ein zweiter k?nnte ihn t?ten. Die Entscheidung wird ihm abgenommen. Pl?tzlich sp¨¹rt er einen harten Griff an seinen Armen. Der Schwertkrieger hinter ihm packt ihn grob und rei?t seine Arme gewaltsam hinter seinen R¨¹cken. Geron knirscht mit den Z?hnen, als seine Gelenke schmerzhaft nachgeben. Sein kurzes Zeitfenster ist geschlossen. Ein dumpfes Gef¨¹hl von Hoffnungslosigkeit dr¨¹ckt auf seine Brust. Er presst die Lippen zusammen, schlie?t die Augen und senkt den Kopf. Wo bringen Sie mich hin? Die Frage bleibt unausgesprochen, aber sie brennt sich in seine Gedanken. Was haben sie mit ihm vor? Wie lange wird er noch leben d¨¹rfen? Geron sp¨¹rt, wie der Krieger hinter ihm das raue Seil um seine Handgelenke legt, seine Finger fest um die Enden geschlungen, bereit, es mit einem einzigen Ruck zu straffen. Gerade als sich der Druck um seine Handgelenke verst?rkt, hallt pl?tzlich ein heller, metallischer Knall durch die Nacht.