《Der Schleier [DE]》 Agu Riya merkte nicht, wie sie sich verlor, w?hrend sie und ihre zwei Gef?hrten zu Pferd unterwegs waren. Sie driftete ab in den wei?en leeren Raum. Ohne W?nde, ohne Decke oder Boden. Wie vertraut ihr dieser Raum doch war, ihr tiefstes Inneres. Kalt, steril und trostlos. Lange war sie nicht mehr hier gewesen. Dort sa? Riya nun wieder, inmitten dieses Raumes auf den Knien. Ihr Waffenrock war schwer. Doch da war noch etwas neben ihr, etwas Vertrautes und noch viel K?lteres als der Raum. Riya kannte es von fr¨¹her. Das alte Wesen, das sie schon so lange plagt. Der D?mon. Warum kam er ausgerechnet jetzt und was wollte er, fragte sie sich. ¡°Hallo!¡± sagte das Wesen mit schelmischer Fr?hlichkeit. Es war genauso sp?ttisch wie furchterregend. ¡°Hast du mich vermisst? Es ist so schrecklich einsam hier unten. Warum kommst du mich nicht mehr besuchen, so wie fr¨¹her.¡± Fr¨¹her. Sie erinnerte sich an diese Zeit. Fr¨¹her war sie allein. Ganz allein mit dem D?mon. Sie hatte damals nichts anderes an das sie sich wenden konnte. Die Menschen stie?en sie aus und wollten nichts mit einer ¡°Besessenen¡± zu tun haben. Und wenn sie die N?he zu anderen suchte, zog das Wesen sie stets weg, sodass sie immer mehr an es gebunden wurde. ¡°Ach, sei doch nicht so. Tu nicht so, als w¨¹rde ich dir Schlechtes wollen. Die Menschen von damals wollten dich nicht. Sie haben dich schlecht behandelt. Ich habe dich nur vor ihnen besch¨¹tzt.¡± Das Wesen huschte um Riya herum. Es bestand aus tiefschwarzem Schatten und hatte kein erkennbares Gesicht, daf¨¹r aber eine Maske mit einem warm l?chelnden Gesichtsausdruck. Was es sagte war nicht unwahr. Die Menschen haben sie damals schlecht behandelt, ja sogar misshandelt. Sie haben sich einen Spa? aus ihrem Leid gemacht, sie aufgezogen und verletzt. ¡°Na also, wer braucht schon solche Menschen. Menschen m?gen dich nicht. Sie sind schlechte Wesen. Du bist bei Ihnen nicht gut aufgehoben.¡± Vielleicht hatte der D?mon Recht. Vielleicht sind Menschen tats?chlich schlecht und nicht vertrauensw¨¹rdig. Vielleicht war es heute auch nicht anders. Die Menschen zu denen sie heute Verbindungen aufgebaut hatte, ihre Gef?hrten¡­ Waren diese Verbindungen denn wirklich echt? Oder waren sie nur Fassaden und eigentlich hassten sie sie. W¨¹rden die Menschen von heute sie genauso verletzen? ¡°Ja, und wie sie das tun w¨¹rden. Sie sind nicht anders, glaub mir!¡± Die vorhin noch so warm l?chelnde Maske hatte sich ver?ndert. Ihr Ausdruck war ernster geworden und das L?cheln wirkte weniger freundlich. ¡°Geh besser, sonst verletzen sie dich auch noch. Sie werden dich hintergehen, so wie die Kinder es damals so oft getan haben. Diese ¡°Gef?hrten¡± hier nutzen nur wieder deine Gutm¨¹tigkeit aus. Was ist, wenn das im Kampf passiert?¡± Riyas Blick war nach unten gerichtet. Ihre Gef?hrten. Konnte sie ihnen wirklich blind vertrauen? Immerhin hatten sie jetzt schon so viel erlebt. Aber warum sollten sie¡­ ¡°Weil sie dir schaden wollen, genau wie die anderen. Alle wollen das!¡± Das Wesen stand nun genau vor ihr. War das denn wahr, was es sagte? ¡°Nein¡­¡± sagte sie leise. ¡°Du wei?t es!¡± rief der D?mon. Sie blickte dem Ding in die Augen, oder zumindest die leeren H?hlungen in den L?chern der Maske. Endlich erkannte sie es und verstand. Ja, von denen die sie kannte, gab es jene, die ihr schaden wollten. Zumindest einer wollte das. ¡°Nein!¡± sagte sie erneut, dieses mal mit mehr Wut. Sie ben?tigte viel Kraft, doch es gelang ihr schlie?lich, sich aufzurichten. ¡°Nein, das w¨¹rden sie niemals tun! Sie sind meine Freunde!¡± ¡°Was sind schon Freunde? So etwas wie wahre Freundschaft gibt es nicht. Mach dir keine Illusionen.¡± Das Wesen stand unmittelbar nahe und auft¨¹rmend vor ihr. ¡°Vertrauen kannst du auf nichts in der Welt, nicht einmal dir selbst. Und diesen Gef?hrten wie du sie nennst ebenfalls nicht. Am besten du verl?sst sie und gibst dich auf, statt dich weiter zu qu?len.¡± ¡°Sei still!¡± Riya stie? die Kreatur von sich und trat zwei Schritte zur¨¹ck. Sie nahm das Schwert von ihrem G¨¹rtel, hob es wie einen Wurfspeer und stie? es dem Wesen in den Brustkorb. "Du hast keine Macht mehr ¨¹ber mich, D?mon!" Es ?chzte. Aufgespie?t und jeder Bewegungsfreiheit beraubt, sah es sie an. Die Maske war zu einer w¨¹tend blickenden Fratze geworden. Enjoying the story? Show your support by reading it on the official site."Ha," sagte sie. "Endlich verstehe ich, was du wirklich bist. Du bist weder ein Fluch noch ein D?mon! Du bist nichts weiter als eine Nervens?ge und ein Feigling! Du haftest dich an die, die der Verzweiflung am N?chsten stehen und treibst sie noch weiter in den Abgrund, um ihnen eines Tages das Leben zu rauben. Du versprichst ihnen die Erl?sung und sobald sie dir dein Leben geben, verschlingst du sie, nur um deine Gier zu stillen." Sie trat zwei Schritte n?her. "Nicht mit mir!" "Glaube nicht, dass du mich so besiegen k?nntest. Ich bin ein Teil von dir und werde es immer sein, verstehst du das?! Ich bin die Angst. Ich diene dazu, dich zu sch¨¹tzen." rief es deutlich lauter als zuvor. ¡°Ich war schon so oft kurz davor, auf deine falschen Versprechen reinzufallen, Agu." Die Kreatur grollte. Die Maske verzog sich zu einem grotesken und unmenschlichen Ausdruck. "Ja. Das ¨¹bel beim Namen zu nennen hat bereits viel geholfen, um dich zu erkennen. Und vielleicht muss ich mich den Rest meines Lebens mit dir herumschlagen. Aber solange ich lebe, werde ich mich nicht mehr deinem Willen beugen. Nie mehr!" Entschlossenen Schrittes n?herte sie sich dem Wesen, welches knurrend vor ihr lag und packte das Schwert, welches es festhielt. "Und nun verschwinde endlich!" rief sie mit m?chtiger Stimme und zog das Schwert nach oben, l?ngs durch seinen Oberk?rper und seinen Kopf, sodass die Maske zerbrach. Das Wesen heulte auf und sein K?rper zerfiel in schwarzen Rauch und Asche, die den zuvor noch hellen Raum verdunkelten. "Ich¡­ komme wieder..!" h?rte sie es mit tonloser Stimme sagen und es klang wie ein Echo im Wind. Ein letztes Mal sah sie sein Grinsen im Rauch hervorscheinen, bis es allm?hlich verblasste. Sie erschauderte. Spielt Agu ihr gerade wieder einmal einen Trick? W¨¹rde der D?mon sie gleich wieder umschlie?en und Besitz von ihr ergreifen? ¡°Nein!¡± dachte sie. ¡°Ich muss vor dir keine Angst mehr haben.¡± Voller Entschlossenheit stand sie im pechdunklen Raum und wich nicht von der Stelle. Langsam legte sich der Rauch und der Raum wurde wieder heller. Er verblasste allm?hlich und sie kam wieder zu sich. "Riya? Ist alles in Ordnung bei dir?" h?rte sie Egore sagen. Sie sa? wieder auf ihrem Pferd, ihre beiden Gef?hrten um sich herum. Wie lange sie wohl weggetreten war? Fr¨¹her als sie noch die meiste Zeit alleine war, h?tte sie sich von der Gesellschaft abgeschottet, wenn es passierte. Doch das war vor langer Zeit, lange bevor sie ihre Gef?hrten kennenlernte. "Hattest du wieder eine Phase?" fragte Ilye. "Es ist schon in Ordnung", sagte Riya. "Mir geht es gut." Ilye und Egore tauschten einen besorgten Blick. "Riya, hier musst du nichts verstecken. Wenn es dir nicht gut geht, kannst du es uns sagen," sagte Egore. "Danke." sagte sie verlegen, aber froh. "Ja, ich habe wieder Besuch von dem D?mon¡­ also von¡­ Agu bekommen." Es fiel ihr immer noch schwer, seinen Namen offen auszusprechen, aus Angst. Angst vor ihm und der Reaktionen der anderen. "Aber ich habe ihn in seine Schranken verwiesen." "M?chtest du eine Pause machen?" fragte er. Riya ¨¹berlegte einen Moment. "Nein, eine Pause ist nicht n?tig. Ich f¨¹hle mich gut. Sogar besser denn je. Au?erdem haben wir noch einen ganz anderen Kampf zu gewinnen, nicht wahr? Da sollten wir nicht zu sp?t kommen!" Die beiden l?chelten ihr entgegen und nickten ihr zu. Sie spornten die Pferde an und Riya tat es ihnen gleich. Als sie die beiden ansah und den Moment vor sich hatte, als die drei gemeinsam als Gruppe in das n?chste Abenteuer ritten, sp¨¹rte sie etwas. Sie empfand es nur schwach, aber es war ein warmes Gef¨¹hl. War das Gl¨¹ck? Vielleicht. Sie l?chelte. Wenn sie genauer in sich blickte, war der Raum gar nicht so wei? und leer. Nein, schon seit langer Zeit eigentlich befanden sich ihre Gef?hrten dort. Leichte Sonnenstrahlen erhellten den Raum au?erdem ein wenig. Und im Hintergrund waren auch die ganzen Orte zu erkennen, die die drei schon bereist hatten. War das alles schon immer da und konnte sie es vielleicht auch nur jetzt erst erkennen? Vielleicht wird sich der Raum auch in Zukunft noch weiter lichten und noch mehr zu erkennen geben. Was jetzt allerdings wichtiger war, war die n?chste Schlacht. Und daf¨¹r war sie mehr als bereit. Ausbruch ¡°Es ist endg¨¹ltig zu viel!¡± sagte Clera. Die vier Freunde versammelten sich in der Nacht in ihrem Internatszimmer. ¡°Wie stellst du dir das vor? Willst du etwa einfach herausspazieren? Du wei?t, dass die T¨¹ren nachts verschlossen sind.¡± versuchte Abdel ihr einzureden. ¡°M?chtest du etwa den Rest deines Lebens in dieser Schule verbringen, wenn man das hier ¨¹berhaupt eine Schule nennen kann? Viel eher ist das ein Gef?ngnis!¡± sagte sie. ¡°Ich f¨¹r meinen Teil habe keine Lust mehr hier drauf! Wozu denkst du, soll [[ Wozu denkst du soll das alles hier ¨¹berhaupt gut sein? (Experimente erst sp?ter erw?hnen)]]das alles hier ¨¹berhaupt gut sein?¡± ¡°Ich dachte immer, das w?re der Sinn einer Schule. Um durch Tests zu lernen und naja, Bildung zu kriegen und den Charakter zu formen,¡± meine Abdel mit Unsicherheit. ¡°Wie glaubst du, sollen wir durch solche Test wie die hier schlauer oder bessere Menschen werden?¡± Wenn er so dar¨¹ber nachdachte, was Clera sagte, machte das was sie hier tun wirklich nicht viel Sinn. Er begann in letzter Zeit auch zu zweifeln, dass das alles notwendig war, damit sie sp?ter ?rzte oder Ingenieure werden konnten. Eine andere Schule als diese hatte er nie besucht, mit Ausnahme der Elementarschule. Und auch da war es nicht anders gewesen. Ansonsten gab es ja auch keine andere. ¡°Was ist denn dein Plan?¡± fragte Wes, der sich ¨¹ber das Gel?nder seines Hochbetts neigte und zu den anderen dreien herabblickte. ¡°Selbst, wenn wir an den Sicherheitsleuten vorbeikommen, wie willst du dann drau?en durch das Tor, geschweige denn an den Minenfeldern vorbei? Du¡­¡± ¡°Die Minenfelder sind eine L¨¹ge!¡± fiel sie Wes ins Wort. Alle schauten sie an. Auch der stille Oliver blickte von seinem Buch ¨¹ber theoretische Physik auf, was nicht h?ufig vorkam, da er eigentlich immer seine Augen auf irgendeinen Text fixiert hatte. ¡°W¡­ wie meinst du das, Clera?¡± fragte Abdel sie. ¡°Es gibt keine Minen! Genauso wenig wie eine Verseuchung.¡± ¡°Komm schon, das glaubst du doch nicht ernsthaft,¡± sagte Wes. ¡°Jeder wei?, dass da drau?en¡­¡± ¡°Warst du denn jemals selber da? Ich f¨¹r meinen Teil war das. Ich habe das Drau?en gesehen! Dort sind Menschen!¡± Das Erstaunen wurde noch gr??er. Wes und Abdel sahen erst sich ungl?ubig in die Augen und dann Clera, deren Blick jedoch von ¨¹berzeugung und Entschlossenheit dominiert war. ¡°Wie meinst du, Menschen? Soldaten, oder?¡± fragte Wes. ¡°Nein. Menschen ganz ohne Milit?runiform. Oder Schutzanz¨¹ge.¡± ¡°Aha. Und wann willst du das Drau?en[[ Die Anlage ist unterirdisch]] bitte gesehen haben?¡± Clera l?chelte schelmisch. ¡°Ich habe von einem Ausbruchsversuch erfahren, den einige Jahre zuvor ein paar ?ltere Sch¨¹ler unternommen haben. Angeblich sollen sie einen alten Wartungstunnel gefunden haben, der aus der Zeit stammt, als das hier noch ein Bunker war. Ich habe mich rausgeschlichen um diesen Tunnel zu suchen und tats?chlich gibt es den. Die T¨¹r am Ende ist verbogen und man kann durch einen Spalt nach drau?en sehen. Es war ziemlich hell.¡± ¡°Bist du verr¨¹ckt? Das Licht ist doch t?dlich, wenn man ohne Schutzanzug nach drau?en geht¡±, meinte Abdel. ¡°Davor haben Sie uns doch gewarnt, wenn wir je versuchen sollten an die Oberfl?che zu gehen. Hast du denn gar nicht zugeh?rt?¡± ¡°Das hab ich auch nicht sofort getan. Glaub mir, es war nicht so leicht, mich zu ¨¹berwinden. Zuerst habe ich meine Hand da durchgehalten und als ich nicht direkt gestorben bin, den Oberarm. Ich habe einen Luftzug gesp¨¹rt. Dann konnte ich nicht mehr und hab versucht, nach drau?en zu schauen. Ich wei?, es ist schwer zu glauben und ich kann verstehen, dass ihr mich f¨¹r verr¨¹ckt haltet, aber so war es. Und es war wundersch?n. Es hat gedauert, bis sich meine Augen an das Licht gew?hnt hatten. Da drau?en gibt es braune S?ulen, die aus dem Boden ragen und an denen sind gr¨¹ne Punkte, die sich bewegt haben.¡± ¡°Meinst du etwa ¡®B?ume¡¯?¡± fragte Abdel ungl?ubig. Nein, das kann nicht. Die sind ausgestorben. Bis auf die Pflanzen, die wir hier unten anbauen, sind alle B?ume doch vernichtet worden.¡± ¡°Ja¡­ ja doch, wo du das sagst, sah es ?hnlich aus, wie das was wir im Unterricht gesehen haben. Das k?nnten wirklich B?ume gewesen sein. Sie haben geraschelt, vermutlich durch den Luftzug und sie haben ein Zirpger?usch gemacht, das man die ganze Zeit h?ren konnte. Sehr merkw¨¹rdig. Dar¨¹ber haben sie nie etwas gesagt. Nun ja, danach habe ich Schritte geh?rt, die immer n?her kamen. Ich habe Angst bekommen und bin zur¨¹ckgewichen, dann habe ich mich aber wieder getraut, zu schauen. Es war tats?chlich ein Mensch und er hatte nur ein Unterhemd, lange Unterhosen und merkw¨¹rdige blaue Stiefel an, die nur bis zum Kn?chel gingen. Kein Schutzanzug! Es k?nnte eine Frau gewesen sein. Es schien so, als w¨¹rde sie vor etwas weglaufen und ich bekam wieder Angst. Aber da kam nichts. ¡°Tss¡­¡± sagte Wes und lie? sich wieder in seine Koje fallen. ¡°Du hast mal wieder eine Fantasie.¡± ¡°Ich sage die Wahrheit. Es gibt da drau?en eine ganz andere Welt.¡± ¡°Dr. Jayan sagt, Fantasie und Rebellion sind das, was Menschen schwach und faul macht und was den Krieg ausgel?st hat.¡± meldete sich der ansonsten stille Oliver zu Wort. Die drei anderen schauten zu ihm. ¡°Die Menschen waren selbsts¨¹chtig und haben nur an das geglaubt was sie wollten. Nur Disziplin und Gehorsam k?nnen die¡­ ?hm¡­ Nur dadurch k?nnen Menschen¡­ also, in Harmonie leben und so.¡± ¡°Mit Harmonie kenne ich mich nicht aus, aber zumindest hat er Recht, dass es nicht gut ist, in einer Fantasie zu leben und blo? das zu glauben, was einem passt,¡± erwiderte Wes. Clera sah zunehmend w¨¹tender aus. Sie wusste, dass es hart werden w¨¹rde, die drei zu ¨¹berzeugen. ¡°Hei?t das, du willst lieber den Rest deines Lebens hier bleiben und dich Experimenten unterziehen, wenn es da drau?en eine andere Welt geben k?nnte, in der du frei sein w¨¹rdest?¡± ¡°Ich mag es hier auch nicht. Aber es ist nun mal so wie es ist. Es ist besser, das zu akzeptieren und nicht in irgendeiner weit hergeholten Fantasie zu leben so wie du mal wieder,¡± sagte Wes. ¡°Es ist keine Fantasie! Das Drau?en habe ich wirklich gesehen!¡± schrie Clera ihn an. Wes richtete sich erneut auf und blickte zu ihr nach unten. ¡°Selbst wenn das was du erz?hlst wahr sein sollte und das Drau?en wirklich so aussieht, wer sagt denn, dass das Licht nicht doch t?dlich ist und es nur etwas l?nger dauert? Was ist mit der Frau? Vielleicht lief sie ja doch vor etwas fort und du hast es nur nicht geh?rt.¡± ¡°Weil es keinen Sinn macht. Ihre Kleider waren total bunt.¡± ¡°Bunt? Ja und?¡± ¡°Na denk doch mal nach. Wenn ich in einer gef?hrlichen Welt mit allerlei mutierten Tieren und Robotern leben w¨¹rde, die dich t?ten wollen, w¨¹rde ich doch versuchen, nicht die Aufmerksamkeit mit bunten Farben auf mich zu ziehen. Ich w¨¹rde vielleicht eher erdfarbene Kleidung tragen. Au?erdem war sie nicht wirklich schnell oder in Panik.¡± ¡°Hm¡­ das macht nat¨¹rlich Sinn,¡± musste Wes zugeben. ¡°Nein, das was du da tust ist gef?hrlich,¡± sagte Oliver unsicher. ¡°Du spekulierst, das darf man nicht. D¡­ Das ist gegen die Ordnung und Disziplin.¡± ¡°Ach zur H?lle mit Ordnung und Disziplin!¡± sagte Clera energisch. Oliver erschrak, als er das h?rte. ¡°Ich will frei sein, ich will Sonnenlicht auf meiner Haut sp¨¹ren und Luft atmen, die nicht recycelt ist! Ich habe es satt hier.¡± ¡°Ich auch,¡± sagte Wes. Clera sah ihn verbl¨¹fft an. ¡°Aber ich glaube nicht, dass ein Ausbruch etwas ?ndern w¨¹rde, selbst wenn das Drau?en sicher sein sollte. Die fangen dich doch im Nu wieder ein. ¡°Nicht wenn wir leise sind und unser Verschwinden erst sp?t auffliegt.¡± ¡°Wenn du wirklich ausbrechen willst, versuch es ruhig. Wird dir eh nicht gelingen.¡± Clera seufzte entt?uscht. Auch wenn sie wusste, dass sie gegen W?nde sprechen w¨¹rde, hatte sie doch zumindest gehofft, sie ein bisschen ¨¹berzeugen zu k?nnen. ¡°Wie steht¡¯s mit dir, Abdel?¡± ¡°H?? ?hm¡­ ich wei? nicht¡­¡± antwortete er kleinlaut, ¡°Ich meine, wo tun wir denn drau?en unsere W?sche hin, wenn sie gebraucht ist?¡± ¡°Die W?sche? Du machst dir ja Gedanken. Was ist mit Essen? Essen kommt aus dem Fabrikator und w?chst nicht da drau?en einfach,¡± sagte Wes. ¡°Also echt, wenn du einen Ausbruch planen willst, musst du auch ein bisschen weiter denken.¡± ¡°Daran habe ich bereits gedacht. Die Sache ist die, wenn es da drau?en Menschen gibt, haben sie sicher auch etwas zu essen. Vielleicht k?nnen wir im Gegenzug zu Essen Jobs f¨¹r sie annehmen. So wie Nachmittagsdienst.¡± ¡°Hm, naja, das klingt immerhin besser als die Experimente,¡± murmelte Wes kaum h?rbar vor sich hin. ¡°Glaubst du, die m¨¹ssen keine Experimente machen?¡± fragte Abdel. ¡°Ich bin ¨¹berzeugt davon!¡± sagte Clera. Z?gernd fragte er, ¡°Aber glaubst du denn auch, dass sie drau?en auch Matschriegel haben?¡± ¡°Ich bin mir sicher, Abdel, dass sie drau?en noch etwas viel besseres haben als aus wiederverwertetem Eiwei? und St?rke gepresste Riegel.¡± ¡°Aber ich mag Matschriegel.¡± Auf diese Bemerkung w¨¹rgte Wes demonstrativ. Clera seufzte. ¡°Also sch?n. Wenn ihr wirklich hierbleiben wollt, tut was ihr wollt. Ich jedenfalls gehe. In etwa drei Stunden haben wir ein Zeitfenster, in dem die Wachen drau?en ihre Schicht wechseln. Ab dann bin ich weg.¡± ¡°Warte, du willst wirklich ganz alleine gehen?¡± fragte Abdel. ¡°Wenn¡¯s sein muss, ja!¡± sagte sie entschlossen. ¡°Du meinst das nicht ernst, oder?¡± fragte Wes, doch Cleras Blick verriet ihm bereits die Antwort. ¡°Naja, ohne dich ist es hier auch doof,¡± sagte Abdel. ¡°Wenn du nicht mehr hier bist, will ich auch nicht mehr hier bleiben.¡± ¡°Dein Ernst, Abdel?¡± fragte Wes ungl?ubig. ¡°Ihr habt echt einen an der Sch¨¹ssel.¡± ¡°Was ist? Bleibst du jetzt hier in diesem Loch oder kommst du mit?¡± fragte Clera. Er sprang vom Hochbett herunter. ¡°Du hast dir mal wieder was in den Kopf gesetzt, Clera. Ich hasse es, wenn das passiert, denn dann kriegst du es echt nie wieder raus. Bei dir ist das wie mit Essensresten, die einem zwischen den Z?hnen h?ngen bleiben.¡± ¡°Achso und ich bin eklig weil ich Matschriegel esse. Is klar!¡± erwiderte Abdel. Wes seufzte und sch¨¹ttelte den Kopf. ¡°Dann muss ich wohl mitkommen. Irgendeiner muss auf euch ja aufpassen, damit ihr nicht noch mehr Dummheiten macht.¡± Clera l?chelte voller Entschlossenheit. ¡°Na gut, dann w?rst da nur noch du, Oliver. Was ist?¡± Oliver schwieg wie immer. Sein Gesicht war jedoch gespr?chiger. Man sah es ihm an, dass er sich mit der Entscheidung schwertat. "Das ist aber¡­ gegen die Regeln. Wir d¨¹rfen nicht nach drau?en.¡± ¡°Die Regeln sind dazu da, uns einzusperren, Oliver. Und au?erdem wurden wir von der Schule angelogen. Warum sollten wir uns dann noch an ihre Regeln halten. Wir sollten lieber abhauen und herausfinden, was sie im Schilde f¨¹hren,¡± versuchte Clera ihm weiszumachen. Oliver begann fast zu schwitzen bei dem was Clera sagte. In seinem Kopf rotierten die Zahnr?der. ¡°Hm, ich sehe nicht, wieso sie das tun sollten. Ich meine, hat die Schule uns nicht immer etwas gutes gewollt? Wir haben Essen, Kleidung und Bildung. Au?erdem ist es unsere Pflicht als ¨¹berlebende, mit daran zu arbeiten ?h¡­ die Zivilisation wieder aufzubauen.¡± ¡°Dann h?tten sie kaum verschwiegen, dass es sicher ist, nach drau?en zu gehen,¡± erwiderte Clera. ¡°Falls es das ¨¹berhaupt ist,¡± warf Wes ein. Sie haute ihm auf die Schulter und sagte ihm mit ihrem Gesichtsausdruck, dass er ruhig sein solle. ¡°Hm¡­¡± er ¨¹berlegte weiter. ¡°Na gut, ich will zumindest wissen ob es wahr ist, was du sagst. Als Wissenschaftler muss man neue Thesen ¨¹berpr¨¹fen, bevor man sie als wahr akzeptieren kann.¡± ¡°Dann ist es beschlossen!¡± Clera l?chelte voller Zufriedenheit und Stolz auf sie selbst. ¡°Packt eure Sachen, aber nehmt nur mit, was ihr wirklich ben?tigt. Diesen Ort werden wir in ein paar Stunden nie mehr wiedersehen!¡±
Sp?ter, in etwa zu der Zeit, als die Ausgangssperre begann und die Schicht f¨¹r die Wachen wechselte, machten sich die vier Kinder auf. Die Korridore waren leer. Das wissenschaftliche Personal hatte seit etwa einer Stunde Feierabend. Um diese Zeit befanden sich die meisten im blauen Sektor, der vom Internatsteil abgetrennt war. Sch¨¹ler hatten dort keinen Zugang. Die vier haben das Innere des blauen Sektors dementsprechend noch nie gesehen, aber sie vermuteten, dass dort wahrscheinlich Wohn- und Freizeitr?ume f¨¹r die Doktoren waren. Die vier schlichen sich entlang der G?nge, Clera den anderen voran. Sie gingen vorsichtig, damit sie mit ihren Rucks?cken keinen L?rm verursachten. Ein letztes mal w¨¹rden sie diese Korridore und R?ume sehen, die ihnen allzu sehr vertraut waren. Vor einer Abzweigung stoppte Clera pl?tzlich. ¡°Verflixt! Was machen die denn noch hier?¡± fl¨¹sterte sie. Am Ende des Ganges gab es eine weitere Kreuzung, doch aus einem Raum im Gang rechts h?rte sie Stimmen. Die eine geh?rte Dr. Wang, der bei ihnen unter anderem Geschichte unterrichtete, die zweite konnte sie nicht zuordnen. ¡°Raum B-12, da m¨¹ssen wir hin. Aber es scheint so, als h?tten noch nicht alle Feierabend. Die machen wohl ¨¹berstunden,¡± sagte Clera. ¡°Ich gehe vor und schaue nach ob die Luft rein ist. Bleibt ihr hier, falls etwas passiert. Wenn die Doktoren hier entlang kommen, versteckt euch in diesem Raum hier.¡± Sie zeigte zu einem Raum hinter ihnen, dessen T¨¹r noch offen war. Vermutlich hat jemand vergessen, ihn zuzuschlie?en. Die drei anderen nickten und Clera schlich los. In etwa f¨¹nf Metern ab der Abzweigung befand sich der Raum. Sie sp?hte vorsichtig hinein und ersp?hte die wei?en Kittel zweier Doktoren, die den Ger?uschen nach zu urteilen scheinbar gerade ihre Unterlagen zusammenpackten und sofort losgehen wollten. Clera reagierte schnell. Rasch schlich sie zur¨¹ck zu den anderen und gab ihnen das Zeichen, sich zu verstecken. Clera verblieb an der Abzweigung und beobachtete die Doktoren. Gl¨¹cklicherweise bogen die beiden in die andere Richtung ab, als die von der sie gekommen sind. ¡°Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Ich denke, wir k?nnen so mit ihm fortfahren. Weitere Tests sollten nicht n?tig sein.¡± ¡°Ich hoffe die Kollegen in Mandschurien sehen das ?hnlich. Wenn sie wieder irgendwelche ?nderungen wollen¡­ Irgendwann gehen uns die Testsubjekte aus.¡± ¡°Versichern kann ich es nicht, aber das psychologische Profil der neuen Gruppe¡­¡± dann verstand man nichts mehr und die Stimmen der beiden wurden leiser. Als sie schlie?lich ganz verstummten, wagte Clera wieder einen Blick in den Gang. ¡°Die Luft ist rein!¡± fl¨¹sterte sie und die anderen drei folgten ihr in den Raum. Oliver z?gerte, bevor er den Raum betrat. ¡°Lasst mich hierbleiben, damit ich aufpassen kann. Falls sie etwas vergessen haben und zur¨¹ckkommen.¡± In seiner Stimme schwang Unsicherheit mit. Die drei nickten und Oliver positionierte sich im T¨¹rrahmen. Der schwach erleuchtete Gang war das einzige, was den Raum erhellte. ¡°Au!¡± rief Abdel, der mit einem Rolltisch zusammenprallte. ¡°Sei doch vorsichtig!¡± fl¨¹sterte Wes. ¡°Ist ja gut, aber ich sehe hier ¨¹berhaupt nichts.¡± ¡°Dann mach deine Leselampe an.¡± ¡°Welche Leselampe? Keiner von euch hat gesagt, dass wir Leselampen brauchen.¡± ¡°Och Abdel, dein Ernst?¡± sagte Wes. ¡°Naja, Clera meinte, drau?en sei es hell, also kann man ja auch ohne sie lesen. Wenn mir jemand gesagt h?tte, dass wir sie hierf¨¹r brauchen¡­¡± Wes rollte die Augen ohne dass man es in der Dunkelheit wahrgenommen h?tte. ¡°Wie hast du bessere Noten als ich¡­¡± Er seufzte. ¡°Sch?n. Dann nimm meine. Aber pass auf, dass du nicht aus Versehen noch in den Gang leuchtest. Wir d¨¹rfen nicht gesehen werden.¡± Clera rief leise von einer Ecke der Wand. ¡°Hier ist er! Hier in dieser Abstellkammer gibt es ein Wandpaneel, das sich abmontieren l?sst." Die beiden Kinder folgten ihr zu dem Ort, an dem sie damals den Schacht entdeckte. Sie forderte Wes auf, ihr zu helfen. Das Wandpaneel lie? sich leicht ausheben und enth¨¹llte die nackte Fels- und Betonwand dahinter. Der Spalt zwischen den Paneelen und der Wand war sehr schmal. Ein erwachsener Mann von schlanker Statur h?tte gerade so noch hindurchgepasst, allerdings mit gro?en Schwierigkeiten. Den Kindern fiel dies zum Gl¨¹ck etwas leichter. ¡°Bist du sicher, dass das hier richtig ist?¡± fragte Abdel. ¡°Er ist da, vertraut mir. Wir m¨¹ssen uns nur ein paar Meter durchquetschen, dann kommt der Tunnel schon.¡± Clera ging voran und schob sich durch den Zwischenraum. ¡°Hier! Genau wie vorher.¡± Clera kletterte in den sich etwa auf Brusth?he befindlichen Schacht und winkte im Anschluss Abdel, dass er als n?chstes kommen solle. ¡°Geh du lieber als erstes,¡± sagte dieser zu Wes, welcher resigniert anfing, sich mit seinem Rucksack voran durch den Zwischenraum zu bewegen. Abdel folgte ihm. Er selbst hatte mit seiner hageren Gestalt wenig Probleme, sich durch den Zwischenraum zu quetschen, allerdings passte sein Rucksack weniger gut durch. ¡°Was hast du alles eingepackt?¡± fragte ihn Wes, als er Abdel st?hnend und den Rucksack zwischen den W?nden schaben h?rte. ¡°Nur was ich wirklich ben?tige,¡± erwiderte er schnaufend. ¡°Wenn du stecken bleibst, ziehe ich dich nicht heraus. Tja, Hauptsache keine Lampe dabei. Immerhin war es eine gute Entscheidung, als erstes zu gehen¡­¡± sagte Wes. ¡°Seid ihr zwei mal etwas leiser!¡± fl¨¹sterte Clera scharf. Abdel erreichte den Tunnel schlie?lich und Wes half ihm und seinem Rucksack hoch. ¡°Kommst du, Olli?¡± fragte er. Es kam zuerst keine Antwort. ¡°Olli!¡± Er h?rte kurz danach, wie sich die T¨¹r leise schloss und sich jemand in ihre Richtung bewegte. Unter den dreien machte sich Anspannung breit. Dann sah Abdel jemanden vor dem Zwischenraum. Zum Gl¨¹ck war es dann doch Olli. Abdel atmete erleichtert auf. ¡°Tut mir leid. Ich habe euch nicht mehr geh?rt. Die T¨¹r ist zu.¡± ¡°Kommt jemand?¡± ¡°Nein¡­ hierher kommt keiner¡± sagte er mit angespanntem Gesichtsausdruck, den Abdel in der Dunkelheit aber nicht erkennen konnte. Die Situation, in der sich Oliver befand, schien ihn zu ¨¹berfordern. Unauthorized reproduction: this story has been taken without approval. Report sightings.¡°Ein Gl¨¹ck.¡± Oliver z?gerte. ¡°Also, was ist?¡± Oliver sah ihn einige Zeit mulmig an, aber dann nickte er und schloss zu ihnen auf. Der Tunnel schien eine Art Kabelschacht oder Bel¨¹ftungsschacht gewesen zu sein, denn Clera versp¨¹rte einen leichten Luftzug, der ihre Aufregung steigerte. Man sagte, diese Anlage sei fr¨¹her eine Mine gewesen, bevor sie zu einem Bunker wurde und einige alte Strukturen sind ¨¹berbaut worden, genau so wie diese, wie es scheint. Alle vier waren im Tunnel und bewegten sich dicht hintereinander mit ihren Rucks?cken vor ihnen hindurch. Der Schacht hatte eine leichte Neigung nach oben und er war breit genug um sich umzudrehen, aber er war nur so hoch, dass sie gerade mal auf allen Vieren hindurchkrabbeln konnten. F¨¹r den kleinen Abdel war das kein Problem, aber Wes, der der gr??te von ihnen war, hatte einige Schwierigkeiten. ¡°Und mir sagen, ich w¨¹rde stecken bleiben,¡± murmelte Abdel, woraufhin Wes leicht nach hinten trat, was aber nur Abdels Rucksack traf. ¡°Ey!¡± rief dieser. ¡°Kann ich doch nichts daf¨¹r, dass du zu dick hierf¨¹r bist.¡± ¡°Nenn mich noch einmal dick¡­ Aua!¡± rief er, als er sich den Kopf an der Tunneldecke stie?. ¡°Ruhe da hinten!¡± fauchte Clera. ¡°Wir m¨¹ssen leise sein! Wer weis, ob man uns durch die W?nde h?ren kann.¡± ¡°Wie weit ist es noch?¡± fragte Wes. ¡°Wir sind bald da. Ich sp¨¹re schon den Luftzug.¡± Nach ein paar weiteren Minuten Schmerzlauten von Wes, der noch einige blaue Flecken im Schacht sammelte, konnte Clera im Licht der Taschenlampe ein helles Rechteck ausmachen. ¡°Das ist er! Der Ausgang!¡± Voller Vorfreude legte Clera einen Zahn zu und erreichte als erstes das Rechteck. Dort angekommen drehte sie sich und sprang mit den F¨¹?en zuerst hinab. Sie stand in einem kleinen Raum, der wie es scheint eine zugemauerte T¨¹r?ffnung an der selben Wand hatte wie der Schacht, sowie eine richtige T¨¹r aus Metall an der gegen¨¹berliegenden Seite. Und tats?chlich war diese T¨¹r unten leicht verbogen und lie? etwas Licht hindurch. Aus irgendeinem Grund sah sie recht neu aus, abgesehen von der verbogenen Stelle. Das durchscheinende Licht war nicht so hell, wie beim letzten mal als Clera hier war, jedoch war sie nach wie vor davon fasziniert. Sie konnte nicht anders, als hindurchzuschauen. Hinter ihr h?rte sie Wes, Abdel und ihre Rucks?cke hinunterplumpsen. Abdel fiel dabei hin und tat sich weh, doch Clera achtete nicht darauf und war einfach nur von der T¨¹r fasziniert. Sie suchte nach einem Weg, sie zu ?ffnen. ¡°Komm, Olli¡± rief Wes ihm entgegen. Er traute sich nicht, nach unten zu springen. ¡°Ich weis nicht. Ich finde wir sollten lieber zur¨¹ckgehen, bevor sie uns finden.¡± ¡°Daf¨¹r ist es jetzt auch zu sp?t. Ich meine, schau dir mal an, wie wir aussehen. Wir w¨¹rden ziemlichen ?rger bekommen. Komm runter!¡± Oliver starrte die beiden mit einem sehr unwohlen Gef¨¹hl an. Doch nach einiger Zeit kletterte er sehr vorsichtig herunter. Er war nicht der d¨¹nnste und auch nicht der geschickteste und stellte sich dabei etwas unbeholfen an. Beinahe w?re er auch gest¨¹rzt, aber Wes und Abdel fingen ihn auf, bevor er kippte. Inzwischen versuchte Clera die T¨¹r an der unteren Stelle weiter zu verbiegen, aber das war vergebens. ¡°Mist!¡± sagte sie nach diesem Versuch eines Kraftaktes. ¡°Lass mich mal!¡± sagte Wes und versuchte dasselbe, aber auch ohne Erfolg. ¡°Nein, das bringt so nichts. Die T¨¹r ist zu fest um sie zu verbiegen¡±, sagte Clera. Abdel schaute sich um. ¡°Wartet, vielleicht k?nnen wir das hier benutzen!¡± Er zeigte auf eine Metallstange, die am Boden lag, die an einer Stelle gebogen war und am Ende in zwei abgeflachten Keilen endete. K?nnt ihr euch an den Physikunterricht erinnern? Mechanik?¡± ¡°Was willst du tun?¡± fragte Wes. ¡°Wir k?nnten diese Stange hier am Riegel ansetzen und dagegendr¨¹cken. Durch die Hebelwirkung k?nnten wir sie dann aufbrechen.¡± ¡°Na ob das funktionieren kann¡­ Aber gut, etwas anderes f?llt mir auch nicht ein,¡± sagte Wes. Sie setzten die Stange wie Abdel beschrieben hatte, an der Stelle zwischen T¨¹r und T¨¹rrahmen an, an der sich normalerweise der Riegel befindet. Clera, Wes und Abdel dr¨¹ckten dagegen. Auch wenn Wes der St?rkste der vier war, war es Clera, die am meisten Kraft beisteuerte. Oliver jedoch stand hinter ihnen und z?gerte. ¡°Ich weis nicht ob das eine gute Idee ist. Wir k?nnen doch nicht einfach Eigentum besch?digen. Was, wenn es doch Monster und solche Dinge da drau?en gibt oder wir von Strahlung get?tet werden und so¡­ Oder erwischt werden¡­¡± ¡°Komm schon, jetzt bist du hier, jetzt hilf uns auch, Olli!¡± sagte Wes z?hneknirschend. ¡°Hmm¡­¡± Er z?gerte. Ihm war das ganze zu viel, das sah man ihm an. Er schwitzte sehr stark, was nicht nur der vorherigen k?rperlichen Anstrengung geschuldet war. Er war nicht sonderlich gl¨¹cklich mit dem was er getan hatte. Allm?hlich gab er dann aber doch nach und stellte sich neben die anderen drei, die ihre ganze k?rperliche Kraft einsetzten. ¡°Okay. Versuchen wir es noch einmal,¡± sagte Clera. ¡°Auf drei.¡± Alle zusammen riefen ¡°Eins¡­ zwei¡­ drei!¡± und pressten mit ihrer ganzen Kraft gegen die Stange. Die T¨¹r schien sich leicht zu bewegen und sie lie? mehr Licht durch den Spalt. ¡°Wir haben es fast. Nochmal auf drei,¡± rief Clera. ¡°Eins¡­ zwei¡­ drei!¡± Erneut dr¨¹ckten sie mit aller Kraft dagegen und schlie?lich Zack! Die T¨¹r brach auf und die vier schnellten nach vorn, als die Stange nachgab. Der Raum wurde von Licht durchflutet. Sie waren diese Helligkeit nicht gewohnt und wurden geblendet. Clera war die erste, die hinausging, z?gernd gefolgt von Wes und Abdel. Sie konnte es kaum glauben. Sie war drau?en. Frei! Zum allerersten mal in ihrem Leben. Zuerst machte ihr das warme Licht auf ihrer Haut etwas Angst, aber es f¨¹hlte sich wundervoll an. Sie dachte kaum mehr, dass dies t?dliche Strahlung sein konnte. Das Licht und der warme Sommerwind umgarnten ihre Haut. Als sich ihre Augen langsam an das Licht gew?hnten und sie etwas mehr sehen konnte, sah sie etwas gr¨¹nes unter ihnen. Lange Bl?tter, die aus der Erde kamen, so gr¨¹n, wie die geleeartigen Mahlzeiten am Mittwoch in der Cafeteria. Gras? Ja! Ja, das war wohl dieses Gras. Und ¨¹ber ihnen bewegte sich ebenfalls etwas Gr¨¹nes, gest¨¹tzt von braunen sich gabelnden S?ulen. Das mussten diese B?ume sein. Und dar¨¹ber eine leuchtend blaue Decke. War das der Himmel? Ihr machten die sich im Wind wiegenden Baumkronen etwas Angst, aber die Angst verlor im Kampf gegen die Neugier. Sie standen auf einer Art Gang..? nein¡­ einem Weg mit einem Boden aus Split und Schotter, eingerahmt von W?nden aus Erde und Fels, sowie diesen B?umen. Und gigantisch waren sie. Dies konnte nur ein Traum sein, aber nein, es war Wirklichkeit. Sie sah Wes und Abdel an, die ihre neue Umgebung in ?hnlicher Faszination betrachteten und dann konnte sie nicht mehr anders. Clera verfiel in Lachen und in Tr?nen. Die beiden Jungen ¨¹berkam ebenfalls eine Euphorie. Wes umarmte das Gras auf dem Boden. Clera drehte sich im Kreis und sprang in die Luft, zum ersten mal nicht von einer Decke eingeengt, und Abdel blieb einfach nur stehen, den Kopf nach oben gerichtet und lie? alles in sich aufnehmen. Nur Oliver kam nicht heraus, sondern blieb im Schatten des Vorraumes. ¡°Kommt zur¨¹ck!¡± rief er leise, doch niemand schien ihn zu h?ren. ¡°Kommt bitte zur¨¹ck und lasst uns wieder auf unser Zimmer gehen. Ich mag das hier nicht. Was ist, wenn ihr euch doch schadet.¡± Ohnm?chtig sah er zu, wie sich die anderen drei nicht um ihre Sicherheit scherten und laut lachten, ohne dabei zu bedenken, welchen schrecklichen Fehler sie machten. ¡°Komm raus, Olli! Es ist super hier drau?en. Der Wind ist super! Alles ist einfach nur super!¡± rief ihm Clera lachend zu und h?rte dabei nicht auf, sich im Kreis zu drehen, bis sie vor Schwindel ins Gras fiel. Doch Oliver ging nicht nach drau?en. Nach einigen Minuten von euphorischem Toben h?rte Oliver etwas anderes neben dem Wind und seinen lachenden Freunden. Zuerst war es nur kaum wahrnehmbar, doch es wurde immer lauter. War das¡­ ¡°Leute, kommt jetzt endlich rein! Sonst werden wir geschnappt!¡± ¡°Was meinst du? Woher sollten sie denn wissen, wo wir sind? Hier ist nirgends ein Wachturm oder ?hnliches¡± sagte Abdel. ¡°Oder meinst du, das mit den Monstern sei immer noch real?¡± Die Ger?usche wurden lauter. Ein Dr?hnen, mehrere aufeinander folgende Trittger?usche und¡­ war das Hundegebell? ¡°Jetzt kommt endlich wieder rein! H?rt ihr das nicht?¡± Die anderen h?rten es. Ihre Euphorie h?rte abrupt auf und sie blieben still stehen. Nun war es ziemlich deutlich. Es waren Menschen, die scheinbar in ziemlicher Aufregung waren und Hunde. K?mpften sie gegen die Hunde? Es wurde immer lauter. Es h?rte sich f¨¹r die Kinder hier drau?en merkw¨¹rdig an, ganz anders als in den gewohnten G?ngen der Schule. Dumpfer, und viel bedrohlicher. Oliver rief den dreien zu, aber sie waren wie gebannt. Wes sah den ersten der Menschen. Ein Mann in schwerer Schutzkleidung, dicht gefolgt von einem anderen, der einen wilden Hund an einer Leine trug. Der erste rief den anderen etwas zu, doch Wes verstand nicht, was. Er drehte sich um. Hinter ihnen am anderen Ende des Weges ebenfalls Leute in Schutzkleidung mit Hunden. Sie waren umzingelt! Wes schaltete. Er versuchte Abdel, der noch starr war vor Schreck, mitzunehmen und weckte ihn aus seiner Starre. Die beiden versuchten, zur T¨¹r zur¨¹ckzuschnellen. Oliver stand starr im T¨¹rrahmen. Clera jedoch r¨¹hrte sich nicht. Einer der M?nner kam mit gezogener Waffe auf sie zu. Er packte sie und dr¨¹ckte sie unsanft zu Boden. Zum Gl¨¹ck war das Gras sehr weich, aber sie sp¨¹rte den Aufprall ohnehin kaum. Gleiches geschah mit Wes und Abdel. Oliver konnte nur zusehen, wie seine Freunde von den Leuten in Schutzkleidung ¨¹berw?ltigt und immobilisiert wurden. Er wollte wegrennen, aber daf¨¹r war es jetzt auch zu sp?t. Wes, Abdel und Clera wurden gefesselt und am Boden gehalten. Drei weitere der Menschen umstellten die T¨¹r zum Vorraum und richteten ihre Waffen auf Oliver. Er begann fast zu weinen. Er h?rte, wie ein anderer den Soldaten oder was auch immer sie waren, einen Befehl gab, das Feuer einzustellen. Die M?nner nahmen ihre Waffen zur¨¹ck und die Person, die den Befehl gab, kam nun auf ihn zu. ¡°Es ist okay,¡± sagte sie beschwichtigend und kniete sich vor Oliver hin. Ihm war die Stimme bekannt. Im Schutzanzug war Dr. Jayan. ¡°Das hast du sehr gut gemacht,¡± sagte der Doktor und klopfte ihm auf die Schulter. Auf diese Distanz konnte Oliver sein Gesicht im Helm sehen, welches ihn zufrieden anl?chelte. Wes, der auf dem Boden gehalten wurde und sich vor Schmerzen kr¨¹mmte, verwirrte dies. ¡°Was meinen Sie? Was hat er gut gemacht?¡± Der Doktor drehte sich kurz zu ihm und wieder zur¨¹ck, gab ihm aber keine Antwort. ¡°Oliver¡­¡± r?chelte Wes. ¡°Oliver, was meint er? Erkl?r mir gef?lligst, was hier abgeht!¡± ¡°Es tut mir leid¡­¡± erwiderte Oliver den Tr?nen nahe. ¡°Nein¡­ nein, das kann nicht! Oliver, sag mir, dass das nicht wahr ist.¡± Oliver schwieg. ¡°Nun, wir sollten schleunigst wieder rein. Ohne Schutzkleidung hier drau?en zu sein¡­¡± sagte Dr. Jayan und schaute Oliver dabei intensiv an, ¡°¡­ ist sch?dlich.¡± Er stand auf und wandte sich zu den anderen M?nnern. ¡°Die drei kommen sofort in die Dekontamination. Er hier allerdings kommt mit mir.¡± Die drei gefangenen Kinder wurden in vorfahrende Fahrzeuge geladen, w?hrend Oliver und Dr. Jayan daneben standen und zuschauten. ¡°WICHSER!¡± stie? Wes gequ?lt hervor, bevor er verladen wurde. ¡°Warum, Oliver?¡± fragte ihn Abdel mit tr?nenden Augen. Clera hingegen sagte nichts, sondern starrte ihn nur mit leerem Gesichtsausdruck an. Nachdem auch sie aufgeladen wurde, fuhr der Wagen mit ihnen fort.
Der Arzt f¨¹hrte eine letzte Untersuchung an Oliver durch. Er sagte, dass diese dazu diente, weil er ja drau?en war und es dort gef?hrlich ist. Allerdings war er nicht ganz drau?en gewesen und deswegen hatte er keine Sch?den davongetragen. Die Bildschirme zeigten Graphen, wie zum Beispiel ein EKG, den Puls und Blutdruck, sowie Werte verschiedener Stoffe in seinem Blut. Der Arzt klopfte ihm auf die Schulter und sagte ihm, dass er gesund und munter sei. Aber Oliver f¨¹hlte sich nicht so. Er f¨¹hlte etwas, was nicht auf einem EKG oder EEG dargestellt werden konnte. Nun, wenn der Arzt aber sagt, alles sei in Ordnung mit ihm, dann wird auch alles in Ordnung sein. Im Nebenraum befand sich Dr. Jayan und unterhielt sich mit Dr. Wang. Oliver konnte halb verstehen, worum es ging und er vermutete, dass es mit dem Vorfall zu tun hatte. Nachdem der Arzt das Zimmer verlie?, stand Oliver von der Liege auf und ging zum Nebenzimmer, wo sich die beiden Doktoren unterhielten. Dr. Jayan erblickte den Jungen und das Gespr?ch pausierte. ¡°?hm¡­ tut mir leid, ich wollte sie nicht st?ren, Doktor.¡± Dr. Jayan l?chelte. ¡°Ist schon gut. Wenn Sie uns f¨¹r einen Moment entschuldigen w¨¹rden?¡± sagte er zu Dr. Wang, welcher nickte und daraufhin das Zimmer verlie?. ¡°Ich hoffe du konntest dich von dem Schock erholen. Der Arzt hat mir bereits alles mitgeteilt. Du hast keine Sch?den davongetragen.¡± Etwas in Oliver bezweifelte das was er sagte. ¡°Wie dem auch sei, was gibt es?¡± sprach er sanft zu ihm. ¡°Doktor¡­ Das drau?en, ist es wirklich so gef?hrlich? Es sah eigentlich ganz sch?n und friedlich aus.¡± ¡°Oh, absolut! Es ist sehr gef?hrlich, auch wenn es nicht den Anschein hat. Du hast ja schon gelernt was Strahlung ist, oder?¡± ¡°?hm, ja.¡± ¡°Dann wei?t du, dass man die meisten Arten von Strahlung nicht sehen kann. Und drau?en ist sie ¨¹berall. Eine geringe Dosis davon ist noch nicht t?dlich, aber ein zu langer Aufenthalt in einem verstrahlten Gebiet kann bleibende Sch?den hinterlassen.¡± ¡°Ja, das habe ich gelernt.¡± ¡°Es ist gut, dass du nicht aus dem Raum gegangen bist. Ansonsten w?rst du auch noch verstrahlt worden. Und das Gift, was sich im Boden befindet, h?tte dich zus?tzlich gesch?digt.¡± Oliver schwieg f¨¹r einen Moment, bevor er weiterredete. ¡°Im Unterricht haben wir gelernt, dass man Thesen ¨¹berpr¨¹fen muss. Wenn die These also ist, dass es da drau?en nicht gef?hrlich ist und es tats?chlich keine¡­¡± ¡°Du darfst niemals daran zweifeln, was eine Autorit?tsperson dir sagt!¡± sagte Dr. Jayan und versch?rfte seinen Ton mit ihm, woraufhin Oliver erschrak. Dann l?chelte er und sprach wieder ruhiger. ¡°Eine ¨¹berpr¨¹fung der These ist nicht notwendig, da sie bereits mehrfach von uns getestet wurde. Mit positivem Ergebnis. Und dem Urteil der Erwachsenen musst du vertrauen, zu deiner eigenen Sicherheit. Hast du verstanden? Es selbst zu testen w?re zu gef?hrlich.¡± sagte er in seinem ¨¹blichen sanften Ton. Der Doktor musterte Oliver. ¡°Dieses M?dchen hat dir Flausen in den Kopf gesetzt. Das ist nicht gut.¡± versuchte er ihm einzureden. ¡°Das h?tte sehr schief laufen k?nnen. Zum Gl¨¹ck waren wir in der N?he. Wenn du nicht pflichtbewusst gehandelt h?ttest und uns nicht kurz zuvor Bescheid gesagt h?ttest, dann w?re vermutlich noch etwas viel Schlimmeres passiert. Deswegen sehe ich bei dir f¨¹r dieses mal von einer Strafe ab.¡± Oliver sah schweigend zu Boden und fragte leise, ¡°Wo sind meine Freunde jetzt?¡± Der Doktor beugte sich leicht zu ihm und legte die Hand auf seine Schulter. ¡°Deine Klassenkameraden sind in Sicherheit. Sei unbesorgt. Sie waren einige Minuten in Kontakt mit den Giften und der Strahlung der Oberfl?che und ihre Gesundheit hat darunter gelitten. Sie werden aktuell behandelt, aber sie werden einige Zeit noch in Quarant?ne verbringen m¨¹ssen. Allerdings sind sie stabil und werden wieder gesund.¡± Etwas in Oliver sagte ihm, dass das nicht stimmte. Es sagte ihm, dass er seine Freunde vielleicht nie mehr wiedersehen w¨¹rde. Vielleicht¡­ nein! Das durfte er nicht denken. Wenn der Doktor sagte, sie w?ren in Sicherheit, dann muss es stimmen. Er war eine Autorit?tsperson. Etwas anderes zu denken, als das was er sagt, war verboten. ¡°Kann ich sie vielleicht besuchen?¡± fragte Oliver sch¨¹chtern. ¡°Im Moment ist dies nicht m?glich, zu deiner eigenen Sicherheit.¡± Der Doktor l?chelte ihn an. ¡°So, Jetzt aber ab unter die Dusche und dann machst du dich zur¨¹ck in den Schlafsaal. Das war viel Aufregung f¨¹r einen Tag. Versuch noch ein bisschen Schlaf zu bekommen. Morgen hast du immerhin Unterricht.¡± Oliver nickte und stand auf. Als er zum Ausgang ging, schaute er noch einmal z?gernd zu Dr. Jayan, der ihn gar nicht mehr beachtete, sondern dabei war, seine Papiere einzusammeln. Dann drehte er sich um und ging zur¨¹ck zum Schlafsaal. Dr. Wang kreuzte seinen Weg auf dem Flur, als er mit zwei Tassen Kaffee wieder in das Zimmer kam. Er blickte dem Jungen hinterher. ¡°Ich muss zugeben, das ist wirklich ein vielversprechendes Exemplar, Jayan.¡± sagte er zu ihm. ¡°Ich bin mir sehr sicher, dass die Mandschurier viel mit ihm anfangen k?nnen. Er ist begabt und sehr gehorsam. Wenn wir ihn noch etwas brechen, werden die Auftraggeber h?chst zufrieden mit unserer Arbeit sein. Sie k?nnen wirklich stolz sein auf das was Sie hier geleistet haben.¡± Jayan sah jedoch alles andere als das aus. Er blickte mit einer Mischung aus Sorge und Frustration auf den nun leeren T¨¹rrahmen. ¡°Wenn Sie sich da sicher sind¡­¡± ¡°Was? Haben Sie Zweifel?¡± Jayan seufzte. ¡°Etwas sagt mir, dass wir uns bei ihm noch nicht so sicher sein sollten.¡± ¡°Hm, also die Instigatorin war jedenfalls ziemlich stark dieses mal. Ich denke auch, man sollte ein Auge auf dem Jungen behalten, aber auf mich macht er nicht den Eindruck, als w?re noch Rebellion in ihm. Bei den bisher durchgef¨¹hrten Experimenten war es so gut wie immer so, dass die Petze f¨¹r den Rest ihres Lebens gehorsam war. Nur selten kam es danach zu Zwischenf?llen und die konnten immer gut ausgeb¨¹gelt werden.¡± ¡°Genau das ist es ja, was mich bek¨¹mmert. Jedes mal ist es genau dasselbe. Jedes einzelne mal. Irgendwie w¨¹nschte ich, es w?re nicht so.¡± Wang sah lachend zu ihm. ¡°Haben Sie etwa immer noch die naive Hoffnung, dass ein letzter Funke Rebellion ihn dazu bringen wird, heroisch f¨¹r altmodische Dinge wie Freiheit und Gerechtigkeit zu k?mpfen? Lassen Sie mich jetzt nicht an Ihnen zweifeln.¡± Jayan sah Wang scharf an. ¡°Welche Hoffnungen ich habe, sollte Sie nicht k¨¹mmern.¡± ¡°Schon gut. H?tte nie gedacht, dass jemand wie Sie noch an sowas Albernes glaubt. Oder weckt der Junge wom?glich v?terliche Gef¨¹hle in Ihnen?¡± ¡°Dr. Wang, ich rate Ihnen, sich besser zur¨¹ckzuhalten. Wenn Sie sich weiter ¨¹ber Ihren Vorgesetzten lustig machen, veranlasse ich, dass Sie statt dem Jungen an die Mandschurier verkauft werden. Haben Sie mich verstanden?¡± Wangs Heiterkeit verflog. F¨¹r einige Sekunden starrte er Jayan an und schluckte seine Worte herunter. Dann nickte er und entschuldigte sich. ¡°Gut,¡± sagte Jayan. Sein L?cheln war wie so oft kalt und ohne Wohlwollen. ¡°Eine Autorit?tsperson hat immer Recht, verstehen Sie?¡± Wang nickte. Jayan sagte dies mit einer Mischung aus Ernst und einer ?hnlichen Sanftheit, wie die die er Oliver vor einigen Minuten gezeigt hat. Und dies lie? Wang erschaudern. ¡°R?umen Sie hier auf und machen Sie dann Feierabend,¡± sagte Jayan, w?hrend er seine Mappen zusammenpackte. Dann nahm er sie sowie seine Tasse Kaffee und lie? Dr. Wang in dem Raum allein.