《Elyons Erben Kurzgeschichten (German)》 1.1 Demians Zerfall Schwei? tropfte von Demians Nasenspitze auf den Boden. Mehlstaub klebte auf seinem Gesicht und wann immer er leicht mit der Zunge ¨¹ber die Lippen fuhr, schmeckte es teigig. Er hatte die riesige Ansammlung an Mehls?cken vor ihm schon dreimal gez?hlt und immer war die gleiche Zahl herausgekommen, doch er wollte nur noch einmal nachz?hlen, ehe er die Zahl auf den Notizzettel aufschrieb. Schlie?lich war das br?unliche Papier teuer. Die angelehnte T¨¹r der Scheune, in der Demian stand, wurde zur Seite geschlagen und goldenes Abendlicht schien ihm entgegen. ?Was machst du hier noch? Es ist Feierabend!?, rief Calin. Die Stimme des jungen Manns war so laut, dass Demians Ohren dr?hnten. Er musste sich noch an den L?rmpegel gew?hnen, mit dem sich sein Freund durch die Welt bewegte. ?Ich will noch kurz fertig z?hlen?, sagte Demian und wandte sich wieder den Mehls?cken zu. Calin stampfte auf ihn zu und warf seinen braunen Arm um die Schulter, mit so viel Schwung, dass Demian seine Schultern gegen das Gewicht lehnen musste, um nicht nach unten gedr¨¹ckt zu werden. ?Du hast die Mehls?cke bereits hundertmal gez?hlt. Ich kenne dich doch. Schreib die Zahl auf und lass uns unseren Lohn holen gehen. Ich schmecke schon meinen Feierabendgrog!? ?Aber ich will noch sichergehen-? Calin dr¨¹ckte seine schwei?gebadete Wange an Demians und begann mit seiner Hand durch seine blonden Haare zu fahren. ?Selbst v?llig verschwitzt ist dein K¨¹kenflaum so weich!?, rief Calin. ?Argh! Lass mich los! Mir ist schon hei? genug!? Demian versuchte sich von ihm zu l?sen, doch Calins Griff war eisern. Demian kritzelte die Zahl auf den Notizblock und hielt das Papier unter seiner Nase. ?Hier! Bittesch?n! Jetzt kannst du mich loslassen!? Calins Lachen hallte durch die Scheune, doch sein Arm blieb auf Demians Schultern und zog ihn mit sich nach drau?en. Demian konnte sich ein L?cheln nicht verkneifen, als sie auf den sengenden Boden des Hofs traten. Nachdem er vor einem Jahr von einem Drachen gebissen worden war, h?tte Demian es sich nicht ausmalen k?nnen, dass er irgendwann mal wieder mit Freunden lachen und herumalbern w¨¹rde. Dass er sich in einer Stadt niederlassen w¨¹rde, statt drau?en in der Wildnis um sein ¨¹berleben zu k?mpfen. Dass er Menschen begegnen w¨¹rde, die ihm halfen, obwohl er ein Drache war. Demian und Calin stellten sich zu den anderen jungen M?nnern im Hof, die auf ihren Lohn warteten. Jeder von ihnen trug den scharfen Geruch des Fluchs an sich, der sie in Drachen verwandelt hatte. Novak kam gerade aus seinem Haus geschlendert. Er war ihr Arbeitgeber und ein H?ndler f¨¹r Getreide und Gew¨¹rze. Er wusste, dass alle seine zehn jungen Mitarbeiter verflucht waren. Ein Knoten bildete sich in seinem Hals, als er Novaks warmen Blick begegnete. Demian hatte seinen Sohn leider nie kennengelernt, doch die anderen hatten ihm erz?hlt, dass auch er von dem Fluch befallen war und nun als wilder Drache in den W?ldern au?erhalb der Stadt lebte. Wie alle anderen hatte der Sohn nach sieben Jahren seine menschliche Gestalt und seinen Verstand verloren. ?Gute Arbeit, M?nner. Wir haben die Ware verladen, morgen geht''s dann weiter mit den Lieferungen.? Novak band den Beutel an seinem G¨¹rtel auf und begann ihren t?glichen Lohn zu verteilen. Demian streckte seine Hand aus und er konnte den Blick nicht von den silbernen M¨¹nzen l?sen, die Novak in seine Hand legte. Manchmal war es immer noch schwer zu glauben, dass er seit fast einem halben Jahr in Siegenshafen leben und arbeiten durfte. Dass einige Einwohner der gr??ten Hafenstadt des Kaiserreiches Mitgef¨¹hl f¨¹r Drachen hatten. Ihnen heimlich Obhut und Arbeit gaben. Mit ihnen lebten, als w?ren sie nur Menschen und keine Ungeheuer. ?Sch?nen Feierabend!?, rief Novak gut gelaunt und dr¨¹ckte jedem die Hand, ehe sie durch das Tor gingen, auf die breite Handelsstra?e. zu ?Kommst du mit??, fragte Calin, der sich, zusammen mit den anderen, langsam auf eine kleine Seitengasse zubewegte, in der ihre Lieblingskneipe lag. ?Nein! Heute nicht, schon vergessen?? Demian presste die Lippen zusammen, um sein Grinsen zu verstecken. Calin und die anderen jungen M?nner stie?en laute, emp?rte Rufe aus, doch l?chelten ihn w?hrenddessen an, da sie wussten, wer heute in Siegenshafen angekommen war. Demian winkte ihnen zum Abschied, dann lief er an den anderen Lagerr?umen und H?fen vorbei, die dieses Stadtviertel ausmachten. Noch waren die Stra?en leer und er konnte geradewegs nach Hause laufen, ohne dass er von Menschenmassen aufgehalten wurde. Er bog nach rechts, in eine kleine Seitenstra?e hinein, wo braune und gelbe H?user eng beieinander standen. Demian lief zu dem breitesten Haus hin, in dem er sich ein Zimmer gemietet hatte. Wie immer sa? Dinara, die Besitzerin, direkt neben der rot gestrichenen T¨¹r auf einem niedrigen Hocker und kn¨¹pfte ein Fischernetz. Ein Strohhut bedeckte ihre Augen, doch als er n?her trat, hob sie den Kopf und ihr braunes, faltiges Gesicht leuchtete auf. ?Ah! Unser Goldjunge! Anstrengender Tag, was? Vor allem, weil es so hei? ist. Aber es freut mich zu sehen, dass selbst diese Hitze dein L?cheln nicht kleinkriegen kann.? Dinara legte ihr Netz zur Seite und hob ihre H?nde, w?hrend Demian sich zur ihr hinunterbeugte um ihr einen Kuss auf die weiche, faltige Wange zu geben. Die alte Dame t?tschelte seinen Kopf und ihre Augen funkelten, als h?tte sie einen Kuss ihres eigenen Sohns bekommen. Der Sohn, der ebenfalls vom Fluch ¨¹bernommen worden war und seit Jahren seine Heimat verlassen hatte. Ihr einziges Kind. ?Danke, Dinara. Selbst nach einem halben Jahr in dieser Stadt schwitze ich bei der kleinsten Hitze ganze Wasserf?lle.? ?Dein Gesicht ist auch ganz rot.? Vorsichtig strich sie mit den Fingern ¨¹ber seine brennende Haut. ?Nimm dir etwas von der Salbe aus der K¨¹che, um das Brennen zu lindern. Und vergiss nicht, das n?chste Mal einen Hut aufzusetzen.? Demian nickte und wollte gerade die Haust¨¹r aufmachen, als Dinara ihre Hand auf seinen Arm legte. ?Ach ja, heute bist du mit Krautsammeln dran. Ich habe die K?rbe bereits vor deiner T¨¹r hingestellt.? Dinara verdiente ihr Geld, neben dem Vermieten ihrer Zimmer und dem Kn¨¹pfen von Fischernetzen, auch mit ihren Salben und Tinkturen, die sie herstellte. Sein Herz zog sich immer zusammen, wenn er die alte Dame vor irgendeiner Arbeit gebeugt sah. Doch die anderen Hauseinwohner hatten ihm versichert, dass Dinara gerne besch?ftigt war. Sie nahm nur Mieter an, die von dem Fluch betroffen waren und gab ihnen die Zimmer f¨¹r einen sehr g¨¹nstigen Preis. ?Mach ich?, sagte Demian und dr¨¹ckte die kleine Frauenhand. Dann trat er schnell ins Haus und durchquerte den Gang, bis er vor der schweren Holzt¨¹r anhielt, die hinaus in den Hof f¨¹hrte. Dieser wurde von den umliegenden H?usern geteilt, da dort ein gro?er Ziehbrunnen stand. Demian schnappte sich ein Leinenhandtuch, das in einem Holzregal unter den Treppenstufen stand, und horchte kurz in das Haus hinein. ?Hey! Mach, dass du endlich da rauskommst! Andere wollen sich auch waschen!?, rief eine M?nnerstimme, die lauthals von f¨¹nf weiteren in ihrer Beschwerde bekr?ftigt wurde. Demian hatte damit gerechnet, dass das Waschzimmer neben der K¨¹che belegt sein w¨¹rde. Und er wollte nicht warten. Konnte nicht warten. Also ging er hinaus in den Hof, um sich einer kurzen Katzenw?sche am Brunnen zu unterziehen, danach kehrte er zur¨¹ck ins Haus und hastete die knarzenden Treppen hinauf in den ersten Stock, wo sich seine kleine Kammer befand. Die Decke reichte ihm knapp ¨¹ber dem Kopf und er hatte durch das Bett und die Truhe, die dort standen, gerade noch ein wenig Platz um sich umzudrehen. The tale has been illicitly lifted; should you spot it on Amazon, report the violation. Schnell zog er frische Kleidung aus der Truhe heraus, schl¨¹pfte in seine Stiefel und band sich einen braunen Umhang um die Schultern. Er erlaubte es sich noch die blonden, schulterlangen Haare glattzustreichen und sein Deckhaar hochzubinden, ehe er nach den K?rben griff, die Dinara erw?hnt hatte. Dann sauste er aus dem Haus. ?Bis sp?ter, mein Junge, bleib nicht zu lange weg!?, rief Dinara ihm hinterher. Nun waren die Stra?en gef¨¹llt mit Arbeitern, die auf ihrem Weg nach Hause, oder zu den ?ffentlichen Pl?tzen, oder in die Kneipen waren. M?nner, Frauen, Junge und Alte. Von blasser Haut und hellen Haaren bis zu dunkelbrauner Haut und schwarzen Haaren, war die Vielfalt der Menschen so gro? in Siegenshafen, dass selbst Demian nicht auffiel, obwohl die hellen Haare und Haut eher selten im S¨¹den des Landes vorkamen. Als er ein weites St¨¹ck gelaufen war und von der Hauptstra?e einen freien Ausblick auf den ganzen s¨¹dlichen Teil der Stadt hatte, suchte Demian den Hafen nach Schiffen ab. Mehrere Schiffe aus dem s¨¹dlichen Kontinent hatten angeheuert und Demian bildete sich ein, die s¨¹?en und scharfen Gew¨¹rze in der Luft zu riechen, die sie mitgebracht hatten. Als er ein Schiff mit einem riesigen Sonnenwappen auf seinem Segel entdeckte, grinste er kurz, dann lief er weiter die Stra?e hinauf, auf die n?rdliche Mauer zu. Mehrere Bauern und Knechte bewegen sich durch das Stadttor, vorbei an den sechs Wachen, die dort postiert waren und die Zollmarken der Passanten ¨¹berpr¨¹ften. Er kannte zwei der Wachen. Auch sie str?mten den scharfen Fluchgeruch aus. Die beiden M?nner fingen seinen Blick auf und nickten ihm zu, sobald Demian am Tor ankam. Er huschte an ihnen vorbei und verlie? die Landstra?e, um in den Wald zu tauchen, der direkt hinter der Mauer lag. Dinara schickte jeden ihrer Mieter in den Wald. Das Kr?utersammeln war nur ein Vorwand. Sie wusste, dass kein Drache die ganze Zeit in seiner menschlichen Form bleiben konnte. Sie mussten sich regelm??ig verwandeln, oder der Fluch w¨¹rde sie unvorhergesehen dazu zwingen. Und nicht alle in Siegenshafen waren den Drachen freundlich gesinnt. Doch an diesem Abend war die Verwandlung nicht sein Hauptziel. Ein Stich, der gleichzeitig schmerzte und ihn in freudiger Erwartung versetzte, trieb Demian immer tiefer in den Wald hinein. Er lief dem Geruch des Meeres nach, das mit jedem Schritt n?her kam. Schon bald mischte sich unter dem sanften Bl?tterrascheln, ein anschwellendes Rauschen und sein Herz schlug schneller. Schlie?lich sprang Demian aus dem Wald heraus und rannte den Abhang hinunter, der in einen hellen Sandstrand ¨¹berging. Sein Herz drohte, ihm aus dem Hals zu springen, w?hrend er das Meer absuchte. Da tauchte eine Silhouette aus dem Wasser. Ein feiner, l?nglicher Kopf zeichnete sich vor dem Abendhimmel ab, der die nasse Haut des Wasserdrachens r?tlich schimmern lie?. ?Cora!? Demian warf die K?rbe in den Sand, gefolgt von seinen Stiefeln und rannte ins Meer hinein. Sein K?rper war so erhitzt, dass er nicht einmal die K?lte des Wassers bemerkte. Cora stellte ihren grauen R¨¹ckenkamm auf, der ihr von der Stirn bis zur Schulter reichte, dann tauchte sie zur¨¹ck ins Wasser, um im n?chsten Augenblick wieder durch das Wasser zu brechen, keine zehn Schritte von ihm entfernt. Cora robbte sich im seichten Wasser voran und auch wenn sie kein Wort sagte, keinen freudigen Laut von sich gab, die funkelnden Augen, die sich nicht von seinen l?sten und ihre gehetzten Bewegungen brachten sein Herz zum Schwellen. Er streckte die Arme aus. Es f¨¹hlte sich wie eine Ewigkeit an, bis der schlanke Kopf endlich an seiner Brust lag. Endlich! Endlich durfte er sie sehen, sie h?ren, sie ber¨¹hren. Er schlang seine Arme so fest um Coras Kopf, als wollte er in ihr hinein tauchen. Er schaffte es gerade noch, das Zittern in seinen Armen zu unterdr¨¹cken, doch nicht das Brennen seiner Augen. ?Weinst du etwa??, fragte Cora und gluckste. Demian riss sich von ihr los und wischte sich das Gesicht mit dem mit Meerwasser durchn?ssten ?rmel, wodurch seine Augen noch mehr brannten. ?Nein! Das ist nur Salzwasser.? Cora funkelte ihn mit goldbraunen Augen an. ?Als k?nntest du mich anl¨¹gen.? Sie stupste ihn spielerisch an, dann rieb sie ihren Kopf an seiner Wange. Ihre graue Haut war leicht griffig, doch er mochte das Gef¨¹hl. Es sendete jedes Mal ein angenehmes Prickeln durch seinen K?rper. Cora hielt inne und schnupperte an ihm. Dann dr¨¹ckte sie die Schnauze gegen seinen Hals. ?Warte! H?r auf! Das kitzelt!? Demian versuchte sie lachend von sich wegzuschieben, doch Cora gab nicht nach. ?Demian, der Fluch riecht zu stark. Du musst dich verwandeln.? Sie runzelte die robben?hnliche Nase. ?Ich wei?, ich wei?. Gib mir nur einen Augenblick.? Er watete zur¨¹ck zum Strand und begann sich auszuziehen. Dann band er seinen Umhang weiter auf, sodass er die Arme ausstrecken musste, damit der braune Stoff nicht herunterfiel. Er f¨¹hlte nach der W?rme in der Narbe an seinem rechten Handgelenk, schloss die Augen und lie? sie durch seinen K?rper str?men. Alles in ihm wurde hei?. Seine Knochen zogen sich auseinander und eine schwere Schicht legte sich auf seine Haut, aus der Fell heraus spross. Dann stand er in seiner Drachenform da und konnte Cora endlich auf Augenh?he begegnen. W?hrend sie graue Flossen und eine glatte Haut hatte, besa? er vier Beine mit gro?en Pranken und war mit kurzem, hellgrauem Fell bedeckt. ?Da ist ja mein kleines Rehkitzlein?, scherzte Cora und t?tschelte mit den Lippen seine Wange. Demian verdrehte die Augen. Er wurde von allen Drachen so genannt, weil seine Drachengestalt klein und zierlich war. Dazu noch lange, d¨¹nne Beine. Normalerweise h?tte Demian sich ¨¹ber den Spitznamen aufgeregt, doch nicht heute. Heute war es ihm egal. Hauptsache, er konnte ihre Stimme h?ren, sie sehen. Vier Wochen ohne Cora, waren ihm wie ein Jahr vorgekommen. Sie legten sich beide auf dem Sand und schmiegten sich eng aneinander, w?hrend vor ihnen die Sonne unterging und das Meer mit roten Tupfen schimmerte. ?Wie war es auf dem Schiff??, fragte Demian. ?Oh, Demian! Ich w¨¹nschte, du w?rst dabei gewesen! Die s¨¹dlichen L?nder sind traumhaft sch?n! Der Sand ist weich wie samt, das Meer voller bunter Fische und Korallen. ¨¹berall duftet es nach s¨¹?em Obst und Blumen. Und die Menschen! Ich habe mich noch nie so gut unterhalten! Alle hatten eine spannende Geschichte aus ihrem Leben zu erz?hlen.? ?Und niemand hat dein wahres Geschlecht herausgefunden?? ?Pff, ich bitte dich! Ich mache das schon seit drei Jahren. Ich bin mittlerweile eine Meisterin darin, mich als Mann abzugeben.? Cora hielt die Nase hoch und warf ihm einen verschmitzten Blick zu. Demian musste ihr recht geben. Cora hatte eigentlich ein sanftes, f¨¹rsorgliches Gem¨¹t. Doch das zeigte sie nur ihm und ihren Freunden. Alle anderen kannten sie als Nael, der etwas vorlaute junge Mann mit den Sommersprossen und kurzen, schwarzen Locken. ?Wir brauchen mehr M?nnern f¨¹r die n?chste Handelsfahrt. H?ttest du nicht Lust, mitzuarbeiten? Dann k?nnen wir jeden Tag zusammen sein!?, rief sie, hob ihre R¨¹ckflosse und wippte sie hin und her. ?Lust schon, doch statt zu arbeiten, w¨¹rde ich dich die ganze Zeit nur anschmachten und sofort meine Anstellung verlieren.? Cora lachte, dann lehnte sie seufzend ihren Kopf an seinem Hals. ?Nur noch ein halbes Jahr. Dann haben wir genug Geld gesammelt und k?nnen uns endlich ein eigenes Haus kaufen.? Demian dr¨¹ckte seine Schnauze auf ihre und saugte sich mit dem Anblick ihrer goldenen Augen ein. Er versuchte dabei die graue Drachengestalt zu ignorieren, trotzdem dr?ngten sich ihm ein beklemmendes Gef¨¹hl auf. Sie w¨¹rden nicht f¨¹r immer so bleiben. Irgendwann, w¨¹rde der Fluch auch sie einnehmen und alles zerst?ren, was sie gemeinsam aufbauen w¨¹rden. Ein Klo? bildete sich in seinem Hals, als er sich kurz vorstellte, wie es w?re, wenn sie eine Familie gr¨¹nden w¨¹rden. Es ging nicht. Es war unm?glich. Deswegen nahm Cora seit langem ein Mittel ein, um unfruchtbar zu werden. Demian schluckte schwer und wandte den Kopf von ihr weg. Als Drache konnte er nicht weinen, doch seine Augen brannten wieder, als h?tten sie gerade eine Ladung Meerwasser abbekommen. ?Demian, du denkst schon wieder an den Fluch, nicht wahr? H?r auf damit. Meine Eltern haben mir eh immer gesagt, dass ich nicht zur Mutter taugen w¨¹rde. Und wer wei?, vielleicht kann man dem Fluch doch irgendwie entgehen.? Demian ?ffnete sein Maul, um etwas zu erwidern, als Cora ein ohrenbet?ubendes Japsen von sich gab. Er sprang auf die Beine, zuckte mit den Augen hin und her, auf der Suche nach dem Grund. Als er den Pfeil an ihrem R¨¹cken bemerkte, wurde ihm schlecht. Ein weitere fuhr in die graue Haut hinein, dann noch einer und noch einer. So schnell, dass er nicht reagieren konnte. Die Geschosse, Coras herzzerrei?endes Jaulen, vereisten seine Beine. ?Ha! Das sind nur zwei kleine Biester! Das wird ein Kinderspiel!?, br¨¹llte eine tiefe Stimme und lachte h?hnisch. F¨¹nf M?nner standen oben, direkt vor dem Waldsaum, bewaffnet mit gro?en Armbr¨¹sten, wei?en Schwertern und dicken Ketten. Demian legte die Ohren an und knurrte, so laut es seine Kehle erlaubte, w?hrend Cora neben ihm winselte und versuchte, die Pfeile herauszuziehen. ?Demian! Die Pfeile sind pr?pariert!?, rief sie. Demians Grollen verstummte, er starrte auf die Pfeile, da jagte ein Schmerz durch seine Schulter und er kr¨¹mmte sich mit lautem Japsen zusammen. Ein saurer, leicht rauchiger Duft breitete sich um ihn aus und benebelte seine Sicht. Er knurrte, sch¨¹ttelte seinen Kopf und sobald seine Sicht wieder etwas klarer war, sprang er auf die M?nner zu. Doch er fiel mitten im Sprung zusammen, als ein weiterer Bolzen seine Brust traf. ?Cora! Lauf!? Demian bewegte sich weiter auf die M?nner zu, stellte ihnen seine Seite entgegen, um Cora vor den Sch¨¹ssen zu sch¨¹tzen. Doch Cora gab keine Antwort, Demian h?rte keine sich entfernenden Schritte. Der Geruch des Gifts bet?ubte Seine Sinne immer weiter die Umgebung verschwamm zu r?tlichen Flecken. ?Cora!?, rief Demian, da l?sten sich die Flecken auf und Schw?rze h¨¹llte ihn ein. 1.2 Demians Zerfall Schmerzen pulsierten durch seinen ganzen K?rper. Demian wollte am liebsten wieder in den Schlaf versinken, in ein gef¨¹hlloses Nichts. Doch die Schmerzen zerrten ihn wieder zur¨¹ck in das Hier und Jetzt, auch wenn er nicht wusste, wo er war und warum sein K?rper so gepeinigt war. St?hnend ?ffnete er die Augen und im ersten Augenblick sah er nur einen verworrenen, dunklen Fleck, doch dann sch?rfte sich sein Blick. Er war von Holzmauern umgeben, in einem gro?en, schwach beleuchteten Raum. Er nieste, als ein metallischer, s?uerlicher Geruch in seine Nase stieg und neue Schmerzenswellen fuhren durch seinen K?rper. Jetzt sp¨¹rte er auch, dass er in seiner Drachenform war. Demian wollte den Kopf heben, doch etwas hielt ihn zur¨¹ck, w?hrend gleichzeitig so viel Schmerz durch sein K?rper fuhr, dass er japste. Mit zusammengebissenen Z?hnen wendete er seinen Kopf zur Seite, um einen Blick auf seinen K?rper zu werfen. Unz?hlige Ketten schlangen sich um ihn. Dazwischen steckten Messer, Dolche, Kurzschwerter. Jetzt wo er sie sah, jagten die Schmerzen noch heftiger durch seine Glieder, dass Demians K?rper zuckte. H?tten die Ketten ihn nicht zur¨¹ckgehalten, er h?tte wild um sich geschlagen. Drachenj?ger hatten ihn erwischt. Um sein Blut zu melken. Seine Gedanken verschwammen, w?hrend Panik seine Beine und seinen Schwanz bewegten, im verzweifelten Versuch, sich von den Ketten zu l?sen. Er musste sich befreien. Bevor die Drachenj?ger zur¨¹ckkamen. Als sein Blick den Kettenberg neben ihm streiften, packte ihn ein eiskaltes Gef¨¹hl und seine Glieder froren ein. Langsam richtete er den Blick zur¨¹ck, zuerst auf die Blutlache, dann auf die Ketten, die darauf lagen. Er wanderte hinauf zu dem Kopf und mit jeder Klinge, die Demian im K?rper des Wasserdrachens entdeckte, zog sich sein Herz weiter zusammen, bis er kaum atmen konnte. ?Cora?, wisperte er. ?Cora!? Demian versuchte wieder die Beine zu strecken, sich zu erheben, doch die J?ger hatten diese eng an seinen K?rper gebunden. So konnte er sich nur ein wenig nach vorne robben. Ihr Name dr¨¹ckte in seiner Kehle, er wollte ihn schreien, wollte sie mit seiner Stimme wieder zum Leben erwecken, doch er hielt sich zur¨¹ck, als er die trockene Haut ihres Kopfes bemerkte. Wasserdrachen wurden von dem Fluch gezwungen sich zur¨¹ckzuverwandeln, wenn sie zu trocken waren. ¨¹ber zwanzig Klingen, steckten in ihrem K?rper, sollte Cora sich jetzt verwandeln, w¨¹rden die Waffen ihre menschliche Form komplett durchstechen. Demian musste dies verhindern. Um jeden Preis. Wenn er es schaffte, sich zu befreien, musste er nur die Klingen herausziehen und durch ihr Drachenblut, w¨¹rde sie schnell verheilen. Demian ?chzte gegen den Schmerz an und versuchte mit ganzer Kraft, sich auf die Beine zu stemmen. Als das nicht klappte, wandte er sich wie eine Schlange. Doch die Ketten lockerten sich nicht. Eine T¨¹r knallte auf. ?Was soll dieses ganze Geschepper??, gellte eine m?nnliche Stimme. Demians Angst l?ste sich auf, w?hrend ein Brennen durch Hals und Magen wanderte. Seine Kehle vibrierte durch ein tiefes Grollen und er drehte den Kopf mit gefletschten Z?hnen zu dem J?ger. ?Verdammt, das Bet?ubungsmittel hat nachgelassen!?, rief der b?rtige Mann durch die T¨¹r, dann stampfte er auf Demian zu und zog ein wei?es Schwert, dass er an seiner Seite trug. ?So eine verdammte ... Wir haben noch nicht mal zwanzig Flaschen voll gekriegt! Mach, dass du gef?lligst wieder einschl?fst, du Mistvieh!? Der B?rtige schlug mit seiner Klinge gegen einen Dolch, der in Demians R¨¹cken steckte. Der Stich, der nun durch seinen K?rper jagte, raubte ihm den Atem. Sein Knurren ging in ein lautes Winseln ¨¹ber. Doch nur f¨¹r einen kurzen Augenblick, dann grollte er erneut, seine Stimme durch Wut verzerrt. Ein leises Winseln streifte seine Ohren. Demian starrte, eher er es wagte, den Blick auf Cora zu richten. Ihre Schnauze bebte. ?Nein, nicht!? ?Klappe halten!? Der B?rtige schlug ihm mit der flachen Klinge gegen den Kopf, Demian wollte sein Schwert mit den Z?hnen packen, doch der J?ger sprang rechtzeitig zur¨¹ck und ging zu Cora. Demian robbte dem Mann hinterher, doch die Ketten durch Ringe mit dem Boden verbunden und zogen ihn zur¨¹ck. Taken from Royal Road, this narrative should be reported if found on Amazon. Nun regten sich Coras Augenlider. Demian wurde schlecht. Wieder stieg die Panik in ihm auf, bet?ubte die Stiche in seinem K?rper und er wandte sich wieder. ?Ey! Du hast das Bet?ubungsmittel vergessen!?, rief eine rauchige Stimme von der T¨¹r aus, dann rannte ein dunkelblonder J¨¹ngling auf Cora zu. ?Beeil dich!?, rief der B?rtige und trat Cora gegen den Hals. ?Nein! Nein! Nicht!?, schrie Demian und beobachtete entsetzt, wie Cora sich zu winden begann und ihre Gestalt einmal zuckte, um sich dann zusammenzuziehen. Demian keuchte, versuchte sich wieder nach vorne zu robben. ?Cora! Nein! Du darfst dich nicht verwandeln!?, sagte Demian und keuchte. Der Mann fluchte und steckte sein Schwert in ihrem Hals, doch das w¨¹rde ihre Verwandlung nicht aufhalten. Stattdessen japste ihre graue Gestalt nur, w?hrend sie immer weiter schrumpfte. Dann gellte ihr Schrei durch die H¨¹tte, der Demian mehr zerriss, als die Klingen in seinem K?rper. ?Es ist zu sp?t, lass sie!?, rief der Blonde und zerrte den B?rtigen zur¨¹ck, ohne dabei Cora aus den Augen zu lassen. Demian br¨¹llte und fauchte, bis seine Kehle schmerzte, um die M?nner von Cora wegzutreiben, doch die J?ger achteten nicht auf ihn, sondern nur auf die Gestalt, an der die Ketten herunterfielen. Coras nackter K?rper. Durchstochen von Schwertern. Bedeckt mit flie?endem Blut. ?Cora!?, br¨¹llte Demian. Die Hitze des Fluchs wallte in ihm auf, fuhr als heftige Welle durch ihn. Sein Fell stellte sich auf und ein siedender Schleim schoss in seinen Mund hoch, f¨¹r einen kurzen Augenblick wurde ihm Schwarz vor Augen. Dann h?rte er Cora husten und spucken, bevor ein dumpfer Knall kam, begleitet vom Klirren der Kettenstr?nge. ?Mist, die haben wir verloren.? Der Blonde seufzte. ?Na ja, wir haben immerhin noch den anderen zum Blutmelken.? Langsam kehrte seine Sicht zur¨¹ck und er stie? ein ohrenbet?ubendes Grollen von sich. Es floss immer mehr von der dicken Fl¨¹ssigkeit aus ihm heraus. Der Schmerz der Klingen lie? pl?tzlich nach, so wie der Druck der Ketten um seinen K?rper. Mit gl¨¹henden Gliedern streckte er sich aus. Das d¨¹nne Metall, das ihn gefangen gehalten hatte, glitt herunter, als w?ren sie durchtrennt worden. Er streckte seinen Hals, immer weiter und die M?nner, die unter ihm standen, wurden immer kleiner. Der Blonde drehte sie um und weitete die Augen. ?Was zum ...?? Jetzt drehte sich auch der B?rtige um und wurde blass um die Nase. Die Hitze zersprang jede Hemmung in ihm und lie? seinen Hass ungeb?ndigt in seinem K?rper w¨¹ten. Er ?ffnete sein Maul und schnappte nach dem B?rtigen. Die J?ger rannten schreien davon. Demian st¨¹rzte hinterher, packte die Schulter des B?rtigen und schleuderte ihn gegen die Wand. Als der Mann zu Boden fiel, blieb er regungslos liegen. Von drau?en drangen nun gehetzte Rufe in die H¨¹tte, die immer n?her kamen. Demian br¨¹llte, als vier Gestalten an der T¨¹r erschienen. ?Was zum Geier ...? Warum ist er wei???, rief der J?ger, der seine Armbrust auf Demian richtete. Etwas staute sich in seinem Magen, zwang ihn den Kopf zur¨¹ckzuwerfen. Als er ihn wieder nach vorne warf, schoss etwas aus seinem Maul heraus, direkt auf den J?ger mit der Armbrust. Die anderen warfen sich zur Seite, als ein schwarzer Schlack sich um den Kopf und Brust des J?gers schlang. Panisch zog der Mann an der Masse auf seinem Kopf, dann fielen seine Arme herab. Der J?ger schwankte, ehe er zu Boden fiel und sich nicht mehr bewegte. Die M?nner starrten erschrocken auf ihren Kameraden, dann auf Demian. Er stie? ein Gebr¨¹ll von sich, dass die Ketten zum Zittern brachte, dann sauste er auf die restlichen M?nner zu. Die M?nner stoben durch die T¨¹r davon, doch Demian w¨¹rde keinen einzigen von ihnen entkommen lassen. Er hatte sich geschworen, niemals einen Menschen zu t?ten, doch dieser Entschluss hatte sich vollst?ndig in ihm aufgel?st. Heute w¨¹rde er keinen Einzigen am Leben lassen. Demian lief ihnen hinterher, beschoss den Ersten und lie? ihn liegen. Stattdessen folgte er einem weiteren durch den Wald. Auch dieser bekam eine schwarze Ladung ab, die letzten J?ger waren zwischen den B?umen verschwunden. Gerade als Demian nach ihnen wittern wollte, h?rte er Schreie, dann blitzten vier lange, graue K?rper durch den Wald. ?Ich hab ihn erwischt! Aber ich finde Demian nicht.? Sobald Demian Calins Stimme h?rte, legte sich das Brennen in seinem K?rper, der Druck in seinem Magen l?ste sich auf und seine Gedanken kl?rten sich. Demian keuchte auf. ?Cora ... Cora!? Er schoss zur¨¹ck ins Haus, stolperte ¨¹ber seine zerbrochenen Ketten und st¨¹rzte sich auf den blassen, blutigen K?rper. ?Cora, antworte mir! Oh bitte, bitte! Antworte mir doch!? Demian stupste sie mit der Nase an, w?hrend er panisch nach einem Puls f¨¹hlte, nach einem Atemzug horchte. Ohne Erfolg. Ein rei?ender Schmerz breitete sich in seiner Brust aus, s?mtliche Luft schien aus ihm zu entweichen. ?Nein ...?, jammerte er mit erstickter Stimme. ?Nein, bitte ... wach auf. Wach auf. Wach auf!? Er schnappte nach einem Dolchgriff, zog ihn aus ihrer Brust heraus. Dann das Schwert darunter, das Messer daneben, w?hrend ihm immer mehr die Luft ausging, der Schmerz seinen K?rper ersch¨¹tterte und schlie?lich seine Beine nachgaben. Er dr¨¹ckte seine Schnauze auf Coras Brust, von der kein Heben, kein Senken kam. Immer und immer wieder, in der Hoffnung, so ihr Herz wiederzuerwecken. Das Einzige, was sich bewegte, war das Blut, das aus ihren Stichwunden herausquoll. ?Cora, nein ... nein ... nicht du!? Ein Schmerz, heftiger als alles, was er jemals gesp¨¹rt hatte, ¨¹berkam sein ganzes Sein. Die Gewalt drohte, ihm vollst?ndig die Luft zum Atmen zu rauben, sein Herz zum Stehen zu bringen. Alles, was Demian tun konnte, war die uns?gliche Pein hinauszubr¨¹llen. ?Demian! Was ist passiert?? Calin hastete auf ihn zu. ?Als ihr gestern nicht mehr aufgetaucht seid, sind wir eurer F?hrte gefolgt und ...? Calin schnappte nach Luft. Demian ignorierte ihn und br¨¹llte. Br¨¹llte, bis seine Stimme versagte. 1.3 Demians Zerfall Als Demian wieder den Strand vor Augen hatte, bohrte sich der Schmerz tiefer in sein Herz hinein. Tr?nen fielen auf das grobe Leinentuch, mit dem Coras K?rper umwickelt war. Neben ihm keuchte Calin, der eine weitere Leiche trug. Hinter ihnen brachten zwei andere M?nner Leichen mit. Alles Verfluchte, die diese Woche von Drachenj?gern ermordet worden waren. Zwei Kinder, ein junger Mann. Alle vier wurden von dem Schluchzen der Freunde und Familienmitglieder begleitet, die mit ihnen den schweren Gang zum Strand angetreten waren. Sie waren alle getrennt aus der Stadt gekommen, hatten sich wie Kriminelle tief im Wald treffen m¨¹ssen, wo sie die Leichen versteckt hatten, nur um unbemerkt die Trauerfeier abhalten zu k?nnen. Demians biss sich auf die Lippen. Der Klo? in seinem Hals engte diesen so stark ein, dass er kaum schlucken konnte. Die Welt verschwamm durch seine Tr?nen und er konnte gerade noch im Abendlicht die vier Flecken im Wasser erkennen. Boote, um die Verstorbenen hinaus aufs Meer zu bringen. Demian stieg barfu? ins Wasser und k?mpfte sich durch die kalten, schwappenden Wellen. Er wollte aufh?ren zu weinen, denn das Leinentuch saugte sich Immer mehr mit seinen Tr?nen voll. Er wollte nicht Coras K?rper beschmutzen. Doch so sehr er auch schluckte und blinzelte, es h?rte einfach nicht auf. Die kalte Windbrise ber¨¹hrte sein erhitztes Gesicht und er merkte erst jetzt, wie kalt Coras K?rper geworden war. Hart f¨¹hlten sich die Glieder an, die er auf den Armen trug und seine Ber¨¹hrung nicht erwiderten. Diese menschliche H¨¹lle zu tragen, aus der jegliches Leben gewichen war, war f¨¹r Demian die grausamste Aufgabe, die er je hatte bew?ltigen m¨¹ssen. Doch er wollte sie niemand anderem geben. Auch wenn es ihn innerlich zerriss, auch wenn jeder Schritt ihn Kraft kostete, die er kaum aufbringen konnte, es war das letzte Mal, dass er sie in seinen Armen w¨¹rde tragen k?nnen. Als Demian das Boot erreichte, schluchzte er auf und er musste tief Luft nehmen, um sie hineinzulegen. Vorsichtig bettete er ihre Leiche in ein Bett aus wei?en Lilien. Novak, der Coras Boot hielt, dr¨¹ckte seine Schulter. ?Es tut mir so leid.? Die Worte nahmen nichts von den Qualen, die Demian zu zerbrechen drohten. Doch es war leichter in einer Gruppe von weinenden, klagenden Menschen zu sein, als in der Stadt, die einfach ihrem Lauf nachging, w?hrend f¨¹r ihn, und f¨¹r die anderen Hinterbliebenen, die Welt stehen geblieben war. Die Trauer lie? sie hilflos und orientierungslos zur¨¹ck, denn es gab nicht und es gab niemanden, der ihnen diejenigen zur¨¹ckgeben konnte, die einen riesigen Teil ihres Lebens ausgemacht hatten. Demian wischte sich das Gesicht mit den ?rmeln. Calin stellte sich neben ihm hin, w?hrend die anderen Menschen nach und nach ins Wasser wateten und die Boote umringten. Einer von ihnen, trug eine Fackel mit sich, ein anderer, eine riesige Flasche Seeschnaps. Das Boot mit der kleinsten Leiche wurde zuerst mit Alkohol ¨¹bergossen. Die Mutter des Jungen stie? einen lauten Wehschrei aus und fiel in sich zusammen. Zwei andere mussten sie festhalten, damit sie nicht ins Wasser fiel. Demian wandte schnell den Blick ab und lie? seine Tr?nen ins Wasser tropfen, w?hrend er seine zitternden H?nde ballte und innerlich weiter von der qu?lenden Pein zerrissen wurde. Er h?tte lieber tausend Schwertstiche ertragen. Oder sich an siedendes Wasser verbrannt. Sich seine Gliedma?en abgeschnitten. Jeder andere Schmerz war leichter zu ertragen, als das, was sich in seinem K?rper fest nagte. Nun war Cora dran. Der Mann mit dem Krug sch¨¹ttete das klare Getr?nk ¨¹ber sie, bis sich die Leiche vollgesaugt hatte. Dann f¨¹hrte der andere langsam die Fackel zu dem Tuch. Noch dickere Tr?nen quollen aus Demians Augen heraus. Er musste sich auf die Lippen bei?en, um den qu?lenden Schrei zur¨¹ckzuhalten, der sich in seinem Hals staute. Die Flamme sprang sofort auf das Leinentuch und breitete sich wie eine tosende Welle ¨¹ber das Leinentuch. Demian und Calin stellten sich vor ihrem Boot, dann schoben sie es weiter hinaus. Demian stolperte voran. Er begriff nicht, wie er ¨¹berhaupt noch die Kraft hatte, um sich durch das Wasser zu bewegen und das Boot anzuschieben. Das Feuer schlug ihm Hitze entgegen, die sein Gesicht, das mit Tr?nen bedeckt war, noch mehr brennen lie?. Als das salzige Nass ihnen bis an die Brust reichte, schoben beide das Boot ein letztes Mal an. Demian nur schwach, doch Calins Schub war kr?ftig genug, um Coras Boot mit den anderen auf ihre Reise ins weite Meer zu schicken. Etwas in ihm, wollte sich nach vorne st¨¹rzen, sich an das Boot festklammern und sich mit Cora ins Meer versinken lassen. This content has been unlawfully taken from Royal Road; report any instances of this story if found elsewhere. Calin legte seinen Arm um Demian und als er sp¨¹rte, wie sanft seine Ber¨¹hrung war, brachen noch mehr Tr?nen aus seinen Augen heraus. Fast w¨¹nschte er sich die Heftigkeit zur¨¹ck, mit denen Calin ihn sonst ber¨¹hrte, nur um andere Schmerzen sp¨¹ren zu k?nnen, die nicht so grausam waren wie die jetzigen. Schnell wandte Demian sich ab und watete zur¨¹ck zur jammernden, schluchzenden Menschengruppe. Ihre Gesichter sahen so verzerrt aus, wie er sich f¨¹hlte. Wie viele Male war diese Prozedur schon geschehen? Und wie viele Male w¨¹rde sie noch stattfinden m¨¹ssen? Nicht nur hier, sondern im ganzen Kaiserreich? Und wie viele Drachen, wurden niemals von ihren Lieben geborgen, sondern von den J?gern in irgendeine Grube geworfen, wo sie niemand jemals finden w¨¹rde? Sein Herz brannte, so heftig, dass Demian seine Faust auf die Brust legte. Wann w¨¹rde endlich jemand kommen, um dem Ganzen ein Ende zu setzen? Wann w¨¹rde jemand kommen, der sich endlich f¨¹r alle einsetzen w¨¹rde, die verflucht waren? Warum gab es niemanden, der eine L?sung f¨¹r diesen Albtraum hatte, das Demian irgendwann in eine wahnsinnige Bestie verwandeln w¨¹rde, wenn er nicht vorher von Drachenj?gern oder von Stadtwachen entdeckt und get?tet werden sollte? Er hatte nicht nur seine alte Heimat und seine Familie verloren, nun hatte er auch noch die teuerste Person verloren, die sch?nste, die lieblichste, wundervollste, die er jemals getroffen hatte. W¨¹rde sich jemals irgendjemand ¨¹ber sie erbarmen und weiteres Leid verhindern? ¨C ?Demian, iss doch ein wenig mit uns. Ich habe einen frischen Seebarsch gefunden und ihn mit Zitronen und Mangold zubereitet, so wie du es magst.? Sein Bett knarzte, als Dinara sich auf die Matratze setzte. Dennoch blieb Demian still liegen, w?hrend er die Zimmerwand anstarrte. ?Ich stelle dir deinen Teller vor die T¨¹r, ja? Es w¨¹rde mich sehr freuen, wenn du ein wenig essen w¨¹rdest.? Sie strich ihm durch die fettigen Haare. Dann knarzte das Bett wieder und Dinara bewegte sich mit langsamen Schritten auf die T¨¹r zu. ?Ich glaube, ich werde ihn zwangsf¨¹ttern m¨¹ssen?, sagte Calin, der im Flur stand. Demian blendete ihr Gespr?ch aus und konzentrierte sich ganz auf seine Gedanken. An diesem Morgen hatte er die letzten Teile eines Plans zusammengestellt. Das Einzige, was verhinderte, dass sein Verstand nicht vollst?ndig in ein dunkles Loch fiel. ?Es ist erst ein Monat her, der Junge braucht einfach noch ein wenig Zeit?, sagte Dinara und seufzte. ?Aber rede du nochmal mit ihm, vielleicht h?rt er ja auf dich.? Wieder drang der Klang von knarzenden Dielen in sein Ohr. ?Steh auf.? Calin zog ihm so schnell die Decke weg, dass Demian nicht reagieren konnte. Doch das machte ihm nichts aus. Er setzte sich langsam auf und starrte Calin entgegen. Sein Freund hielt inne, immer noch die Decke in den H?nden haltend, mit einem verdutzten Ausdruck im Gesicht. Schlie?lich lie? er die Decke langsam wieder auf das Bett sinken und wich Demians Blick aus. ?Soll ich ... soll ich dir vielleicht das Essen holen??, fragte Calin. ?Du hast einen Bekannten, der im Schloss arbeitet, nicht war? In der Bibliothek?? Calin legte eine Augenbraue schief und es dauerte ein wenig, bis er nickte. ?Ein guter Freund meines Vaters. Seine Tochter ist ebenfalls verflucht. Wieso?? ?Stell mich ihm vor. Ich will eine Anstellung im Schloss.? ?Was?!? Calin schritt nach hinten und stolperte ¨¹ber die Truhe, doch statt sich zu fangen, lie? er sich einfach auf sie fallen und blieb dort sitzen. ?Was zum ... Was ... Argh!? Calin grub die H?nde in sein schulterlanges, schwarzes Haar und wirbelte sie durcheinander. ?Was ist los mit dir? Tagelang sitzt du hier und d?mmerst vor dich hin und jetzt siehst du aus, als w?re nichts gewesen. Entschlossen, wieder zur¨¹ck ins Leben zu kehren. Wieso um alles in der Welt willst du im Schloss arbeiten?? ?Ich habe einen Plan. Ich will in der Bibliothek arbeiten, um Zugang zu Schriften zu haben, sodass ich vielleicht eine L?sung f¨¹r den Fluch finden kann. Und nicht nur das, ich will mich hinauf bis zu den direkten Bediensteten des K?nigs hocharbeiten, seine rechte Hand werden und meine Position ausnutzen, um Siegenshafen zu einem sicheren Ort f¨¹r Drachen zu machen.? ?Halt mal an. Ich komme nicht mit. Beziehungsweise, ich kann mir nicht vorstellen, wie du Siegenshafen zu einem sicheren Ort f¨¹r uns machen willst. Und mein Bekannter sucht bereits nach einer L?sung f¨¹r den Fluch. Zugegeben, er kommt alleine nicht so gut voran, weil er es verdeckt und au?erhalb seiner Arbeitszeiten suchen muss.? Calin hielt kurz inne und starrte den Holzboden an. ?Erkl?r mir bitte, was du eigentlich genau vorhast.? ?Ich habe es gerade gesagt. Ich werde mich hocharbeiten, bis ich dem K?nig gegen¨¹berstehe.? ?Ja, das wei? ich. Und dann?? Demian hielt kurz inne. Calin w¨¹rde ihn f¨¹r verr¨¹ckt halten. Doch wenn er mit seinem Plan beginnen w¨¹rde, wusste Demian, dass sein Freund ihm zur Seite stehen w¨¹rde, egal wie riskant sein Vorhaben war. ?Dann werde ich den K?nig st¨¹rzen.? Calin sa? so regungslos da, dass er nicht einmal blinkte. Dann weitete sich seine Augen und er sprang auf, warf sich schon fast auf Demians Matratze und packte seine Schultern. ?Bist du wahnsinnig? Ich wei?, dass du gerade in Trauer bist, aber dein Plan ist absolut lebensm¨¹de!? Calin stand auf und zog an Demians Arm. ?Komm, mir reicht es, du isst jetzt was und dann gehst du dich gef?lligst waschen. Vielleicht bringt dich das wieder zur Vernunft.? Demian zog seinen Arm zur¨¹ck und damit auch Calin auf das Bett. ?Nein. Er ist riskant, aber nicht unm?glich. Ich wei?, dass ich das kann. Ich werde die Unterst¨¹tzung aller Drachen nehmen, die ich bekommen kann, sowie ihrer Verwandten, die in Siegenshafen leben. Ich wei?, wie ich mich schnell beliebt machen kann. In H?hental hatte ich auch in k¨¹rzester Zeit eine hohe Stellung erreicht. Du wirst sehen, ich werde es schaffen. Und ich werde mich nicht aufhalten lassen. Ich werde K?nig von Siegenshafen und alle Drachen unter meinem Schutz stellen, sodass niemand uns mehr etwas anhaben kann. Selbst Kaiser Rovis nicht.? Er w¨¹rde es tun. Er w¨¹rde derjenige sein, der sich f¨¹r die Drachen und ihre Lieben einsetzen w¨¹rde. Damit ihnen kein Leid mehr geschah. ENDE 2.1 Gilwas Ungl眉ck Die Lippen nach innen gedr¨¹ckt, legte Gilwa eine braune Haarstr?hne ¨¹ber die andere. Dabei warf er immer wieder Blicke auf Elina. Seine ?lteste Schwester flocht die roten Haare ihrer j¨¹ngeren Schwester, ganz langsam, w?hrend Gilwa versuchte ihre Bewegungen nachzumachen, um Dinas Haare zu flechten, die j¨¹ngste der M?dchen. Dina sa? regungslos auf den gefallenen Baumstamm, w?hrend Neli immer wieder neugierige Blicke auf Gilwas Werk warf. ?Ist das so richtig??, fragte er. Elina, die direkt neben ihm stand, beugte sich zu seinem Zopf herunter. ?Ja, das machst du sehr gut!? Gilwa freute sich so sehr ¨¹ber Elinas Kompliment, dass er die drei Str?hnen loslie? und ein St¨¹ck des Zopfs sich aufl?ste. Er schnappte nach Luft, dann griff er nach den Str?hnen und versuchte sie zur¨¹ck zu flechten. So schnell wie m?glich. Denn Elina war bereits fertig und stecke G?nsebl¨¹mchen in Nelis rotes Haar. Ihr Zopf war gerade und glatt, seiner etwas krumm. Hinzu standen noch etliche braune Haarstr?hnen aus dem B¨¹ndel heraus. Doch Gilwa biss die Z?hne zusammen und machte weiter, bis er die Mitte von Dinas R¨¹cken erreichte und die Haare zu kurz waren, um sie weiter zu flechten. Elina war bereits zur Stelle und band die Spitze mit einem braunen Lederband zusammen. Gilwa trat einen Schritt zur¨¹ck und verglich sein Werk mit dem seiner ?ltesten Schwester. ?Es ist nicht so gut wie Elinas geworden. Entschuldigung, Dina.? Dina drehte sich l?chelnd zu ihm um und f¨¹hlte vorsichtig nach der Frisur. ?Ich mag es.? Dina dr¨¹ckte Gilwa einen Kuss auf die Stirn. ?Schau, Gilwa, wenn wir noch ein paar Blumen hineinstecken, dann wird es so sch?n wie Elinas.? Neli hielt ihm die offenen H?nde hin, auf denen unz?hlige G?nsebl¨¹mchen lagen. Elina half ihm dabei, die kleinen Blumen in Dinas Zopf zu stecken. ?Siehst du? Jetzt sehen sie fast gleich aus.? Neli kr?uselte die sommersprossige Nase, wie immer, wenn sie l?chelte. Gilwa machte es ihr nach, dann warf er die Arme um Elinas Beine. ?Danke, Elina! Dass du mir Flechten beigebracht hast.? Seine ?lteste Schwester beugte sich zu ihm, um ihn hochzunehmen. Er war der Einzige, der noch klein genug war, um getragen zu werden. ?Kommt, wir d¨¹rfen die Wacholderbeeren nicht vergessen.? Neli stand glucksend von dem Baumstamm auf, warf die G?nsebl¨¹mchen in die Luft und lief ihnen h¨¹pfend voraus in den Wald. ?Neli! Du verlierst die Blumen aus deinem Haar!?, rief Dina und rannte ihrer Schwester hinterher. ?Was macht man mit Wachbeeren, Elina??, fragte Gilwa und sah hinauf in ihre blauen Augen. ?Heute Abend macht Mama einen Rinderbraten. Die Wacholderbeeren machen das Fleisch schmackhafter.? ?Kannst du mir sp?ter eine Blumenkrone flechten? Oder Blumen in meine Haare stecken?? ?Gerne. Aber wir m¨¹ssen sie abmachen, bevor wir wieder im Dorf sind. Sonst machen sie die anderen Jungen wieder lustig ¨¹ber dich.? Gilwa legte den Kopf auf ihre Schulter. ?Aber ich mag Blumen. Warum darf ich keine tragen?? Elina dr¨¹ckte ihm einen Kuss auf sein braunes Haar. ?Nat¨¹rlich kannst du Blumen m?gen. Wei?t du, manche denken, Blumen sind nur was f¨¹r M?dchen. Aber das ist nat¨¹rlich quatsch. Jeder darf Blumen m?gen und tragen. Wenn die Jungs sich wieder lustig ¨¹ber dich machen, beachte sie nicht. Und sollten sie dich deswegen anr¨¹hren, dann l?ufst du schnell nach Hause und sagst uns, oder Mama und Papa Bescheid. Einverstanden?? ?Der Einzige, der mich deswegen hauen will, ist Alro. Ich habe immer etwas Katzenfell in meiner Tasche, wenn ich es ihm hinhalte, niest er ganz doll und rennt weg. Oh! Schau mal Elina! Ein schwarzes Eichh?rnchen!? Das kleine Tier rannte gerade hinter Elina den Waldweg entlang, nur um dann rasch den n?chsten Baumstamm hochzuklettern. Er mochte besonders die schwarzen gerne, da niemand in seiner Familie schwarze Haare hatte und auch im Dorf gab es niemanden mit schwarzen Haaren. Unauthorized use of content: if you find this story on Amazon, report the violation. Ein Schrei gellte durch den Wald und Gilwa drehte sich erschrocken um. Es klang nach Neli. Ganz sicher. Elina blieb stehen. Sein Herz klopfte immer heftiger, w?hrend Gilwa die Umgebung nach ihr absuchte. Elina legte Gilwa mit zitternden H?nden ab, als sie ein lautes Grollen h?rten. Gilwa klammerte sich wimmernd an das Bein seiner Schwester. ?Elina!?, schrie Dina, die um die Ecke eines dichten Buschwerks auf sie zu rannte. Dann schoss ein schwarzer Kopf hinterhe, gefolgt von einem langen Hals. Ein Drache. Gilwa riss die Augen auf. Er hatte noch nie einen Drachen gesehen. Elina klaubte Gilwa auf und schoss davon. Dina, mit ihren viel k¨¹rzeren Beinen, kam nicht hinterher. ?Dina!?, schrie Gilwa und griff mit der Hand in ihre Richtung, sie blieb immer weiter zur¨¹ck. ?Nein! Elina, halt an!? Der schwarze Drache machte einen riesigen Satz und riss Dina zu Boden. Gilwa schrie. Er schrie, bis sein Hals wehtat und wandte sich mit aller Kraft in Elinas Griff, die nur ihre Arme fester um ihn schlang. ?Elina! Halt an, halt an, halt an!?, heulte er. Dina versuchte sich schreiend aus dem Griff der Bestie zu ziehen, da ?ffnete der Drache sein geiferndes Maul und schnappte nach ihrem Kopf. ?Nein!?, kreischte Gilwa. Der Drache biss hinein, ein furchtbares Knacken echote durch den Wald, dann riss sie ihn ab. ?Dina!? Gilwas schrie. Immer und immer wieder. Hei?e Tr?nen rannen ihm ¨¹ber die Wangen. Elina dr¨¹ckte seinen Kopf auf ihre Schulter, sodass er nichts mehr sehen konnte. ?Gilwa. Ich flehe dich an! H?r auf zu schreien.? Als Gilwa die erstickte Stimme seiner Schwester h?rte, schluckte er schwer und dr¨¹ckte das Gesicht noch tiefer in ihre Schulter, sodass sie jeden Herzschlag sp¨¹rte, der durch ihren K?rper wummerte. Jeden Schluchzer, bezwang er mit einem Schlucken, aus Angst, dass es zu laut sein k?nnte. Elina schlittere nach links, einen Abhang hinunter. Gilwa ahnte, wo sie waren. Er hob den Kopf und wandte sich um. Vor ihnen lang eine kleine H?hle, in einem riesigen Felsen. Der Eingang war so klein, dass nur Gilwa hinein krabbeln konnte. Keuchend setzte Elina ihn ab und strich ihm ¨¹ber die Haare, ihre Wangen von Tr?nen benetzt. ?Gilwa ... versteck dich hier. Versprich ... versprich mir, dass du erst wieder rauskommst, wenn jemand vom Dorf nach dir ruft. Hast du verstanden?? ?Nein! Wo gehst du hin?? Gilwa schlang seine Arme um Elinas Hals und wollte sich wieder von ihr hochnehmen lassen, doch Elina riss ihn von sich los und dr?ngte ihn auf die H?hle zu. ?Schnell!? Ihre Stimme war so schrill, dass Gilwa sich vor Schreck nicht mehr traute, ihr nicht zu gehorchen und kroch schnell in den engen, kalten Tunnel hinein. Er konnte sich gerade noch auf Knien wenden, um auf den Eingang schauen zu k?nnen. Elina war verschwunden. Er h?rte nur noch ihre Laufschritte, die im Unterholz raschelten. ?Elina! Lass mich nicht allein!?, schrie Gilwa und kroch wieder auf den Eingang zu. Er streckte gerade den Arm aus der H?hle, als er den schwarzen Drachen sah. Das Tier begegnete seinem Griff, Geifer floss aus seinem Maul, dann donnerte es auf ihn zu. Der Anblick erschreckte ihn so sehr, dass Gilwa sich nicht bewegen konnte. Auch nicht, als der Drache nach ihm schnappte. Da wachte Gilwa auf und lie? sich zur¨¹ck in die H?hle fallen, als die spitzen Z?hne sich um seinen Arm schlossen. Ein schrecklicher Schmerz fuhr durch seinen ganzen K?rper und Gilwa schrie so laut, dass ihm die Stimme abbrach. Seine Sicht verschwand f¨¹r einen Augenblick und das fl??te ihm so viel Angst ein, dass er noch einen Schrei von sich gab. Das Knurren war so laut, dass es Gilwas Arm sch¨¹ttelte. Dann fuhren die Z?hne aus seinem Arm heraus, ganz kurz f¨¹hlte es ich an, als w?ren die Schmerzen verschwunden. Doch sie kehrten zur¨¹ck und wurden mit jedem Herzklopfen schlimmer. Wimmernd ?ffnete Gilwa seine Augen. Mehrere Steine landeten auf den Drachenkopf. Das Biest kr?uselte die Schnauze und fauchte, den Blick nach rechts gerichtet. ?Komm her, du h?ssliches Biest!?, rief Elina, dann h?rte Gilwa wieder ihre Schritte. Schluchzend streckte er seinen heilen Arm aus. Elina sollte ihn nicht verlassen. Er hatte so schlimme Schmerzen. Gilwa fiel zu Boden, kr¨¹mmte sich zusammen und dr¨¹ckte den pulsierenden, blutenden Arm an die Brust. Dicke Tr?nen kullerten aus seinen Augen und der Schmerz war nun so schlimm, dass Gilwa noch nicht mal die Kraft hatte, zu heulen. Dann str?mte eine Hitze durch seinen K?rper, die alle Schmerzen aufl?ste. Er konnte nichts mehr h?ren, nichts mehr sehen. Alles war nur noch hei?. Zu der Hitze kam nun ein Ziehen, zuerst leicht und vorsichtig, dann heftig und schnell, was Gilwa erneut zum Jammern brachte. Kurz darauf kam ein ganz heftiger Zug. Seine Knochen knackten und seine Haut brannte. Es war so schlimm, dass Gilwa vor Angst zitterte und f¨¹rchtete, dass er seine Familie nie wiedersehen w¨¹rde. Doch dann verschwanden alle Schmerzen und die Hitze. Seine Augen fielen zu und er wachte f¨¹r lange Zeit nicht mehr auf. 2.2 Gilwas Ungl眉ck Als Gilwa ein Kitzeln in der Nase sp¨¹rte, riss er die Augen auf. Er lag auf dem Waldboden, ¨¹ber ihn bedeckten dichte Eichen?ste den Himmel. Vorsichtig hob Gilwa seinen Kopf, was sich ganz seltsam anf¨¹hlte. Als w?re sein Hals viel l?nger als sonst. Er schluckte schwer und sah sich um. Er erinnerte sich noch an den Drachen, an Elina, die weggelaufen war und Dina. An Dina wollte er nicht denken. Weit und breit fand Gilwa keine Spur von dem Drachen. Da erinnerte er sich an den Biss und sah erschrocken an sich herunter, doch er sah seinen K?rper nicht. Gilwa fragte sich, warum er sich so seltsam f¨¹hlte und wieso er auf dem Bauch lag. Er versuchte seine Arme zu strecken, was sich ebenfalls ganz falsch anf¨¹hlte. Seine Arme waren anders. Er drehte seinen Kopf nach hinten, um nachzusehen, was mit ihm los war, doch er sah nur einen langen K?rper, bedeckt mit grauem Fell. Vorsichtig streckte Gilwa sein linkes Bein zur Seite und eine Pfote mit langen Fingern und Krallen tauchte auf. Erschrocken sprang er auf und torkelte hin und her, als w¨¹sste er nicht mehr, wie er seine Beine bewegen sollte. Er war kein Junge mehr, sondern ein Drache. Wieder sah Gilwa sich um. Der Wald war zu laut. Viel lauter als sonst. Hatten die V?gel schon immer so laut gerufen? Und er sah so viel und so weit und so viele Ger¨¹che stiegen ihm in die Nase, dass er nicht wusste, auf was er zuerst achten sollte. Wo war Elina? Er brauchte ihre Hilfe. Sie wusste bestimmt, was mit ihm passiert war. Er ?ffnete sein Maul und wollte nach ihren Namen rufen, doch alles was aus ihm herauskam, war ein seltsamer, bl?kender Ruf. So w¨¹rde Elina ihn nicht erkennen. Er musste sie mit den Augen suchen. Mit vorsichtigen Schritten bewegte er sich durch den Wald. Bald kam Gilwa zur¨¹ck auf dem Weg, wo er zuletzt Dina gesehen hatte. Gilwa hielt an und sah sich um, w?hrend sein K?rper im Takt seines Herzschlags pulsierte. Etwas in ihm hoffte, dass er sich versehen hatte. Vielleicht war Dina ja noch am Leben. Elina w¨¹rde es wissen, ob es m?glich war. Oder seine Eltern. Leise winselnd schlich er den Weg entlang, tiefer in den Wald hinein. Nachdem er eine scharfe Biegung hinter sich gelassen hatte, lag sie da. Ohne Kopf. Ein eiskaltes Gef¨¹hl packte ihn, gleichzeitig wurde ihm schlecht, so furchtbar schlecht, dass er sich kr¨¹mmte. Er starrte auf Dinas starren, aufgerissenen Augen, die direkt auf ihn gerichtet waren. Ihr Gesicht war von Blut umgeben. Er winselte laut. Wenn sie am Leben w?re, h?tte sie sich ger¨¹hrt, dachte Gilwa, gleichzeitig wuchs ein riesiger Klo? in seinem Hals. Er schloss die Augen, aber er sah sie trotzdem, die furchtbaren Augen, die sich nicht bewegten. Wo waren seine anderen Schwestern? Neli. Neli hatte er noch nicht gefunden. Vielleicht war sie noch am Leben. Seine Beine zitterten bei jedem Schritt, w?hrend Gilwa zu der linken Seite des Wegs tapste, den Blick nach vorne gerichtet, auch wenn es schwer war, doch es war so schwer, die Blutlache in seinem Augenwinkel zu ignorieren. Mit einem Keuchen schloss er die Augen, dann jagte er so schnell und so gerade er konnte an Dina vorbei. Immer wieder ?ffnete er kurz die Augen, um nicht vom Pfad abzukommen. Schon bald kam die n?chste scharfe Biegung. Gilwa wollte nach Neli seiner Schwester Rufen, doch es kam nichts heraus au?er einem Jaulen. Er lief noch ein St¨¹ck weiter, in der Hoffnung, dass sie irgendwo auf dem Weg war, doch ohne Erfolg. Er hielt an und blickte sich nach allen Richtungen um, w?hrend sein Herz immer heftiger schlug. Gilwa suchte, bis seine Augen an einem riesigen, dunkelroten Fleck h?ngenblieben. Auf einer Blutlache lag ein Bein, das Nelis Stiefel anhatte. Gilwa sch¨¹ttelte leicht den Kopf, w?hrend eine schmerzhafte Hitze in seinen Augen dr¨¹ckte. Er japste, sah sich um, horchte, ob nicht irgendjemand vorbeikommen w¨¹rde, der ihm helfen k?nnte. Der seinen Schwestern helfen k?nnte. Wo war Neli? Vielleicht war sie noch am Leben. Ihr Opa hatte auch ohne ein Bein gelebt. Bestimmt war sie noch irgendwo. Bestimmt hatte sie Schmerzen und weinte. Doch so sehr er sich auch den Wald nach ihr absuchte, er fand nur lange Blutspuren und Fetzen ihres wei?en Kleids. Vielleicht war sie ins Dorf zur¨¹ckgekehrt? Oder Elina hatte sie gefunden und nun waren beide Zuhause, um Neli zu verarzten. Gilwa wandte sich von den vielen Blutspuren auf dem Waldboden ab und jagte an den Baumst?mmen vorbei, direkt auf ihre Siedlung zu. Als er die ersten H?user zwischen den B?umen am Waldsaum entdeckte, stellte er seine Ohren auf. Es war zu still. Es war doch noch mitten am Tag und die Bewohner waren eigentlich fast immer den ganzen Tag im Sommer drau?en, oder man h?rte einen Hund bellen. Kurz vor dem Waldsaum blieb Gilwa stehen. Seine Beine knickten ein, er konnte sich gerade noch fangen. Immer wieder schluckte er schwer gegen den Klo? in seinem Hals an. Ein dunkles Gef¨¹hl breitete sich in seiner Brust aus. Er wollte nicht weiter. Doch er musste. Er musste Elina finden. Seine Eltern. Er brauchte Hilfe. Deswegen schloss er die Augen und sprang zwischen den zwei Tannen auf die Siedlung zu, ehe er sie wieder ?ffnete. Ein gro?es Haus versperrte seine Sicht auf das restliche Dorf. Er schlich sich daran vorbei und sp?hte auf den runden Dorfplatz. Japsend sprang er wieder hinter das Haus. Sein Herz h?mmerte gegen seine Brust und Schauer fuhr ¨¹ber seine Haut. Der Platz war voller Blut. Er konnte sich ein leises Jaulen nicht verkneifen und musste die Luft anhalten, um wieder auf den Platz schauen zu k?nnen. Neben dem Blut, entdeckte ein paar Arme und Beine, doch er konnte sie nicht lange anschauen. Seine Augen dr¨¹ckten f¨¹rchterlich und wenn er nicht aufpasste, war Gilwa sich sicher, dass sie platzen w¨¹rden. Find this and other great novels on the author''s preferred platform. Support original creators! Ohne sein Winseln zu unterbrechen, hielt er nach irgendeinem Lebenszeichen Ausschau. Vielleicht ein Bauer, der gerade von seinem Feld zur¨¹ckkam. Oder ein Kind, das aus einem Haus herausgelaufen kam. Selbst die Hunde und Katzen, die sich sonst durch die Wege tummelten, fand er nicht. Seine eigene Familie hatte einen gro?en schwarzen Hund, der eigentlich immer zu Gilwa gelaufen kam, sobald er sich dem Dorf n?herte. Aber selbst Rabe kam nicht, um ihn zu begr¨¹?en. Wieder versteckte Gilwa sich hinter dem Haus, weil das viele Blut so schrecklich war. Statt auf den Platz zu treten, ging Gilwa am Rand des Dorfes entlang. Auf seinem Weg fand er noch mehr Blutspuren, tote H¨¹hner, die Hinterbeine und den Schwanz einer Katze, noch mehr Blut. So viel Blut. Er lief weiter, bis das breite Haus seiner Familie in Sicht kam. Vor der dunklen, halboffenen Eingangst¨¹r, lag Rabe, ihr Hund, sein Fell mit Blut besudelt. Gilwa rannte auf ihn zu, doch als er Rabes offenen Bauch bemerkte, stolperte er japsend zur¨¹ck. Wie vom Blitz erschlagen lag er da, konnte kaum Atmen und das Zittern seiner Beine hatte selbst seinen Kopf ¨¹bernommen. So stark, dass Gilwa mit den Z?hnen klapperte. Die Kehle zugeschn¨¹rt, ging er an seinem Hund vorbei und steckte seinen Kopf durch die halbge?ffnete T¨¹r. Sein K?rper war klein genug, um in die leere Wohnstube zu treten. Zwei St¨¹hle vom Esstisch waren umgekippt. Die Pflaumen, die eigentlich auf dem Tisch in einer Schale standen, lagen verteilt auf dem Boden, zwei davon platt getreten. Er bl?kte ins Haus hinein, so laut es ging und wartete. Wartete auf Schritte, auf einen Ruf, auf Elina, die vielleicht die Treppen hinuntergelaufen kam, oder auf das Summen seiner Mutter, wenn sie in der K¨¹che stand. Doch das Haus war still. Kein Laut war zu h?ren, au?er dem Rauschen der B?ume von drau?en, das Klappern einer T¨¹r und von den Fensterl?den der anderen H?user. Wieder presste Gilwa seine Lider zusammen, weil das Brennen und Dr¨¹cken nicht auszuhalten waren. Er legte sich auf den dicken Fellteppich und winselte vor sich hin. Wo war Elina? Wo waren seine Eltern? Sie mussten noch am Leben sein. Es konnten doch nicht alle gestorben sein. Und warum hatten die Drachen das gemacht? Warum hatten sie so viele get?tet? Gilwa wusste, dass die Ungeheuer gef?hrlich waren, aber nicht so grausam. Niemand hatte ihm erz?hlt, dass Drachen Menschen fra?en. Er rollte sich zusammen, steckte die Schnauze unter seinem Bauch und jaulte weiter. Erst als Gilwa ein lautes Rauschen h?rte, dicht gefolgt von einem Stimmengewirr, hob er den Kopf und starrte die halbge?ffnete T¨¹r an. Es waren M?nnerstimmen. Jemand war hier. Vielleicht konnten sie helfen. Statt zur T¨¹r zu laufen, streckte Gilwa seinen Hals zum Wohnzimmerfenster, nur um sich gleich wieder zu ducken. Drau?en standen keine M?nner, sondern Drachen. Seine Brust verzog sich schmerzhaft, als sein Herz wieder zu h?mmern begann. Die Stimmen redeten weiter. Vorsichtig lugte Gilwa wieder durch das Fenster. Es waren alles gro?e, hellgraue oder wei?e Drachen. Einer von ihnen war besonders gro?, sein Kopf sah auf die D?cher des Dorfes herab und hatte ein kurzes Geweih auf dem Kopf. Erstaunt beobachtete Gilwa sie beim Reden. Er hatte nicht gewusst, dass Drachen sprechen konnten. Der Schwarze hatte es nicht getan. Da trafen ihn die blauen Augen des gr??ten Drachens. Schnell zog Gilwa den Kopf ein, hielt still, doch als er h?rte, wie Schritte ¨¹ber dem Weg kratzten, die immer n?her kamen, rannte er aus der Wohnstube in die Diele. Dabei stie? sein gro?er K?rper gegen die W?nde und T¨¹ren, stie? einen weiteren Stuhl um und eine Vase von einem Schrank, ehe er in die K¨¹che hinein hechtete, wo er sich unter dem Esstisch fl¨¹chtete. Dort verbarg ihn eine Tischdecke, die ¨¹ber die Kanten herabhingen. Die Haust¨¹r schlug auf und Gilwa hielt den Atem an. ?Hallo? Ist hier noch jemand? Bitte hab keine Angst, ich tu dir nichts!? Gilwa entschl¨¹pfte ein Winseln, das er schnell wieder hinunterschluckte. Sein Herzschlag war so laut, dass er f¨¹rchtete, der Drache w¨¹rde ihn h?ren. Aber es kamen keine Schritte. Bestimmt war der Drache zu gro?, um durch die T¨¹r zu passen. Ein streichendes Ger?usch verriet ihm, dass der Drache wieder den Kopf aus der Vordert¨¹r zog. Gilwa blieb still liegen und horchte. Als er nur noch die dumpfen Stimmen von drau?en h?rte, steckte er vorsichtig den Kopf unter die Tischdecke. ?Da bist du ja!? Gilwa japste. Der riesige Drache stand direkt vor dem K¨¹chenfenster und sah auf ihm herab. Schnell zog Gilwa seinen Kopf zur¨¹ck. Er quiekte panisch, w?hrend sein ganzer K?rper zitterte. Da h?rte er ein lautes Brechen und Holzst¨¹cke flogen ¨¹ber den K¨¹chenboden. Gilwa verkroch sich n?her an die K¨¹chenwand. ?Keine Angst! Ich will dir nichts tun, ich verspreche es dir. Ich bin kein wilder Drache, ich bin nur hier, um zu helfen.? Gilwa verstummte. Ob das wirklich stimmte? Da tauchte eine wei?e Schnauze unter dem Tuch. Winselnd presste Gilwa sich gegen die Wand, w?hrend die Schnauze immer n?her kam. ?Ganz ruhig, ganz ruhig. Siehst du? Ich tue dir nichts. Ich will dir wirklich nur helfen.? Der Fremde schnupperte leise, dann hielt er still. ?Du wurdest gerade erst gebissen, nicht war? Und ... kann es sein, dass du noch klein bist? Wie alt bist du denn?? Gilwa gab nur ein Winseln als Antwort und presste sich fester an die Wand. ?Oje, ich bin wohl doch ein wenig gruselig in dieser Form, was? Warte einen Augenblick.? Die Schnauze verschwand und ein leises Rauschen echote in der K¨¹che. Dann h?rte er, wie nackte F¨¹?e auf dem Boden tapsten und eine Hand tauchte unter der Tischdecke auf. Gilwa starrte die Wand an, blinzelte mehrmals und fragte sich, woher sie kam. War der Drache verschwunden? Vorsichtig, tauchte Gilwa aus seinem Versteck. Ein dunkelblonder Mann kniete vor dem Tisch, mit blauen Augen, gekleidet mit einem langen, braunen Umhang. Sein Blick sah sanft aus und er l?chelte Gilwa an. ?Ich bin Lenius. Kannst du schon sprechen?? Er sch¨¹ttelte ganz leicht mit dem Kopf. ?Probier doch mal, die W?rme, die von deiner Bissnarbe herausflie?t, von deiner Kehle zur¨¹ckzuziehen. Als w¨¹rdest du die W?rme runterschlucken.? Lenius zeigte auf seinen Hals und schluckte schwer als Beispiel. Gilwa f¨¹hlte in sich hinein. Tats?chlich merkte er nun, wie warm er war. Als w¨¹rde warmes Wasser durch ihn laufen. Er schluckte tief und fest und starrte dann wieder Lenius an. ?Versuch doch mal, deinen Namen auszusprechen.? ?G-Gilwa.? Gilwa schnappte ¨¹berrascht nach Luft. ?Gilwa?, sagte er etwas lauter. ?Hallo, Gilwa. Wei?t du, was hier passiert ist? Haben euch schwarze Drachen angegriffen?? ?Ich ... ich wei? es nicht ...?, sagte er erstickt. ?Ich war mit meinen Schwestern im Wald, dann ist ein schwarzer Drache aufgetaucht und ich ... ich ... meine Schwester Elina! Ich finde sie nicht. Und Mama und Papa auch nicht.? Eine tiefe Falte bildetet sich zwischen Lenius'' Augenbrauen. ?Wie alt bist du, Gilwa? Und wie viele Schwestern hast du?? ?Ich bin vier ... und ... und ich habe drei Schwestern. Elina und die anderen beiden ... die anderen beiden habe ich gesehen ...? Gilwas Stimme brach ab und ging in ein lautes Winseln ¨¹ber. ?Leben die anderen beiden noch?? ?Dina ist ... ihr Kopf ...? Gilwa zitterte und lie? den Kopf h?ngen. ?Es tut mir so leid, Gilwa. Aber vielleicht, finden wir noch deine andere Schwester. Vielleicht sogar deine Mama und deinen Papa. Komm mit mir in den Garten, dort zeige ich dir, wie man sich wieder in einen Menschen verwandelt, dann suchen wir nach deiner Familie. Was h?ltst du davon?? Gilwa nickte und folgte Lenius nach drau?en. 2.3 Gilwas Ungl眉ck ?Erinnerst du dich noch, wie du die W?rme aus deinem Hals zur¨¹ckgedr?ngt hast? Genau das Gleiche musst du mit deinem restlichen K?rper machen. F¨¹hl nach der W?rme und dann dr¨¹ckst du sie in die Narbe zur¨¹ck, dort wo der Drache dich gebissen hat.? Lenius nickte ihm ermutigend zu. Gilwa warf einen kurzen Blick auf ihre Gem¨¹sebeete, wo gro?e Pfoten die Gurken, Auberginen und Salate zerdr¨¹ckt hatten, um die sich seine Mutter immer gek¨¹mmert hatte. Wenn sie zur¨¹ckkam, w¨¹rde sie sehr traurig sein. Er wollte sie schnell wieder finden. Er presste also die Augen fest zusammen und folgte Lenius'' Anweisung. Das warme Rauschen floss durch seinen ganzen K?rper. Der Drache hatte ihm am Arm erwischt und Gilwa stellte sich vor, wie diese seltsame, fremde Hitze dort hinein floss. Zuerst geschah nichts. Aber dann, dann sauste die W?rme von seinem restlichen K?rper in den Arm hinein. Seine Beine zogen sich zusammen, seine Haut kribbelte, etwas zog sich in sie hinein und im n?chsten Augenblick sp¨¹rte er eine Brise auf der nackten Haut, die ihm eine G?nsehaut verpasste. ?Sehr gut gemacht!? Lenius beugte sich zu ihm hinunter und l?chelte. ?Am besten l?ufst du jetzt schnell in dein Zimmer und ziehst dir etwas an. Schaffst du das alleine?? Gilwa sch¨¹ttelte den Kopf. ?Ich kann den Hosenknopf nicht alleine zumachen.? ?Ich helfe dir.? Gilwa f¨¹hrte ihn in sein Zimmer, direkt neben der K¨¹che und nahm etwas Kleidung aus einer Truhe. Nachdem Lenius ihm geholfen hatte, zog er seine eigene Kleidung aus einer Tasche heraus, die unter seinem Umhang versteckt war und zog sich ebenfalls an. Danach stapften sie wieder nach drau?en und folgten den d¨¹nnen Pfad, der in den anderen Wald f¨¹hrte, wo Gilwa noch nicht gesucht hatte. Er lief voran und suchte zwischen jedem Baum, hinter jedem Stamm. ?Mama! Papa! Elina!?, rief er laut und immer wieder. Ein furchtbares Gef¨¹hl breitete sich in seinem Magen aus und er schlang die Arme um den Bauch. Obwohl er den Wald kannte, ihn auch schon hundertmal alleine erkundet hatte, f¨¹hlte er sich gef?hrlich an. Und gruselig. ?Was ist los? Hast du Bauchweh??, fragte Lenius und ging auf ein Knie. Mit zitternder Unterlippe starrte er den blonden Mann an. ?Kann ich ... kann ich deine Hand nehmen?? ?Nat¨¹rlich!? Lenius erhob sich und hielt ihm die Hand hin. Es half ein wenig gegen das komische Gef¨¹hl im Bauch. Doch der Wald f¨¹hlte sich immer noch viel gr??er und dunkler an. Alles war still. Er h?rte noch nicht mal Vogelgesang. Gilwa w¨¹nschte, sein Hund w?re hier, der ihn so h?ufig in den Wald begleitet hatte. Als er an die dunklen, gl?nzenden Augen von Rabe dachte, quollen Tr?nen aus seinen Augen. Schniefend wischte er sie weg, weil er nicht weinen, sondern nach seiner Familie suchen wollte, doch der Druck in seiner Kehle und das Brennen in seinen Augen, lie? sich nicht weg reiben oder wegschlucken. Immer mehr Tr?nen tropften von seinen Wangen herab. Ein lautes Schluchzen schl¨¹pft aus seinem Mund. Lenius hielt an und ging in die Hocke, ohne seine Hand loszulassen. ?Ganz ruhig, ganz ruhig. Ich bin da, ich lass dich nicht allein.? Gilwa wimmerte, wischte sich mit dem Hemds?rmel ¨¹ber die Augen und versuchte wieder sein Schluchzen hinunterzuschlucken, doch es klappte nicht, es tat nur weh und sein Wimmern wurde lauter. ?Ach, Kleiner.? Lenius streichelte seine Schulter. ?Es tut mir so leid, ich kann verstehen, dass es dir zu viel ist. Wein dich nur aus. Magst du eine Umarmung?? Statt ihm zu antworten, warf Gilwa sich an seine Brust und schluchzte in seine Schulter hinein. Zwei kr?ftige Arme legten sich um ihn. Sie dr¨¹ckten ihn genau richtig, nicht zu fest, nicht zu schwach. Genauso, wie sein Vater ihn auch immer umarmte. Lenius schirmte ihm von dem Wald ab, der sich heute so fremd anf¨¹hlte und dr¨¹ckte gegen das dunkle Gef¨¹hl an, das sich in Gilwa ausbreitete. Lenius hielt ihn fest, bis Gilwas Schluchzen weniger wurde. Dann holte er ein Tuch aus seiner Hosentasche heraus und dr¨¹ckte es ihm vorsichtig an die Nase. Gilwa schn?uzte hinein, einmal, dann nochmal, etwas kr?ftiger. Lenius faltete das Taschentuch und wischte ihm vorsichtig die Nase. ?Sollen wir weiter suchen?? Gilwa blickte in die blauen Augen, die ihn warm anschauten und nickte. Hand in Hand suchten sie weiter den Wald ab. Zun?chst zog er den jungen Mann mit sich mit, doch dann dr¨¹ckte Lenius einmal ganz sanft seine Hand und zog ihn mit nach links, den Blick immer auf bestimmte Stellen auf dem Boden, oder an den ?sten gerichtet, als h?tte er etwas gefunden. Er lief weiter, immer schneller, bis Gilwa neben ihm laufen musste, um mitzuhalten. Dann hielt Lenius an und starrte mit gro?en Augen auf etwas vor ihnen. Gilwa folgte seinem Blick, doch er konnte nichts und niemanden finden. Er sah nur B?ume und B¨¹sche. This story has been taken without authorization. Report any sightings. Lenius hockte sich hin, mit gerunzelten Augenbrauen. ?Gilwa, ich denke, es ist besser, wenn ich dich in meinen Armen trage, in Ordnung?? Angst dr¨¹ckte in seiner Brust, doch er nickte und schlang die Arme um seinen Hals. Mit leisen Schritten, bewegte Lenius sich weiter durch den Wald, eine Hand auf Gilwas Hinterkopf gelegt, sodass er nicht denn Kopf nach hinten umdrehen konnte. Gilwa konnte nur auf den Weg starren, den sie hinter sich lie?en, bis er ein seltsames Ger?usch h?rte. Ein leises Brummen begleitet von Schmatzen. Er wollte nachsehen, was es war, doch Lenius dr¨¹ckte ihn zur¨¹ck auf seine Schultern. ?Nicht. Schau nicht hin?, fl¨¹sterte er. Lenius ging weiter, doch so langsam und vorsichtig, dass man ihn kaum h?ren konnte. Mit jedem Schritt, schlug Gilwas Herz schneller. Er sp¨¹rte auch Lenius'' Schlag, der heftig gegen seinen K?rper donnerte. Dann hielten sie an, das Brummen und Schmatzen verstummte und alles, was Gilwa h?rte, war das Pochen in seinen Ohren. Ein Biest fing an zu knurren, direkt vor ihnen. Aus Lenius'' Hals kam sofort ein Grollen heraus. Tief, heiser und so laut, dass nicht nur sein K?rper, sondern auch Gilwas vibrierte. Er wandte sich, um zu sehen, was los war, doch Lenius lie? ihn nicht los und sein Griff war eisern. Was stand da vor ihnen? Warum knurrte er? Und zwar immer lauter, bis er das andere Tier ¨¹bert?nte. Lenius trat stampfend einen Schritt nach vorne, das andere Tier verstummte und ein starker Geruch umwehte Gilwas Nase. Scharf, leicht modrig. Es roch nach Gefahr. Die Sch?rfe nahm immer mehr zu, schien direkt aus Lenius'' K?rper zu str?men, der immer w?rmer w¨¹rde. Jetzt wurde das Gebr¨¹lle so laut, dass Gilwa sich die Ohren zuhalten musste. Dumpf h?rte er noch ein Winseln, das jedoch schnell verschwand. Endlich wurde Lenius leise und Gilwa nahm vorsichtig die H?nde von den Ohren. Die Hitze in Lenius klang ab, auch die Sch?rfe verschwand aus der Luft und der junge Mann ging ein paar z?gerliche Schritte weiter. Ein anderer Geruch kam nun auf. Es roch nach Eisen. Gilwa kannte den Geruch. Er hatte ihm im Dorf gerochen, von den ganzen toten Menschen. Er schlang die Arme wieder um Lenius'' Hals. ?Gilwa. Was hatte deine Mutter heute an?? ?Ein hellbraunes Kleid?, wisperte er. ?Rote Haare?? Gilwa nickte und hob vorsichtig den Kopf. Sofort dr¨¹ckte Lenius ihn wieder auf seine Schulter. ?Und deine Schwester? Hatte sie braune Haare, so wie du und das gleiche Kleid wie deine Mutter?? Wieder pochte es in Gilwas Ohren als er nickte. Er dr¨¹ckte mit dem Kopf gegen Lenius'' Hand an, wollte sich von seinen Armen l?sen und stemmte die H?nde gegen die breite Brust. Lenius fiel auf die Knie und zw?ngte Gilwa mit seinen Armen ein. ?Nein, nein. Nicht schauen. Du darfst nicht schauen. Vertrau mir, sieh nicht hin.? Er k?mpfte weiter gegen den Griff an, dr¨¹ckte, wandte sich, doch Lenius lie? ihn nicht los. Er blieb auf den Knien, ohne etwas zu sagen. Seine H?nde zitterten. Gilwa traute sich nicht zu fragen, was vor ihnen lag. ¨C Sp?ter sa? Gilwa alleine auf seinem Bett und dr¨¹ckte seine H?nde gegen die Brust. Ein Versuch, um das finstere Gef¨¹hl loszuwerden, oder zumindest die Schmerzen, die dort waren. Er wollte nicht alleine sein. Er wollte bei seiner Mama, bei seinem Papa sein. Gilwa war sich sicher, dass Lenius und die anderen M?nner sie gefunden hatten. Doch er verstand nicht genau, warum er sie nicht sehen durfte. Es war egal, wie sehr sie verletzt waren. Er wollte sie einfach nur endlich sehen. Er h?rte Schritte und sprang vom Bett auf, ehe Lenius die T¨¹r ?ffnete. ?Kann ich sie sehen?? Gilwa lief zu ihm, griff nach einem Hosenbein und starrte hinauf in die traurigen Augen. Lenius seufzte und kniete sich vor ihm hin. ?Gilwa, ich habe deine Familie gefunden. Aber ... du kannst sie leider nicht mehr sehen.? Sein Magen krampfte sich zusammen und Gilwa wich mit zitternden Beinen zur¨¹ck. ?Warum?? Lenius seufzte wieder, seine Augen gl?nzten, sein Gesicht zuckte zusammen, als h?tte er Schmerzen. ?Ich ... Deine Familie ...? Lenius lehnte die Stirn auf seinen Oberarm und griff nach den blonden Haaren. ?Deine Eltern und deine Schwestern wurden ganz schlimm von den wilden Drachen verletzt. So schlimm, dass wir leider nichts mehr f¨¹r sie tun k?nnen. Es tut mir so leid, Gilwa. Aber sie werden nie mehr wieder aufwachen. Verstehst du, was ich meine?? Lenius l?ste sich von seinem Arm und starrte den Boden an. Alles verschwamm vor Gilwas Augen. Nie mehr wieder aufwachen. Meinte er genau wie Alros Gro?mutter, die letzte Woche eingeschlafen und dann nicht mehr aufgewacht war? Und dann unter der Erde vergraben worden war? Gilwas Knie wurden weich, er ging r¨¹ckw?rts auf das Bett zu, bis der Bettrahmen gegen seine Waden stie?. Nie mehr wieder aufwachen. Das hie?, dass er jetzt alleine war? Ganz allein? Er w¨¹rde sie nie wieder sehen? Nie wieder sprechen k?nnen? Mit zitterndem Kinn sah er zu Lenius auf. ?Nie wieder??, fragte er mit einem Klo? im Hals. Lenius sch¨¹ttelte den Kopf. ?Ich bin jetzt ganz allein?? Tr?nen sammelten sich in seinen Augen und Gilwa dr¨¹ckte die Lippen aufeinander. ?Deine Eltern k?nnen sich jetzt leider nicht mehr um dich k¨¹mmern. Deine Schwestern auch nicht. Aber vielleicht hast du ja irgendwo noch ...? Gilwas riss den Mund auf und heulte. Lang und laut. Tr?nen flossen unaufh?rlich von seinen Augen, platschten zu Boden. Die Nase war bald zu und er weinte so heftig, dass er es kaum schaffte nach Luft zu schnappen, zwischen einem Wimmern und dem n?chsten. Er war allein. Ganz allein. Gro?e Arme schlangen sich um ihn. Lenius dr¨¹ckte ihn fest, legte seine Wange auf Gilwas Kopf. ?Es tut mir so leid. So leid. Ich wei?, dass es sich ganz schrecklich anf¨¹hlt. Aber ich lasse dich jetzt nicht alleine, ich verspreche es. Meine M?nner k¨¹mmern sich gerade um die Dorfbewohner. Sie machen Gr?ber f¨¹r sie. Und f¨¹r deine Familie, machen wir ein ganz gro?es, damit sie alle zusammen sind. Sp?ter bringe ich dich hin und dann verabschieden wir uns von ihnen. Wir suchen nach der gr??ten und sch?nsten Kerze, die wir in das Grab stecken.? Nur dumpf nahm Gilwa die Worte war. Sein Heulen war zu laut. Die Schmerzen in seinem Hals und die Hitze in seinem Kopf zu stark. Er sp¨¹rte noch nicht einmal die Arme, die ihn festhielten. Es gab nur noch seine schmerzende Brust, die brennenden Augen und das schreckliche Gef¨¹hl, dass er nun allein war und keine Eltern und keine Schwestern mehr hatte. 2.4 Gilwas Ungl眉ck Lenius trug ihn nach drau?en in den Garten. Ersch?pft, mit nassen Augen und verstopfter Nase lehnte Gilwa an seiner Brust. Mehrere M?nner standen zwischen den Gem¨¹sebeeten, um einen Erdhaufen, in dem eine flackernde Kerze steckte, dort wo er am h?chsten war. Lenius ging an dem Grab vorbei zu den Blumenbeeten, die vor dem Zaun auf der anderen Seite des Gartens wuchsen. Wei?e, gelbe und rote Blumen, von denen Gilwa die Namen nicht mehr wusste. Dabei hatte seine Mutter ihm sie erst gestern wieder gesagt. Neue Tr?nen quollen aus seinen Augen heraus, doch er gab keinen Mucks von sich. Lenius setzte ihn ab, doch sein K?rper war so schwer, dass Gilwa kaum auf den eigenen F¨¹?en stehen konnte. Schnell legte Lenius die H?nde um seine kleinen Arme, um ihn zu halten. ?Magst du ein paar Blumen suchen? F¨¹r deine Familie?? Ohne zu nicken, ohne etwas zu sagen, starrte Gilwa die Blumen an, die sanft in der Brise wogen. Er blinkte, dann griff er nach Lenius'' Hosenbein und hielt sich an dem dicken Leinenstoff fest. Lenius seufzte durch die Nase, dann hob ihn wieder hoch und ging durch die Beete. ?Magst du die hier haben? Eine wei?e Lilie?? Gilwa schmiegte sich an den dunkelblonden, schulterlangen Haaren, die seinen Hals bedeckten und nickte. Die Lilien hatte seine Mama in den letzten Tagen besonders oft auf den K¨¹chentisch in einen Tonkrug gestellt. Mit einem Arm hielt Lenius Gilwa an seiner Seite, um mit der freien Hand einen Strau? Lilien zu pfl¨¹cken. Dann gingen sie zur¨¹ck zu dem Grab, wo die anderen jungen M?nner mit traurigen Blicken standen. Gilwa wollte nicht von Lenius loskommen, doch er musste mit eigenen F¨¹?en zum Grab laufen und die Blumen legen. Das sagte Gilwas Gef¨¹hl zu ihm. Tr?nen rollten seine Wangen hinab, als Lenius ihm die Blumen ¨¹berreichte. Er stie? ein langgezogenes Wimmern zwischen den geschlossenen Lippen heraus, das Herz brannte vor Schmerzen und er h?tte die Blumen am liebsten wieder losgelassen. Doch Lenius legte seine Hand auf seinen R¨¹cken und nickte Gilwa ermutigend zu. Das Grab w¨¹rde nicht sch?n ohne die Blumen aussehen. Also ging er mit einem riesigen Klo? im Hals auf den kleinen H¨¹gel zu. Er zupfte einen Blumenkopf nach dem anderen von den St?ngeln ab und verteilte sie rund um die Kerze. Gilwa bem¨¹hte sich, keinen Laut von sich zu geben, konnte jedoch ein leises Schniefen nicht unterdr¨¹ckten, w?hrend seine Tr?nen immer zahlreicher zu Boden tropften. Behutsam legte er einen Kreis aus Blumen um die Kerze und hastete zur¨¹ck zu Lenius, um sich am Saum seines Hemds festzuhalten. Ein anderer junger Mann, mit vielen Sommersprossen auf der Nase und dunklen Haaren, trat auf das Grab zu. ?Unsere Leben sind wie die Flammen einer Kerze und werden alle irgendwann erl?schen. Doch unser Blut lebt weiter in unseren Familien, ihre Erinnerungen, halten uns lebendig.? Dann pustete er die Kerze aus. Blicke hoben sich, als ein Drache aus dem Wald gelaufen kam. Er sprang, schwebte ¨¹ber den Gartenzaun und landete neben dem Grab. ?Lenius, die ¨¹berlebenden des Dorfs kehren zur¨¹ck. Wir m¨¹ssen verschwinden.? Erschrocken sah Gilwa zu seinem neuen Freund hoch. ?Gehen? Wo geht ihr hin?? W?hrend die anderen hektisch umherliefen, sich hinter den H?usern versteckten, um sich zu verwandeln, fand Gilwa sich wieder in Lenius'' Arm, der dem Jungen tief in die Augen sah. ?Kleiner, du bist jetzt ein Drache. Hier ist es nicht sicher f¨¹r dich. Wenn die anderen Dorfeinwohner herausfinden, was du geworden bist, k?nnte dein Leben in Gefahr sein. Hast du deine Tasche gepackt?? Er krallte sich an Lenius'' Kragen fest und nickte. W?hrend die anderen das Grab vorbereitet hatten, hatte Gilwa eine Tasche mit ein etwas Kleidung und einem Stoffb?ren vollgestopft. Lenius lief mit ihm zur¨¹ck ins Haus und dr?ngte den Jungen, die Tasche zu holen. ?Nimmst du mich mit??, fragte Gilwa. ?Ja, ich bringe dich hier weg und versuche, einen sicheren Ort f¨¹r dich zu finden. Versprochen.? Sobald beide wieder drau?en standen, ging Lenius um das Haus und wenig sp?ter, tauchte ein riesiger, wei?er Drachenkopf hinter dem Dach hervor. Er schwebte dicht ¨¹ber den Boden zu Gilwa und streckte seine Pfoten nach ihm aus. Mit einem Wimmern stolperte er zur¨¹ck. ?Keine Angst. Meine Pfoten sind weich und meine Krallen werden dich nicht verletzen. H¨¹pf'' rein und mach es dir dort gem¨¹tlich.? Wie eine Schaufel hielt er ihm die riesige Pfote entgegen, die langen, finger?hnlichen Glieder eng zusammen gedr¨¹ckt. Gilwa stieg in die weiche Kuhle hinein und setzte sich hin. Dann schloss Lenius leicht seine Pfote und hob ab. Gilwas Magen plumpste nach unten, trotzdem krabbelte er zu der L¨¹cke, zwischen Lenius'' Finger und Pfotenfl?che, und blickte nach unten auf sein Dorf, das immer kleiner wurde, w?hrend die restliche Umgebung sich immer mehr vor ihm ausbreitete, die Wiesen, W?lder und Berge immer zahlreicher wurden. Und f¨¹r einen kurzen Augenblick, verga? er den Klo? im Hals und saugte das Wunder ein, dass sich unter ihnen entfaltete. ¨C Lenius brachte ihn in eine Burg, in der viele junge M?nner lebten. Sie war halb zerfallen, es stand nur noch ein Turm, doch das nahm nichts von Gilwas Staunen. Lenius setzte ihn mitten im riesigen Hof ab, gr??er als der Hauptplatz in ihrem Dorf. Die Burgmauern erhoben sich h?her als die alten Eichen in ihrem Wald und er fand so viele Fensterreihen, dass er sie mit seinen H?nden nicht abz?hlen konnte. Lenius f¨¹hrte ihn durch eine T¨¹r, in einen langen Flur hinein, wo die d¨¹nne Fenster Lichtstrahlen auf die verputzten W?nde warfen. Der alte, abgenutzte Holzboden unter ihren F¨¹?en knarrte laut, w?hrend sie eine breite Wendeltreppe hinaufstiegen. If you discover this tale on Amazon, be aware that it has been stolen. Please report the violation. Die ganze Zeit hielt Gilwa Lenius'' Zeige- und Mittelfinger fest. Fremde M?nner gingen durch die G?nge, stiegen die breiten Wendeltreppe auf und ab, sahen Gilwa neugierig an, doch sagten nichts. Lenius brachte ihn in den zweiten Stock, in eine Schlafkammer die nach nassem Staub roch. Der Steinboden f¨¹hlte sich selbst durch Gilwas Schuhe kalt an. Es gab einen Schrank und ein unbezogenes Bett, auf das Lenius sich setzte. Gilwa stellte seine Tasche neben dem Bett ab und kletterte auf die Matratze und setzte sich dicht neben Lenius hin, bis er sich leicht an seinen Arm anlehnen konnte. Er seufzte schwer, so schwer, wie seine Brust sich anf¨¹hlte. Doch das Seufzen brachte keine Erleichterung, nur ein schmerzvolles Ziehen. ?Gilwa, hast du irgendwo noch Verwandte, die am Leben sind? Gro?eltern, Onkel oder Tanten, die dich aufnehmen k?nnten?? ?Ich kenne einen Onkel. Er wohnt in der Stadt.? ?Wei?t du in welcher?? Er sch¨¹ttelte den Kopf, da kam eine Erinnerung in ihm hoch. Er schnappte nach Luft und packte nach Lenius'' Arm. ?Mein Onkel, er ist ein Drachenj?ger! Wird er mich t?ten? Muss ich auch sterben??, wimmerte Gilwa. Lenius hielt inne, ?ffnete leicht den Mund und schien zu ¨¹berlegen. Schlie?lich legte er seine Hand auf Gilwas Kopf und streichelte seine Haare. ?Das w¨¹rde er wahrscheinlich niemals tun. Doch es w?re trotzdem gef?hrlich f¨¹r dich und f¨¹r ihn, wenn du in der Stadt lebst.? Gilwa lehnte sich mit den H?nden auf Lenius'' Scho? ums sich so weit hoch zu seinem Gesicht zu strecken, wie m?glich. ?Kann ich bitte hierbleiben? Bitte, bitte? Ich will nicht sterben! Und ich mag meinen Onkel nicht.? Er wollte nicht in die Stadt. Er wollte nicht zu seinem Onkel, der ihm immer viel zu kr?ftige Klapse auf dem R¨¹cken gab und seine Schwestern mit Blicken bewarf, die Gilwa nicht mochte. Er war kein netter Mann. Und seine Frau war auch nicht nett. Sie hatte sich st?ndig mit seiner Mama gestritten. Lenius antwortete ihm nicht, sondern blickte die Wand an. Doch sein Blick war ganz starr, als w¨¹rde er etwas anderes anschauen. Gilwa presste die gefalteten H?nde ¨¹ber sein wummerndes Herz. Wenn Lenius ihn nicht bei sich behielt, was w¨¹rde aus ihm werden? W¨¹rde er alleine im Wald wohnen m¨¹ssen? Wie alle anderen Tiere? Aber was w¨¹rde er essen? Und wer w¨¹rde ihn baden? Er konnte sich noch nicht alleine waschen. Wer w¨¹rde mit ihm spielen? Die tobenden Fragen pressten immer mehr Luft aus ihm heraus, bis er so wenig Luft bekam, dass er anfing zu keuchen. Lenius blinzelte mit den Augen, sah ihn endlich an und zog ihn mit einem Arm an sich heran. ?Ganz ruhig, ganz ruhig. Alles wird gut.? Lenius streichelte seinen R¨¹cken. ?Bist du sicher, dass du hier bleiben willst?? Gilwa nickte eifrig. ?Ich bin auch brav! Versprochen! Ich esse auch mein ganzes Gem¨¹se und helfe beim Abwaschen! Das kann ich schon!? Lenius war nett. Lenius hatte ihm geholfen, sich wieder zur¨¹ckzuverwandeln und er konnte gut umarmen. Wenn er bei ihm war, f¨¹hlte Gilwa sich nicht ganz so allein. ?Dann kannst du gerne bleiben. Ich passe auf dich auf, so gut ich kann.? Gilwa presste seinen Kopf an Lenius'' Bauch und atmete tief aus. ¨C Es war Nacht. Gilwa lag allein in dem riesigen Bett, bedeckt mit einer kratzenden Decke, die genauso kalt war wie der Raum. Weit und breit, war kein Licht zu sehen, weil er sich nicht getraut hatte, Lenius um eine Kerze zu bitten. Die Fensterl?den knarrten viel lauter, als er es gewohnt war und immer wieder h?rte er ein Ger?usch, ein Klappern, ein Rauschen, ein Poltern, das er nicht kannte und jedes Mal fuhr er hoch und sah sich mit lautem Herzklopfen im Zimmer um. Der Druck in seiner Brust und in seinem Hals wurde mit jedem Schreck schlimmer, bis Gilwa die Tr?nen nicht mehr zur¨¹ckhalten konnte. Schluchzend dr¨¹ckte er die H?nde auf seine Augen. Er mochte das Zimmer nicht. Er wollte seine Mama, seinen Papa, Elina, Dina und Neli. Er wollte Rabe. Doch sie waren weg. Sie waren alle weg und er war noch da. Er h?tte mit ihnen sterben sollen. Er war ein ganz schlechter Junge. Seinetwegen war Elina gestorben. Weil sie ihn besch¨¹tzt hatte. H?tte sie sich ebenfalls versteckt, dann w?re das vielleicht nicht passiert. Und seine Eltern w?ren sicher auch noch am Leben. Doch Dina und Neli ... w¨¹rde er irgendwann das Gleiche als Drache tun? Andere Kindern den Kopf abreisen? Die Vorstellung lie? ihn laut aufheulen. Wenig sp?ter klapperte seine T¨¹r. Gilwa hielt inne und bewegte sich nicht, selbst sein Schluchzen erstarb in seinem Hals. Mit einem langsamen Knarren ging die T¨¹r auf. Zwei gelbe Augen leuchteten in der Dunkelheit auf und Gilwa schnappte erschrocken nach der Decke. ?Gilwa??, wisperte Lenius. Sofort sprang der Junge aus dem Bett und rannte schluchzend in Richtung der Stimme. Zwei starke Arme fingen ihn auf und hoben ihm vom kalten Boden. Gilwa schlang die Arme um den warmen Hals und wimmerte. ?Alles ist gut, alles ist gut. Ich bin da.? Lenius schritt auf das Bett zu und wollte Gilwa dort ablegen, doch der Junge klammerte sich mit ganzer Kraft an ihm fest. Er wollte nicht. Blo? nicht wieder einsam in dem fremden Bett liegen. ?Soll ich in neben dir schlafen? W¨¹rde das helfen?? Gilwa nickte schluchzend und schniefend. Als er merkte, dass Lenius die Bettdecke nahm und sich hinlegte, l?ste er seine Arme von seinem Nacken und dr?ngte sich an ihm heran, nahe an der Brust, sodass er Lenius'' Herzschlag auf der Stirn sp¨¹ren konnte. ?Morgen zeige ich dir, wie man fliegt. Du wirst sehen, das macht richtig viel Spa? und ist ganz leicht. Wir k?nnen zu dem Wasserfall fliegen, der ist nicht weit von hier. Der See dort ist so klar, dass man alle Fische bis hinunter in den Grund z?hlen kann. Es gibt auch eine Steppe mit Wildpferden, ganz in der N?he.? Lenius erz?hlte ihm von dem Wald, welche Tiere er dort schon entdeckt hatte. Dass einer seiner M?nner einen richtig guten Eintopf kochen konnte. Dass er Gilwa helfen w¨¹rde, sich in einen wei?en Drachen zu verwandeln, genauso wie er selbst. Mit jedem Wort, l?sten sich Gilwas ?ngstliche Gedanken auf, sein Schluchzen wurde leiser, bis es ganz verschwand. Seine Lider wurden schwer und er verstand immer weniger von Lenius'' Erz?hlung. Als Lenius seinen Arm um ihn legte, seufzte Gilwa und lie? die Augen zufallen und kein Klappern, kein noch so lauter Windruf konnte ihn in der Nacht aufwecken. ENDE 3.1 Nevins Verlobte Mit gefurchten Augenbrauen, starrte Nevin auf die Inselgruppe, die ihren Namen gerade alle Ehre machte. Ein grauer, blitzender Schleier hing ¨¹ber ihnen, brauste das Meer um die K¨¹ste auf, sodass die Sturminseln von wogenden, wei?en Schaumwellen umringt waren. Nevin lehnte die Oberarme auf die Reling und legte sein Kinn auf den seidenen Stoff seines ?rmels zu legen, das sein Vater ihm aufgezwungen hatte. Ein Seidenhemd, einen Umhang mit goldbestickten Schulterklappen, feine Leinenhosen, fast so weich wie samt und die teuersten Stiefel, die sein Vater ihm je gegeben hatte. Nevin wunderte sich, dass er nicht auch noch seine dumme Krone tragen musste, die ihn als Thronfolger des Kaisers von Rovisland auszeichnete. Besagte Krone war auch auf seinem Umhang bestickt, die Teil seines Wappens war. Das gleiche Wappen, das auch auf dem Vordermast des Schiffes abgebildet war, mit dem sie gerade ¨¹ber das aufgew¨¹hlte Meer fuhren. Gerade war sein Vater in seiner riesigen Kaj¨¹te, um sich auszuruhen und deshalb wagte Nevin es, eine schlechte Miene zu ziehen und tief zu seufzen. Er war auf dem Weg, nur damit sein Vater ihn mit einer unbekannten Prinzessin verloben konnte. Nun, sie war nicht v?llig unbekannt. Er hatte eine Radierung von Prinzessin Elyon gesehen und sehr seltsame Geschichten ¨¹ber sie geh?rt. Sie sollte eigentlich tot sein, aufgrund eines Bootsunfalls. Doch man hatte sie im Wald gefunden, lebendig und mitten unter W?lfen lebend. Wenn das stimmte, wunderte es Nevin umso mehr, dass sie die Auserw?hlte des Kaisers sein sollte, um seinen Thronfolger zu heiraten. Doch Nevin wagte es nicht, irgendeinen dieser Gedanken gegen¨¹ber seinem Vater zu ?u?ern. Niemals. Das hatte seine Mutter ihm beigebracht. Seine wahren Gedanken und Gef¨¹hle nicht vor der Gegenwart des Kaisers zu ?u?ern oder Luft zu machen. M?glichst viel L?cheln. Das mochte sein Vater, der es selbst kaum tat und vor lauter Grimmigkeit eine Falte zwischen den Augenbrauen hatte, die niemals verschwand. Nur tiefer, oder etwas schw?cher wurde, je nachdem, in welcher Stimmung er sich befand. Tr?nen traten Nevin in die Augen. Weil er nicht mit zw?lf Jahren verlobt sein wollte. Weil er keine Person heiraten wollte, die er kaum kannte und auch erst nach ihrer Hochzeit kennenlernen w¨¹rde. Weil er seit drei Jahren seine Mutter nicht mehr gesehen hatte und sie schrecklich vermisste. Seine aufgew¨¹hlten Gef¨¹hle w?rmten sein Bein auf und ein warmer, scharfer Strom sickerte langsam seinen K?rper hinauf. Nevin hielt den Atem an. Auch das noch. Der Fluch. Er musste sich schnell beruhigen, denn sich ungewollt auf dem Schiff seines Vaters in einen Drachen verwandeln, war das letzte, was er tun sollte, wenn er am Leben bleiben wollte. Ein Arm ber¨¹hrte seinen. ?Was ist los? Ich rieche den Fluch?, wisperte Dilek, sein Kindheitsfreund und sein zuk¨¹nftiger Leibw?chter. Und verflucht, genau wie Nevin. Blaue Augen suchten besorgt sein Gesicht ab, dann hob Dilek wissend die dunkelblonden Brauen hoch. ?Du denkst schon wieder an deine Mutter, nicht wahr? Du wei?t, dass das immer bei dir eine Verwandlung ausl?st. Komm, lass mich dich ablenken. Hast du schon irgendwelche T¨¹mmler gesehen? Hier soll es sehr viele geben.? Dilek beugte sich ¨¹ber die Reling und suchte das tosende Wasser ab. Da polterten schnelle Schritte ¨¹ber das Deck und eine kleine Gestalt zw?ngte sich zwischen ihnen. ?Warum stehst du so dicht neben ihm?!?, schimpfte Finan. ?Ich bin sein Bruder! Nicht du!? Obwohl Nevins j¨¹ngerer Bruder einen ganzen Kopf kleiner war, stie? er den breit gebauten Dilek so heftig zur Seite, dass dieser sich nur knapp fangen konnte, ehe sein Kinn auf das Deck landete. ?Du kleiner Wicht! H?r auf, mich st?ndig zu schubsen!? Dilek schnaubte und st¨¹rzte sich auf Finan. ?Nein! H?r du auf, dich Nevin st?ndig aufzudr?ngen!? Nevin seufzte. Er hatte es so schon so oft probiert, ihre Streitereien aufzul?sen, doch ohne Erfolg. Beide waren zu hei?bl¨¹tig und er war heute zu bedr¨¹ckt, um sich um sie zu k¨¹mmern. ?Ich bin sein Leibw?chter! Ich muss immer bei ihm sein!?, sagte Dilek und ?chzte, als Finan hochsprang und ihn in den Schwitzkasten nahm. ?Nein! Du bist erst zw?lf! Leibw?chter wird man erst mit sechzehn! So lange bin ich sein Lieblingsbruder, nicht du!? Nevin wandte sich von den raufenden Jungs ab und starrte wieder auf die Insel, die nun ein ganzes St¨¹ck n?her war. Sein Magen krampfte sich zusammen. ?Hey! Aufh?ren!?, rief eine m?nnliche, erwachsene Stimme und Nevin drehte sich um. Sein Ziehvater, Jesko, rannte gerade auf die zwei Raufenden zu und riss sie auseinander. ?Lasst eure Streitereien auf dem Schiff sein?, zischte Jesko. ?Was sollen die Schiffsleute ¨¹ber euch denken? Der Kaiser k?nnte jederzeit hier auftauchen.? Sofort sanken ihre F?uste und Finan, sowie Dilek blickten beide hinter Jesko, um mit besorgten Mienen das Schiff abzusuchen. Doch der Kaiser war nicht zu sehen. Jesko ?chzte und schob seine braunen, kinnlangen Haarstr?hen zur¨¹ck, die sich von seinem Zopf gel?st hatten. W?hrend er das Band aus seinem Haar l?ste, um es erneut zusammenzubinden, fing er Nevins Blick auf. Sofort lie? Jesko die H?nde sinken und seufzte schwer. ?Jungs, haltet doch ein wenig Wache, ja?? Dilek und Finan verstanden sofort und liefen um das Deckshaus herum und beobachteten dort das Oberdeck um sie zu warnen, sollte der Kaiser sich aus seiner Kaj¨¹te begeben. ?Nun schau doch nicht so bedr¨¹ckt, mein Junge.? Jesko stellte sich zu ihm an die Reling und klopfte seinen R¨¹cken. ?Von dem, was ich geh?rt habe, ist sie keine typische Prinzessin. Ich bin mir sicher, dass du sie ... ?u?erst interessant finden wirst.? Nevin ?chzte. ?Das klingt furchtbar.? Jesko warf einen Schulterblick auf das Deck und als er niemanden sah, schlang er die Arme um Nevin, hob ihn vom Boden, sch¨¹ttelte ihn leicht und dr¨¹ckte seine Wange auf Nevins Kopf. Genauso, wie er es getan hatte, als Nevin noch kleiner war. Er konnte nicht anders, als zu l?cheln. ?Ah! Da ist es wieder, mein Goldl?cheln.? Jesko dr¨¹ckte ihm einen Kuss auf die Stirn, vorsichtig, um nicht die aufwendig zur¨¹ckgesteckten Haare aus dem dicken Zopf zu ziehen, den seine Kammerdiener mit seinen langen Haaren erschaffen hatten. Sein Ziehvater stellte ihn wieder auf den Boden und l?ste schnell die Arme von ihm. Doch als Nevin die Leere um ihn herum f¨¹hlte, stieg das ¨¹ble Gef¨¹hl in ihm wieder hoch und er schmiegte sich an Jeskos Seite, der es nicht wagte, wieder den Arm um ihn zu legen, da gerade ein paar M?nner der Besatzung hinter ihnen vorbeiliefen. This novel is published on a different platform. Support the original author by finding the official source. Nevin seufzte und l?ste sich wieder von Jesko, der von seinem Vater eigentlich als strenger Erzieher f¨¹r seinen Sohn eingestellt worden war. Das war ¨¹blich in seiner Familie. Der Kaiser musste mindestens 11 S?hne geb?ren, die alle als Aufseher ¨¹ber die einzelnen K?nigreiche des Reichs eingesetzt wurden und ihren Vater ¨¹ber den Stand ihres Einsatzgebietes, und nat¨¹rlich auch ¨¹ber die F¨¹hrung der K?nige zu berichten. Das erforderte jede Menge Konkubinen und selten blieben die Nachkommen der Kaiser nur bei zehn Kindern. Nevins Vater hatte sechzehn S?hne und acht T?chter, letztere wohnten mit den Konkubinen im Schwertlilienpalast, ein riesiges Geb?ude, direkt neben dem kaiserlichen Palast, von hohen Mauern umgeben und f¨¹r alle M?nner verschlossen, au?er f¨¹r den Kaiser und seine S?hne. Dort lebten und arbeiteten nur Frauen. Selbst die Wache bestand aus Frauen, eine gro?e Ausnahme in Rovisland und die einzigen K?mpferinnen im ganzen Kaiserreich. Bei so vielen Kindern und einem so gro?en K?nigreich, hatte Nevins Vater keine Zeit f¨¹r ihn, obwohl er der ernannte Thronfolger vonseiten seiner Gro?eltern war. Deswegen hatten alle seine Br¨¹der Ziehv?ter. Jesko war seiner. Er, sein Zwillingsbruder Jaro, der auch Nevins Lehrer war und Jaros Frau waren neben seiner Mutter, seinem Halbbruder Finan und Dilek, mit dem er aufgewachsen war, die einzigen, die Nevin als Familie betrachtete. Die Wolken ¨¹ber den Sturminseln kl?rten sich langsam auf, gleichzeitig zeichnete sich der gro?e n?rdliche Hafen der Hauptinsel ab und nicht weit dahinter, eine dunkle Burg, die ¨¹ber die Hafenstadt thronte und so schwarz war, dass sie nur ein Schatten zu sein schien. ?Ich werde versuchen, mehr ¨¹ber die Prinzessin zu erfahren, wenn wir dort sind.? Jesko beobachtete mit gerunzelter Stirn die immer gr??er werdende Insel. Nevin hatte keinen Zweifel daran, dass Jekos mehr erfahren w¨¹rde. Sein Ziehvater besa? eine charmante Freundlichkeit, die selbst die Wut seines Vaters zu d?mpfen vermochte, wenn Nevin mal wieder einen Fehler w?hrend seiner Kampfstunden, oder in seinen Hausaufgaben machte. Und alle anderen Menschen, die nicht so tollw¨¹tig wie der Kaiser waren, konnten Jesko nichts abschlagen, mochten sie noch so unbezwingbar erscheinen. Er hoffte, dass sie keine weinerliche Prinzessin war, die nur Kleider, Musik, oder ihre Puppen im Kopf hatte. Oder die nichts tat, au?er B¨¹cher zu lesen und aus der kein Wort zu kriegen war. Nevin seufzte erneut und legte die Stirn auf die Arme, die sich nicht von der Reling Halt gel?st hatten. Er blieb so, bis Finan und Dilek angelaufen kamen und ihnen abgehetzt verk¨¹ndeten, dass der Kaiser auf dem Weg war. Nevin nahm tief Luft, entspannte seine Gesichtsz¨¹ge und formte ein leichtes, freundliches L?cheln mit den Lippen. Er stellte sich vor, wie seine Augen, genau wie die seiner Mutter funkelten. Dann kam der Herrscher von Rovisland um die Ecke gestampft und stierte sie unter dicken, gefurchten Augenbrauen an. Die hellbraunen Augen keilten sich an Nevin fest und ihr Blick fuhr auf und ab. Nevins Herz machte einen Satz. Hatte er vergessen, seine Haare zu richten oder seinen roten Umhang? Bestimmt sah er zerzaust aus. Doch der Kaiser sagte nichts, nickte nur und bedeutete Nevin ihm zu folgen, in Richtung Schiffsbug. Dort stellte sich Nevins Vater breitbeinig wie ein Krieger auf, bereit die Insel einzunehmen, seinen Blick starr auf die Kaizunge gerichtet, wo bereits eine gro?e Menschenmenge sie erwartete. Riesigen kaiserlichen Fahnen waren am Hafen verteilt gehisst worden, die sich mit denen der Insel abwechselten, auf denen gelbe Blitze und raue Wellen abgebildet waren. Kein Jubel war zu h?ren, was Nevin nicht ¨¹berraschte. Die Insel geh?rte nicht zum Kaiserreich. Zumindest nicht offiziell. Sie war eine einsame Existenz, abh?ngig vom Kaiserreich und von dem s¨¹dlichen, warmen Kontinent, zu klein, um eine gro?e Macht darzustellen. Zu karg, um sich alleine mit Nahrungsmitteln zu versorgen und die einzige Handelsmacht des K?nigs lag in den brillanten K?pfen, die er beherbergte. Wissenschaftler, die vor allem im Bereich der Medizin immer wieder gro?e Entdeckungen machten und deren Heilmittel der K?nig der Sturminsel zu hohen Preisen weiter an das Festland verkaufen konnte. H?tten die Sturminseln sich nicht dieser Mediziner und Wissenschaftler r¨¹hmen k?nnen, w?re sie nur mit einer unbedeutenden, sklaven?hnlichen Existenz bestraft gewesen. Dies alles, hatte Jaro Nevin letzte Woche gelehrt, um ihn auf seinen Besuch vorzubereiten. Doch sein Wissen half nicht gegen das mulmige Gef¨¹hl in Nevins Bauch, oder gegen das Herzklopfen, das stetig schneller wurde. Es kostete ihm einiges, um seinen geraden R¨¹cken und seine ausgestreckte Brust zu bewahren und nicht v?llig in sich zusammenzufallen. Er wollte nicht. Er wollte kein Prinz sein, der sich mit zw?lf verloben musste und der mit einer Unbekannten mindestens elf S?hne haben musste. Er wollte fliehen. Und er h?tte die M?glichkeit dazu gehabt. Schlie?lich trug er den gef¨¹rchteten Fluch in sich, der Menschen in Drachen verwandelte. Er war seit drei Jahren ein gro?es Ungeheuer, das fliegen konnte. Sich wehren konnte. Und doch, er konnte es nicht. Weil es nicht mit einer Flucht enden w¨¹rde. Weil das ganze Kaiserreich voller Drachenj?ger war und sein Vater die Macht hatte, die besten von ihnen einzustellen und sie auf Nevin anzusetzen, bis sie ihn gefangen, oder umgebracht hatten. Und ein Kaiser hatte nicht zu fl¨¹chten, sondern allem entgegenzustehen, dass ihm begegnete. So war er erzogen worden, seit er klein war. Nevin saugte die salzige, kalte Luft ein, schloss kurz die Augen, dr?ngte die W?rme zur¨¹ck, die wieder drohte durch seinen K?rper zu w¨¹ten und ihn zu verwandeln. Als das Schiff leicht gegen den Landungssteg stie?, ?ffnete er sie wieder und l?chelte. L?chelte, so wie seine Mutter es ihm beigebracht hatte. Neugierig dr?ngten sich die Hafeneinwohner n?her an die Reihe von k?niglichen Wachen heran, die sie davon abhielten, n?her an den Steg zu treten. Sie beobachteten den Kaiser, der sie mit einem nicht ganz so grimmigen Blick bedachte. Trotzdem richteten die Einwohner ihre Augen schnell auf Nevin und blieben dort h?ngen. Sie f¨¹hlten sich an wie tausende von Pfeilen, die aus allen Richtungen in seinen K?rper eindrangen und dort stecken blieben. Doch Nevin hatte es von seiner Mutter gelernt, in ?ffentlichen Veranstaltungen, den Blick f¨¹r einen bestimmten Zeitraum auf die Menge zu behalten, um die Gunst der Menschen zu gewinnen. So z?hlte Nevin langsam bis zehn f¨¹r die linke Seite der Zuschauer, dann f¨¹r die rechte und konnte dann endlich geradeaus auf die breite Hauptstra?e schauen, die in einer leichten Linkskurve hinauf in die Burg f¨¹hrte. Eine offene Kutsche wartete bereits dort, wo die Fischerh?user aufh?rten und die Wohnh?user begannen, die genauso grau waren, wie die Pflastersteine unter Nevins F¨¹?en und den Himmel ¨¹ber ihren K?pfen. Die Stra?e gl?nzte noch vom Regen, auch wenn keine Tropfen mehr vom Himmel fielen. Nevin folgte seinem Vater in die Kutsche, Finan setzte sich neben ihn und sagte kein Wort. Er wagte es nicht. Finan hatte sich mit seinem aufbrausendem Temperament schon zu viele Ohrfeigen von ihrem Vater einkassiert. Zwischendurch auch schon mal einen Schlag mit der flachen Seite seines Langschwerts, das er immer mit sich trug. Auch heute hielt er es vor sich, die H?nde auf dem Knauf geruht, als w?re es ein Zepter und keine Waffe. Nevin merkte, dass Finans Blick genau so oft auf das Schwert zuckte, wie sein eigener. Sein kleiner Bruder war damals dabei gewesen, als Nevin weinend zu seinem Vater geschleppt worden war, sein Bein entbl??t, wo man deutlich den frischen Biss des Drachens hatte sehen konnte. Er hatte erschrocken aufgeschrien, als sein Vater das Schwert gezogen und an Nevins Kehle gehalten hatte. Nevin konnte sich nicht daran erinnern, wie man verhindert hatte, dass sein Vater ihn umbrachte. Er konnte sich nur noch an den Stich erinnern, an die Blutstropfen, die von seinem pochenden Hals herausgeflossen waren. An das dr¨¹ckende Gef¨¹hl in der Brust, als w¨¹rde sein Herz jeden Augenblick zu schlagen aufh?ren. Jemand hatte mit seinem Vater geredet, ihn ¨¹berredet. Wahrscheinlich Jaro und Jesko. Nevin unterdr¨¹ckte ein Seufzen, stupste seinen Bruder leicht mit dem Ellbogen an, als der Kaiser nicht hinsah und sah dann auf die dunkle Burg, von der man langsam die einzelnen Steine ihrer Mauer ausmachen konnte. 3.2 Nevins Verlobte Statt sie in die Burgresidenz hineinzuf¨¹hren, wurden sie, nachdem sie das erste Burgtor passiert hatten, zu einer Art Arena gef¨¹hrt, die nicht unweit von der Residenz stand. Zwei M?nner f¨¹hrten sie an, Teil der pers?nlichen Wache des K?nigs, so wurde es ihnen von einem Diener erz?hlt. Zwei weitere bildeten das Schlusslicht. Alles war dunkelgrau. Die Pflastersteine. Die Mauern der Burg. Die Burg selbst. Der Himmel. Das Licht. Alles war wie von einem Schattenschleier bedeckt. Nevin wollte nach Hause. Zur¨¹ck zu seiner Burg, wo sein Vater ihn hin verbannt hatte. Er mochte seine Burg. Sie war umgeben von einer kleinen Siedlung und einem riesigen Wald. Dort war er unter sich und konnte in Ruhe ¨¹berlegen, wie er den Fluch loswerden konnte. Und es war nicht so grau und finster wie hier. Der Eingang zur Burg waren drei Rundb?gen, dessen T¨¹ren offen standen und an deren Seiten graublaue Fahnen hingen, mit wellenf?rmigen Mustern, unterbrochen von wei?en Blitzen. Sie betraten den breiten Gang, der zu den R?ngen f¨¹hrte, doch statt sie dorthin zu f¨¹hren, gingen die Wachen nach links bis sie vor einem vergoldeten Eingang anhielten, auf dem K?nig Elyons Wappen als Relief zu sehen war. Wieder Wellen und Blitze. Die Wachen ?ffneten die T¨¹r und der Kaiser betrat eine weite Loge. Der graue Boden wich mehreren B?renteppichen. Dunkelblaue Samtsessel standen verteil in der Loge, an den Seiten standen mehrere goldene Kerzenleuchter, alle angez¨¹ndet und die den offenen Raum in ein warmes Licht tauchten. Vorne, dicht vor der Balkonbr¨¹stung, stand ein kleiner, breit gebauter Mann mit dem R¨¹cken zu ihnen. Er trug keine Krone, doch durch seinen dunkelblauen Umhang und die Art, wie er breitbeinige da stand verrieten, dass es K?nig Elyon war. Er drehte sich um und dunkle, fast schwarze Augen starrten sie an. Dann verbeugte sich der K?nig, langsam und tief. ?Eure kaiserliche Majest?t. Es ist eine gro?e Ehre, Euch in meinem kleinen Reich begr¨¹?en zu d¨¹rfen.? Er hob leicht seinen Blick, doch nicht sein Haupt. ?Danke f¨¹r Eure Gastfreundschaft.? Nevins Vater nickte und bedeutete K?nig Elyon, sich zu erheben, dann zeigte er auf Nevin. ?Dies ist mein Thronfolger, Prinz Ilias. Und neben ihm steht der kaiserliche Prinz Finan.? Der K?nig verbeugte sich wieder, doch er erhob sich schnell. Als seine dunklen Augen auf Nevin landeten, war er dankbar, dass er Jeskos W?rme an seinem R¨¹cken sp¨¹rte. Seine Iriden sahen im d?mmrigen Licht schw?rzer als die Nacht aus. Trotzdem brodelte etwas in ihnen, wie ein w¨¹tendes Meer, bereit alles zu verschlucken, was sich in sein Gew?sser wagte. Etwas Verhasstes lag in seinem Gesicht, unterstrichen durch die Mundwinkel, die st?ndig leicht nach unten gezogen waren, den streng nach hinten gek?mmten, schwarzen Haaren und der dicken Peitsche, die an seinem G¨¹rtel gebunden war. Nevin trat einen winzigen Schritt zur¨¹ck, bis sein Kopf leicht Jeskos Bauch ber¨¹hrte. ?Wo ist die Prinzessin??, fragte der Kaiser und sah sich um. ?Meine Tochter befindet sich gerade in der Arena.? Der K?nig ging zur Seite, um ihnen Platz an der Br¨¹stung zu machen. Nevin folgte seinem Vater zum Rand der Loge und sie blickten gemeinsam hinab auf den ovalen Sandplatz. Dort trabte ein wei?es Pony, mit kr?ftigen Beinen und einem seltsamen Gang, den Nevin bis jetzt noch bei keinem anderen Reittier gesehen hatte. Statt ein Vorderbein und ein Hinterbein diagonal auf dem Boden abzusto?en, trafen seine Beine immer einseitig auf den Sand. Eine kleine Gestalt sa? auf seinem R¨¹cken Ein d¨¹nnes Kind mit dunklen Haaren. Nevin wagte es nicht, seine Drachensicht zu benutzten, da es seine Augen ver?nderte. Und er momentan nicht das Gef¨¹hl hatte, genug Kontrolle ¨¹ber den Fluch zu haben. Das Pony trug weder Sattel noch Halfter. Das Kind hielt sich nur mithilfe seiner Beine an dem Tier fest, denn seine H?nde benutzte es, um einen Bogen zu spannen. Mehre Zielscheiben standen entlang der Arenamauern verteilt, an denen das Pony vorbei lief. Das Kind schoss einen Pfeil ab und traf direkt ins Schwarze. Nevin zuckte einmal mit den Augen und schon hatte es einen weiteren Pfeil angelegt und traf die n?chste. Und die n?chste Scheibe und die n?chste. Jedes Mal die Mitte. Als das Pony an ihrer Loge vorbeitrabte, beugte sich das Kind vor und schien dem Hengst irgendetwas zuzufl¨¹stern. Da weiteten sich die Schritte des Ponys und es galoppierte an den Zielscheiben entlang. Ohne von seinem R¨¹cken zu fallen, schie? das Kind weitere Pfeile ab, ohne die Mitte zu verpassen. Nevin war irritiert. Das Kind hatte einen langen Zopf, doch es trug braune Hosen und ein einfaches Hemd und keine Schuhe oder Stiefel. Das konnte nicht die Prinzessin sein. Sein Vater rieb sich das Kinn, bedeckt mit einem kurzen, hellbraunem Bart. ?Wie lange ¨¹bt sie sich schon im Bogenschie?en??, fragte der Kaiser. Nevin riss die Augen auf und beugte sich weiter vor. Das war tats?chlich die Prinzessin? Finan legte seine Hand um Nevins Oberarm und dr¨¹ckte fest zu. Finans Mund war weit aufgeklappt. Finan war mit zw?lf bereits einer der besten J?ger in der Kaiserstadt. Im Schie?en war er unangefochten in seiner Altersgruppe. Nevin konnte sich nicht mehr mit seinem kleinen Bruder messen. ?Drei Monate. Sie reitet seit vier Monaten. Den Hengst hat sie selbst gez?hmt. Davor hat sie Schwertkampf gelernt. Und davor Ringen. Sie holt immer mehr auf und wird in wenigen Jahren meine besten M?nner ¨¹bertreffen. Das haben mir meine eigenen Wachen best?tigt.? Der K?nig l?chelte kein einziges Mal. Und das Funkeln, dass Nevin in seinen Augen entdeckte, hatte nichts mit Stolz zu tun. Daf¨¹r war es zu kalt, zu hart. Es war Gier. Nevin kannte das Funkeln. So schaute auch sein Vater, wann immer er die neuen Steuerberichte durchlas. This novel is published on a different platform. Support the original author by finding the official source. Ein kalter Schauer fuhr ¨¹ber Nevins R¨¹cken. Dann richtete er wieder den Blick auf die kleine Gestalt in der Arena und konnte es nicht fassen, dass sie seine Verlobte sein sollte. Ein k¨¹mmerliches Kind, von hier sah sie noch nicht einmal besonders sch?n aus. Was war nur in seinen Vater gefahren? ?Ich habe viel von ihren F?higkeiten geh?rt. Auch von ihren sehr au?ergew?hnlichen Reflexen. Doch warum ist sie barfu???, fragte der Kaiser. Seine Stimme klang nicht harsch, eine ehrliche Neugierde lag in seinen Worten. Was Nevin ¨¹berrascht aufsehen lie?. Sein Vater sah interessiert aus. Der Gleiche Mann, dem ein ordentliches und angemessene Aussehen so viel lag, dass er seine eigenen S?hne schlug, wann immer ihnen auch nur ein kleines Haar von der Frisur ab stand. Das M?dchen ritt barfu?. Er konnte von hier den Schmutz auf ihrer Fu?sohle sehen. Mehrere Haarstr?hnen standen von ihrem Zopf ab. ?So kann sie den Hengst besser steuern?, erkl?rte der K?nig schnell. Zu schnell. Als h?tte er sich diese Antwort schon lange vorher ¨¹berlegt. Der Kaiser sah ebenfalls nicht ¨¹berzeugt aus. Doch er stellte keine weiteren Fragen. Ein Knecht trat in die Arena, aus einem Eingang, der direkt unter ihnen lag, und Prinzessin Elyon hielt den Hengst an. Der junge Mann n?herte sich dem Pony vorsichtig an, als w?re er ein wildes Tier und kein gez?hmtes Wesen. Der wei?e Hengst riss den Kopf hoch und schnaubte w¨¹tend, als der Knecht seinen Hals ber¨¹hrte. Die Prinzessin beugte sich vor, bewegte ihre Lippen und dann hielt der Hengst still. Sie sprang von ihm ab und der Knecht folgte ihr mit dem Hengst aus der Arena. ?Prinzessin Elyon ...?, begann der K?nig wieder. ?Ist dem Sprechen noch nicht so m?chtig. Doch sie versteht alles. Und kann zur Not auch mit einzelnen W?rtern antworten.? ?Sie kann nicht sprechen?? Der Kaiser zog eine Augenbraue hoch, gleichzeitig vertiefte sich die Falte zwischen seinen Brauen. ?Noch nicht. Doch sie kann lesen und auch immer besser schreiben.? ?Wann habt ihr sie im Wald gefunden??, hakte der Kaiser nach. ?Vor zwei Jahren.? ?Nun, ich sch?tze, dass sie bis zu ihrem sechzehnten Lebensjahr bereit sein sollte, in die Gesellschaft eingef¨¹hrt zu werden. Wenn sie schon so schnell K?mpfen und Schie?en kann, sollte ja das Reden keine weitere Schwierigkeit darstellen.? ?Sicherlich wird sie das?, sagte K?nig Elyon, ohne dabei den Kaiser anzusehen. Seine Stirn gl?nzte. Der Kaiser verwickelte ihn in ein Gespr?ch ¨¹ber den Hengst, doch Nevin h?rte nicht zu, sondern ¨¹berlegte fieberhaft, was die Prinzessin an sich hatte, dass seinen Vater so interessierte. Es musste irgendetwas sein, dass zu seiner Macht beitrug. Doch was? Als die T¨¹ren wenig sp?ter hinter ihnen ge?ffnet wurden, schien der K?nig kurz aufatmen zu wollen, doch er hielt die Luft an und heftete seinen Blick auf die Wachen, die gerade zur Seite traten, um Prinzessin Elyon durchzulassen. Sie hatte sich umgezogen. Die Prinzessin trug immer noch Hosen und ein Hemd, doch diese waren aus feineren Stoffen, in den blaugrauen Farben ihres K?nigreichs, bestickt mit schwarzen Wellenmuster. Und sie trug Stiefel. Saubere, die mit Pflege?l gl?nzten. Nevin konnte den Blick nicht von ihr abwenden und er hatte gerade noch genug Geistesgegenwart, um seinen Mund geschlossen zu halten. Die Prinzessin war winzig. Ein kleiner, d¨¹rrer K?rper, der noch nicht mal ihre Kleidung ausf¨¹llen konnte. Ihre F¨¹?e waren die H?lfte von seinen eigenen, wenn ¨¹berhaupt. Eine niedliche, gerade Nase zierte ihr Gesicht, sowie ein rundes Kinn. Ihre Haare waren nun ordentlich und streng nach hinten geflochten, doch die Frisur nahm nichts von der Kindlichkeit ihres Gesichts. Angeblich war sie zehn Jahre alt. Doch sie sah aus wie sechs. Dann sah Nevin ihr in die Augen. Dunkler als die ihres Vaters, konnte Nevin im d?mmrigen Kerzenlicht kaum ihre Pupillen sehen. Doch er fand etwas anderes. Ein tiefer Ausdruck, so hart und ernst, dass sie ?lter wirkte als die M?nner, die um sie herum standen. Etwas Unnachgiebiges lag in ihnen. Als w¨¹rde sie vor nichts zur¨¹ckweichen, dass sich ihr in den Weg stellen w¨¹rde. Das kleine M?dchen trat an Nevin und den Kaiser heran und verbeugte sich, wie ein Mann es machen w¨¹rde. Sein Vater runzelte die Brauen. Dann ging er in die Hocke und starrte sie an. Immer noch mit gefurchten Brauen. Prinzessin Elyon erhob sich und begegnete ihn mit einem ernsten Gesicht, das wie versteinert wirkte. Nur ihre Augen bewegten sich. Starrten dem Kaiser entgegen, ohne Furcht, ohne Scheu. Begriff sie ¨¹berhaupt, wer da vor ihr stand? Niemand starrte den Kaiser so an. Zumindest niemand, dem Nevin bis jetzt begegnet war. Selbst K?nig Elyon schien vor dem Kaiser zur¨¹ckweichen zu wollen. ?Ihr seid also Prinzessin Elyon. Wie alt seid Ihr?? ?Zehn?, sagte die Prinzessin, mit einer rauchigen, tiefen Stimme, als h?tte sie diese schon l?ngere Zeit nicht mehr benutzt. Der Kaiser hob die Augenbrauen, doch er nickte zufrieden. Nevin hielt die Luft an. Wer war dieses M?dchen? Das in Jungenbekleidung und unbeeindruckt vor ihnen stehen konnte, ohne dass der Kaiser beleidigt nach seinem Langschwert griff? Was hatte sie an sich, dass den Kaiser so milde stimmte? ?Ich habe geh?rt, dass Ihr im Wald gelebt habt. Unter W?lfen. Stimmt das?? Die Prinzessin nickte, mit dem gleichen, ernsten Gesichtsausdruck. ?Und Ihr k?nnt gut jagen?? Wieder nickte die Prinzessin. ?Ich will, dass Ihr unser Abendessen jagt, Eure Hoheit. Ich will, dass Ihr mir das gr??te Reh bringt, dass Ihr hier auf der Insel finden k?nnt.? Der K?nig schluckte laut und sah nerv?s auf seine Tochter. Diese fing kurz seinen Blick auf, starrte auf die Peitsche und f¨¹r einen winzigen Augenblick, zuckte ihr Mund, ihr Blick flackerte. Eine Spur von Angst. Dann blickte sie wieder den Kaiser an und nickte, ohne den Rest ihres K?rpers zu regen. ?Seid Ihr Euch sicher, dass Ihr das schaffen k?nnt??, fragte der Kaiser. Noch ein Nicken. ?Gut. Mein Sohn Ilias wird Euch helfen.? Sein Vater stand auf und legte eine Hand auf Nevins Schulter. Sie f¨¹hlte sich schwer an. Als w¨¹rde der Kaiser versuchen, ihn zu Boden zu drucken. Die Prinzessin starrte Nevin an, auf und ab, bis sie an seinen Armen h?ngen blieb. Ihr Gesichtsausdruck war so leer, dass Nevin nicht erahnen konnte, was sie f¨¹hlte, was sie dachte. Er war sonst sehr gut darin. Sie nickte wieder und sah ihren Vater an. ?Ich f¨¹hre Euch zu den Jagdkammern und befehle meinen M?nnern, alles vorzubereiten.? Der K?nig verbeugte sich leicht, dann lief er auf die T¨¹r zu. ?Die zwei sollen alleine gehen. Keine Erwachsenenbegleitung.? Nevins Vater folgte dem Inselk?nig in den Gang, doch der dunkelhaarige Mann blieb stehen und drehte sich langsam um. ?Seid ihr Euch sicher? Unsere W?lder sind ... etwas gef?hrlich.? Nicht nur die Stirn des K?nigs gl?nzte, jetzt auch noch seine Schl?fen. ?Ist Eure Tochter nicht dort aufgewachsen? Mein Sohn sollte in guten H?nden aufgehoben sein.? Der Kaiser l?chelte und in Nevins Hals bildete sich ein dicker Knoten. Was hatte sein Vater nur vor? 3.3 Nevins Verlobte Sie standen am Rand des Saums, sein Vater und Nevin selbst etwas abseits von den anderen. Ein fremder K?cher hing um seine Schulter. Man hatte ihm auch eine gro?e Tasche, zwei Messer, ein Seil und ein Kurzschwert gegeben. Der Kaiser legte seine breiten H?nde auf Nevins Schultern und dr¨¹ckte sie so fest, dass es wehtat. Nevin zwang sich dazu, den brodelnden Augen seines Vaters zu begegnen und keinen Mucks von sich zu geben. Er wollte nach Hause. Er wollte einfach nur nach Hause. ?H?r mir gut zu, Sohn. Ich will, dass du die Prinzessin ganz genau beobachtest. Alles was sie tut, wie sie sich bewegt, wie die Tiere im Wald auf sie reagieren. Lass sie keinen einzigen Moment aus den Augen.? ?Warum?? Sofort hielt Nevin die Luft an und dr¨¹ckte die Lippen zusammen. Die Frage war ihm ausgerutscht. Seine Kehle bebte im Takt seines Herzschlags, doch sein Vater warf nur einen Blick auf die Prinzessin, die gerade ihre Ausr¨¹stung ¨¹berpr¨¹fte. ?Ich bin mir fast sicher, dass sie eine ganz besondere Macht in sich tr?gt. Und die will ich haben.? Nevin erlaubte sich wieder zu atmen. Das war noch mal gut gegangen. Er betrachtete die Prinzessin und versuchte etwas an dem kleinen M?dchen zu entdecken, dass sie zu besonders machen k?nnte. Im Augenblick, war selbst der ernste Ausdruck in ihren Augen verschwunden. Ihr Vater redete gerade auf das M?dchen ein, doch sie sah ihn nicht an. Ihr Blick war starr auf die Peitsche gerichtet, die an seinem G¨¹rtel hing. Der entfernte, ?ngstliche Ausdruck kam ihm bekannt vor. So sah auch Finan oft, wenn sein Vater nach seinem Langschwert griff, um sie zu schlagen. ?Du wirst mir alles ganz genau berichten, sobald wir wieder auf dem Weg ins Kaiserreich sind.? Der Kaiser griff nach seiner Schulter und zerrte ihn mit sich. Selbst als Nevin sich seinem Gang anpasste, lie? sein Vater ihn nicht los. Er platzierte ihn neben Jesko und trat auf den K?nig zu. ?Alles in Ordnung??, fragte sein Ziehvater leise und lehnte sich dicht an ihm, um ihm kurz ¨¹ber den R¨¹cken zu streichen. Nevin nickte und beobachtete die beiden M?nner vor ihm. K?nig Elyon, mit schwitziger Stirn, sein Vater mit der Nase leicht erh?ht, als w¨¹rde er damit noch mehr unterstreichen wollen, wie hoch sein Rang als Kaiser war. ?Ich will auch jagen?, murrte Finan leise. ?Warum darf ich nicht mitgehen?? Nevin h?tte seinen Bruder und Dilek liebend gern mitgenommen. Beide waren bessere J?ger als er. Und er wollte nicht alleine mit diesem finsteren M?dchen sein. ?Finan, du wei?t, dass das nicht geht. Sp?ter nehme ich euch mit auf den Kampfplatz, dort k?nnen Dilek und du euch die einschlagen, wenn ihr wollt. Aber nur mit Holzschwertern.? Der Kaiser bedeutete Nevin, n?her heranzutreten und er hastete zu seinem Vater. ?Seid beim n?chsten Glockenschlag zur¨¹ck?, sagte der K?nig zu seiner Tochter. Sie nickte, machte eine Verbeugung, drehte sich auf dem Absatz um und marschierte in den Wald hinein. Nevin nickte dem K?nig kurz zu, dann lief er ihr hinterher und tauchte in das d?mmrige Unterholz ein. Obwohl die Insel klein war, sprossen riesige B¨¹sche und B?ume aus ihrem Boden. Nevin hatte noch nie so hohe Kiefern gesehen. Der Wald war dicht bewachsen, sodass das schummrige Licht kaum durch das Laubdach dringen konnte. An manchen Stellen war es so dunkel, dass Nevin die Wurzeln auf dem Weg nicht erkennen konnte und stolperte. Die Prinzessin hingegen, schritt mit nach vorne gerichtetem Kopf durch den Wald, ohne ein einziges Mal nach unten schauen zu m¨¹ssen. Au?er der Selbstsicherheit, mit der sie sich durch den Wald bewegte, bemerkte Nevin zun?chst nichts Auff?lliges. Dann raschelte ein Ast und etwas sprang von ihm ab. Nevin blieb erschrocken stehen, doch es war nur ein Eichh?rnchen, das direkt auf Prinzessin Elyons Schulter landete und dort sitzen blieb. Ihm folgte ein weiteres Eichh?rnchen und beide kletterten auf ihren Schultern herum, sogar auf ihren Kopf, ohne dass sie auch nur einmal anhielt oder sie wegscheuchte. Nevin hatte Eichh?rnchen noch nie so nahe gesehen, oder so entspannt auf einem Menschen sitzen. Hatte sie diese gez?hmt? Es hie?, dass sie gut darin war, Tiere zu z?hmen. Meine sein Vater das mit besonderer Macht? Das M?dchen hielt an und blickte nach links. ?Alles in Ordnung??, fragte Nevin leise. ?Was siehst du?? Sie hielt sich einen Finger an den Mund, die Eichh?rnchen sprangen von ihrer Schulter ab, hinauf auf eine Eiche. Die Prinzessin rannte auf dessen Stamm zu und kletterte sie hinauf, so schnell, dass sie selbst wie ein Eichh?rnchen wirkte. ?Warte!? Nevin wollte ihr hinterher klettern, doch sie sprang von der Eiche ab, landete auf den Ast einer Buche und sprang immer weiter, von Ast zu Ast, genau wie die Eichh?rnchen, die sie begleiteten. Nevin lie? von dem Stamm ab, flitzte ihr hinterher, stolperte ¨¹ber einige Wurzeln und verlor sie aus den Augen. Es raschelte, weit entfernt, doch Nevin war sich nicht sicher, ob es von ihr stammte, noch konnte er h?ren, woher genau es kam. Er war allein. Allein in einem fremden Wald. Er h?tte seine Drachensinne benutzen k?nnen. Um besser zu h?ren, besser in dieser D?mmerung sehen zu k?nnen. Um ihre F?hrte aufzunehmen. Doch Nevins Herz klopfte immer lauter und er traute sich nicht zu, die Gewalt ¨¹ber den Fluch zu behalten. Er dufte sich nicht verwandeln. Nicht hier. Er nahm tief Luft und sah sich um. Panik w¨¹rde Nevin nichts bringen. Das hatte ihm seine Mutter beigebracht. Kurz innezuhalten und zu ¨¹berlegen, was er zu tun hatte, das w¨¹rde ihm weiter helfen. Sein Vater wollte Wild haben. Ein Reh. Er sollte danach Ausschau halten. Prinzessin Elyon wusste, dass er ein Gast war und sich nicht im Wald auskannte. Hoffentlich. Sie schien nicht schwer von Begriff zu sein, aber auch nicht ganz wie ein normaler Mensch. Die Prinzessin w¨¹rde ihn schon wieder finden. Sie w¨¹rde ihn wieder zur¨¹ck zur Burg f¨¹hren. Hoffentlich. Nevin seufzte und bewegte sich weiter durch den unbekannten, finsteren Wald voran. This narrative has been purloined without the author''s approval. Report any appearances on Amazon. Er suchte nach lichteren Stellen, nach Spuren im weichen Boden, nach abgebrochenen oder abgenagten ?sten. Schlie?lich tauchte eine kleine Lichtung vor ihm auf und als Nevin das Gras absuchte, fand er Spuren von Rehhufen im schlammigen Boden. Der F?hrte folgend, bewegte er sich durch die Lichtung, zur¨¹ck in das n?chste Waldst¨¹ck hinein. Bald hatte er einen Fluss erreicht, wo die Spur endete. Er suchte eine engere Stelle des Flussbetts und sprang ¨¹ber das Wasser. Nevin war kaum f¨¹nf Schritte gelaufen, als er ein lautes Brummen h?rte. Er gefror auf der Stelle. Ein riesiger B?r, gr??er als alle, die er jemals im Kaiserreich gehen hatte, stapfte geradewegs auf den Fluss zu. Langsam streckte er seine Hand nach hinten aus, Richtung Bogen, ohne das riesige Tier aus den Augen zu lassen. Noch hatte der B?r ihn nicht bemerkt. Vielleicht w¨¹rde er eine andere Richtung einschlagen und Nevin in Ruhe zu lassen. Als der B?r ¨¹ber ein paar Brombeerstr?ucher stieg, stand er auf, witterte und blickte ihm direkt in die Augen. Nevin schnappte nach einem Pfeil und legte ihn an, doch ein heftiges Zittern ¨¹berfiel seine Arme und s?mtliche Kraft l?ste sich in ihm auf. Ein altes Bild durchflutete seinen Kopf. Eine weite Steppe, ein Zelt, ein schwarzes Biest, das aus dem naheliegenden Wald herausgest¨¹rzt kam. Ein Biest, das nach seinem Bein schnappte. Nevin keuchte. Der B?r fletschte seine Z?hne, genau wie der Drache es getan hatte. Dann verschwanden seine Gedanken, er konnte nichts mehr h?ren, nichts mehr sehen, au?er der schemenhaften, braunen Gestalt vor ihm. Die Kraft, die ihn verlassen hatte, str?mte in seine Beine hinein. Weglaufen. Weglaufen! Nevin wandte sich ab und rannte los. Eine ganz kleine Stimme in seinem Kopf, versuchte ihn daran zu erinnern, dass er einen Fehler beging. Dass er schie?en sollte. Dass er sich auf den Boden legen und sich tot stellen sollte. Sich verwandeln und das Biest verscheuchen sollte. Doch Nevin konnte seine Beine nicht anhalten. Als h?tte die Panik seinen ganzen K?rper gepackt, sauste er durch den Wald. Er konnte gerade noch auf die Wurzeln achten, um nicht zu stolpern. Hinter ihm h?mmerten die Schritte des B?ren, immer n?her. Den Fluch, er brauchte den Fluch. Doch die W?rme, die er sonst in seinem Bein fand, war verschwunden. Er fand nur das feurige Rauschen seines Bluts. Er sprang nach Links, auf eine breite Lichtung zu. Ihn trennte nur ein hohes Geb¨¹sch von dem hohen Gras. Da stie? er gegen etwas Hartes. Ein gro?er Fels, direkt hinter den B¨¹schen. Nevin fiel ¨¹ber den Brocken und landete mit dem Kinn auf dem schlammigen Boden. Dicht hinter ihm patschten die Schritte des B?ren. Nevin wollte sich auf die Beine zerren, doch sein K?rper zitterte von dem Aufprall und seine Arme knickte ab. Da traf ihn etwas an der Seite und er flog ¨¹ber das Gras. Es d?mpfte seinen Fall, doch dann fuhren Krallen durch seinen R¨¹cken, ein Brennen zuckte durch seinen K?rper und Nevin br¨¹llte auf vor Schmerzen. Er wollte aufspringen, davonrennen, doch das Tier schlug wieder mit der Pranke zu, drehte Nevin um und dr¨¹ckte die Pfote auf seine Brust. Nevin wandte sich panisch, versuchte von seinem Griff wegzukommen, doch der Druck auf seiner Brust wurde immer st?rker und immer mehr Kraft wich von seinen Gliedern. Der B?r ?ffnete seinen geifernden Mund und der Anblick der scharfen Z?hne, versteinerte Nevins K?rper fror ein. Selbst sein Atem hielt an. Seine Ohren rauschten und ¨¹bert?nte alle anderen Ger?usche. Geifer tropfte auf sein Gesicht. Er war tot. Da spritzte ihm etwas Dunkles, Warmes entgegen. Der B?r hielt inne, riss die Augen auf. Eine Schwertspitze hatte sich durch seine Kehle gebohrt. Nevin hob keuchend den Blick. Eine kleine Gestalt sa? auf dem Nacken des B?ren. Sie sprang von dem Tier ab und zog es dabei mit sich. Der B?r brach zusammen, direkt vor den F¨¹?en der Prinzessin. Blutspritzer rannen ihre Wangen herab. Ihre schwarzen Augen trafen seine. Langsam klang das Rauschen in seinen Ohren ab, doch Nevin rang immer noch nach Luft. Er versuchte sich aufzurichten, doch Prinzessin Elyon legte eine Hand auf seine Schulter und dr¨¹ckte ihn zur¨¹ck zu Boden und hielt ihn dort fest. Er versuchte sich wieder aufzusetzen, doch ihr Blick war eisern. Er lie? den Kopf zur¨¹ck ins Gras fallen. Langsam sickerte die k¨¹hle Feuchtigkeit des feuchten Bodens durch seine Hose. Er sp¨¹rte einen dumpfen Schmerz in seinem R¨¹cken. Doch dieser w¨¹rde bald verschwinden. Der Fluch in seinen Adern, str?mte sanft in Richtung der Wunde und ein Prickeln verriet ihm, dass dieser dabei war, ihn zu heilen. Die Prinzessin beobachtete immer wieder die Umgebung und l?ste erst ihre Hand von ihm, als er ruhiger atmete. Sie stand auf und suchte weiter den Wald ab. Nevin stand langsam auf und klopfte sich Schlammbrocken und Bl?tter von der Kleidung. ?Danke. Du hast mein Leben gerettet?, wisperte er. Die Prinzessin sah ihn wieder an, zog ihre Augenbrauen zusammen und sch¨¹ttelte missbilligend den Kopf. ?Aufgeben, nein. K?mpfen, immer. Bis Tod. K?mpfen.? Ihr Blick gl¨¹hte, als wollte sie ihre Worte tief in ihm einpr?gen. Nevin hielt die Luft an, ankerte sich an ihrem Blick fest. Eine W?rme entfaltete sich in seiner Brust. Nicht die W?rme des Fluchs. Es war etwas anderes. Etwas, dass seine Furcht vor dem Fluch, vor dieser Insel, vor seinem Vater f¨¹r einen Augenblick zur¨¹ck. Nicht aufgeben. Immer K?mpfen. Bis zum Tod. Nevin wusste nicht, was genau sie erlebt hatte. Doch ihre Worte hatten ein Gewicht, dass ihn davon ¨¹berzeugte, dass sie viel erlebt hatte. Genug, um nach diesen Worten zu leben. ?Ich habe verstanden?, sagte er leise. Die Prinzessin zog ihr Schwert aus dem B?ren heraus und wischte die Klinge mit einem Taschentuch ab. Dann bedeutete sie ihm mit einem Nicken, ihr zu folgen. Sie f¨¹hrte ihn entlang des Flusses, auf eine weitere Lichtung zu, wo mitten im Gras ein riesiger Hirsch tot lag. Ein Pfeil steckte in seiner Brust. Ein einziger. Die Prinzessin hob den Kopf und stie? ein langes, hohes Heulen aus. Nevin blinkte und beobachtete das seltsame Schauspiel, bis ein weiteres Heulen durch den Wald echote. Zun?chst war es nur eine Stimme, dann ein ganzer Chor. Nevins Nackenhaare standen ihm zu Berge. Doch er versuchte ruhig zu bleiben. Elyon war mit W?lfen aufgewachsen. Sie kannte die Tiere. Sie w¨¹rde sie hoffentlich davon abhalten, ihn anzugreifen. Wenig sp?ter, h?rte er lautes Hecheln und zehn W?lfe kamen in die Lichtung gelaufen. Winselnd und japsend sprangen sie auf Elyon zu. Die Schw?nze wedelten, Pfoten tapsten sie an, lange, rosafarbene Zungen leckten sie ab. Ihre Arme, ihren R¨¹cken, ihre Haare, ihr Gesicht. Ein besonders gro?er Wolf dr?ngte sich durch die anderen und schleckte winselnd Elyons Lippen ab. Elyon lie? alles mit sich geschehen, streckte ihre H?nde aus um alle W?lfe kurz zu streicheln, doch um den gro?en Wolf, schlang sie ihre Arme und dr¨¹ckte ihn fest. Die Schw?rze ihrer Augen w?rmte sich auf und verwandelte sich in ein dunkles Braun. Ein kleines L?cheln stahl sich auf ihren Lippen. Sie sah nicht mehr wie ein verbittertes Kind aus, sondern wie ein junges M?dchen, voller Leben. Das war nicht mehr die Gleiche Prinzessin, die er in Gegenwart ihres Vaters erlebt hatte. Jetzt wirkte sie fast schon nahbar. Nevin atmete so leise wie m?glich und zwang jeden einzelnen Muskel, still zu sein. Doch die W?lfe k¨¹mmerten sich nicht um ihn. Sie waren ganz damit besch?ftigt, die Prinzessin mit Liebkosungen zu ¨¹berh?ufen. Irgendwann stand sie auf und ging auf den Hirsch zu. Kein einziger Wolf fasste ihn an. Sie folgten ihr, hielten Abstand zu dem Wild und beobachteten, wie das M?dchen ein Seil um die Hinterbeine des Hirsches band. Dann begann sie, ihn von der Lichtung zu ziehen. ?Warte, ich nehme ihn dir ab, dann kannst du dich um die W?lfe k¨¹mmern.? Nevin hielt ihr die Hand hin und sie gab ihm wortlos das Seil. Die Prinzessin f¨¹hrte ihn, begleitet von den W?lfen zur¨¹ck zu dem B?ren, den sie ebenfalls mit Seilen pr?parierte, bis sie f¨¹nf Enden in der Hand hielt. Dann schnalzte sie und die W?lfe sammelten sich um sie herum. Sie band die Seile um die Br¨¹ste der W?lfe band. Dann schnalzte sie noch einmal und die W?lfe halfen ihr, das riesige Tier aus dem Wald zu ziehen. Erstaunt blieb Nevin f¨¹r ein paar Augenblicke stehen, dann sch¨¹ttelte er den Kopf und hastete ihr hinterher. 3.4 Nevins Verlobte Als sie zur¨¹ckkehrte, liefen zwei Wachen in die Burg, um den K?nig und den Kaiser zu holen, w?hrend K?nigs Elyons J?ger ihnen die Tiere abnahmen. Keiner der J?ger zeigte auch nur eine Spur von Erstaunen, als sie mit den W?lfen, dem B?ren und dem riesigen Hirsch ankamen. Als w?re dies ein allt?gliches Geschehen f¨¹r sie, warteten die M?nner, bis Elyon die W?lfe losgebunden hatte. Die Tiere hatten sich nur bis zum Rand des Waldes getraut und beobachteten die Menschen mit herunter gepressten Ohren. Elyon Schnitt ein Bein des Rehs ab und legte es vor dem Leitwolf hin. Dieser schnappte das Bein und trug es zur¨¹ck in den Wald. Als die J?ger gerade anfingen, den B?ren mit sich in die Jagdh¨¹tte zu ziehen, kam Nevins Familie an, begleitet von K?nig Elyon. K?nig Elyon seufzte, aber so unauff?llig, dass es nur Nevin auffiel, denn seine eigene Familie war v?llig von dem Anblick des Jagdguts eingenommen. Selbst sein Vater hob seine Brauen hoch und starrte abwechselnd den B?ren und die Prinzessin an. ?Habt ihr den B?ren ganz alleine erlegt??, fragte sein Vater, an Nevin gerichtet. Er sch¨¹ttelte den Kopf. ?Der B?r griff mich an, woraufhin die Prinzessin ihn mit einem Schwertstich t?tete.? Sein Vater musterte wieder die Prinzessin an. Sie bemerkte dies jedoch nicht, denn sie war ganz auf ihren Vater fixiert, die Stirn in leichten Falten gelegt. Dieser nickte zufrieden und befahl seinen M?nnern, beide Tiere auszunehmen. Dann bemerkte Nevin, dass ihr Blick nicht wirklich auf ihren Vater gerichtet war, sondern wieder auf die Peitsche an seinem G¨¹rtel. ?Eure kaiserliche Hoheit, w?ret Ihr bereit, das B?renfell als Geschenk von uns anzunehmen??, fragte K?nig Elyon. ?Sturmb?ren sind selten auf der Insel und dieser hat ein besonders dichtes, pr?chtiges Fell.? Finans Augen leuchteten auf. Er liebte alles, was selten und teuer war. Er hatte bereits mit zw?lf eine gr??ere Edelsteinsammlung, als Nevin selbst. Der Kaiser nickte. ?Es w?re mir eine Freude, ein solch pr?chtiges Fell in meine Sammlung aufzunehmen. ?Sehr wohl.? ?Ihr hab mich stark beeindruckt, Prinzessin?, sagte der Kaiser und das M?dchen l?ste endlich ihre dunklen Augen von ihrem Vater, um dem Herrscher zu begegnen. ?Ihr habt nicht nur zwei pr?chtige Tiere zur¨¹ckgebracht, sondern anscheinend auch meinem Sohn das Leben gerettet. Ich danke Euch, dass Ihr den Thronfolger von Rovisland besch¨¹tzt habt.? Prinzessin Elyon verbeugte sich, ihr Gesicht zeigte wieder keinerlei Spuren von Furcht. Nevin h?tte sich am liebsten an ihre Seite gestellt, statt neben seinem Vater zu stehen. Um etwas von ihrem Selbstbewusstsein aufzusaugen. Vielleicht w¨¹rde er dem Kaiser anders begegnen, mit einem nicht so verknoteten Magen. Mit etwas mehr Atem in seinen Lungen. Es begann wieder zu regnen und der K?nig f¨¹hrte sie zur¨¹ck in die Burg. Auf dem Weg dorthin n?herte Nevin sich der Prinzessin an. If you spot this narrative on Amazon, know that it has been stolen. Report the violation.?Ich muss mich noch bei Euch bedanken. Ohne Euch, h?tte der B?r mit schwer erwischt. Vielen Dank.? Sie nickte nur, ohne ihn anzuschauen, doch sie entfernte sich auch nicht von Nevin, sondern stapfte neben ihm auf ihr finsteres Zuhause zu. ¨C Sp?ter sa?en sie in einem Speisesaal, mit Platz f¨¹r drei?ig G?ste. Die W?nde waren geschm¨¹ckt mit samtenen Teppichen, in der gleichen, dunkelblauen Farbe wie die Tischdecke. Das goldene Geschirr blitzte im Kerzenlicht, das Reh lag auf einem riesigen, goldenen Pr?sentierteller und erf¨¹llte den ganzen Raum mit seinem gebratenem Duft. Der Kaiser setzte sich an die Spitze der Tafel. Links von ihm, sa?en der K?nig und einige F¨¹rsten und ihre Frauen, rechts von ihm, Nevin und der Rest seiner Familie. Die Prinzessin war nirgends zu sehen. ?Wo ist Eure Tochter??, fragte der Kaiser. Der K?nig schluckte leicht. ?Bitte verzeiht ihre Abwesenheit, sie hat in letzter Zeit abends ?fters Kopfschmerzen, wegen den vermehrten Regenf?llen.? Das klang nach einer typischen Prinzessin, die ihr Leben innerhalb von Schloss- und Burgmauern verbracht hatte. Aber nicht nach einem M?dchen, dass ihr halbes Leben in einem Wald verbracht hatte und eigenh?ndig einen riesigen B?ren t?ten konnte. Jesko beugte sich zu Nevin. ?Sie mag kein gekochtes Essen. Und hat bis heute noch keine ansehnlichen Tischmanieren. Hab ich von den K?chen erfahren?, fl¨¹sterte er. ?Erz?hl Vater nichts davon.? Nevin beugte sich zur¨¹ck, da der Diener gerade einen dampfenden Teller mit gekochtem Gem¨¹se servierte. ?Du siehst gar nicht mehr so niedergeschlagen aus. Dabei bist du fast von einem B?ren get?tet worden?, fl¨¹sterte Jesko, als der Diener sich wieder entfernt hatte. Nevin dachte kurz nach, horchte in sich, um seine Gef¨¹hle zu ¨¹berpr¨¹fen. Jesko hatte recht. Er war nun etwas entspannter. Etwas zuversichtlicher. ?Ich glaube, ich werde sie m?gen.? Jesko hob eine Augenbraue. Prinzessin Elyon war nicht das, was er erwartet hatte. Er konnte es nicht genau in Worte fassen, aber ihre Worte, etwas in ihrem Blick, die Art, wie die Eichh?rnchen sorglos auf ihren Schultern gerastet hatten, die W?lfe sie liebkost hatten. Etwas in ihr gab Nevin eine Sicherheit, die er schon lange nicht mehr in der Gegenwart von Fremden und besonders Adligen gesp¨¹rt hatte. Als w¨¹rde alles irgendwie in Ordnung werden. Sein Bauchgef¨¹hl sagte ihm, dass es ein gro?er Vorteil w?re, sie zu seinen Verb¨¹ndeten z?hlen zu k?nnen, vielleicht sogar zu seinen Freunden. ?Nun, dein Vater schein sie auch haben zu wollen. Das ist also von Vorteil. ¨¹brigens, ich habe es geschafft, einem Gespr?ch zwischen deinem Vater und dem K?nig zu lauschen?, fl¨¹sterte Jesko weiter und beobachtete den K?nig dabei, wie er pers?nlich das Reh zerlegte. Um sie herum unterhielten sich die Erwachsenen ¨¹ber belanglose Dinge. ?Die Familie K?nig Elyons, scheint irgendeine Verbindung zu H?hental und dem Fluch zu haben. Ich glaube, dein Vater hofft, dass sie dem Fluch irgendetwas entgegensetzen k?nnen.? Nevin l?ste den blick von dem Braten und starrte Jesko an, fast in Erwartung, ein verschmitztes Grinsen zu sehen, als Zeichen, dass er scherzte. Doch er fand keine Spur davon. Jesko meinte es ernst. ?Wir werden da nachforschen. Ich verspreche es. Sobald wir wieder zur¨¹ck in Adlerstal sind. Vielleicht hat dein Vater recht. Ich hoffe, dass er recht hat.? Nevin starrte seinen Teller an, ohne etwas von dem Essen darauf wahrzunehmen. H?hental, K?nig Elyon und der Fluch. Konnte es sein? Konnte es tats?chlich sein, dass sie eine Spur zu dem Ursprung des Fluchs entdeckt hatten? Ein flatterndes Gef¨¹hl breitete sich in seiner Brust aus. Hoffnung. Es war so lange her, seitdem er sie das letzte Mal gesp¨¹rt hatte. Und nun hatte er jemanden gefunden, der sie ihm vielleicht geben wollte. ENDE